bereits mit 28 Jahren war tito tettamanti tessiner cvp-regierungsrat. dann wurde er als baulöwe reich und als financier gefürchtet. 2002 stieg er ins mediengeschäft, in dem er half, die weltwoche, das streitorgan der ordoliberalen und nationalkonservativen auf den schweizer markt zu bringen. ein kurzporträt des 80jährigen, der geld und geist in sich vereint, um die streitkultur in der schweiz zu fördern.

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tito tettamanti gibt im der heutigen soz seine lebensprinzipien als leitbilder der schweiz durch

im grossen interview mit der heutigen sonntagszeitung beschreibt tito tettamanti seine erziehung im geiste des katholizismus. doch habe er den glauben von damals verloren, denn gott könne man nicht rational begründen.

das ist beim geld anders. der tessiner jurist lobt es als die beste erfindung, die der menschliche geist hervorgebracht habe. nicht einmal der geldbesitz treibe ihn an. mehr sei es die frage, was man mit geld alles machen könne, gesteht er der sonntäglichen leserschaft.

im äusserlichen stets geschliffen, kann „tt“ ganz schön direkt werden. vielleicht liegt das an seiner kleinbürgerlichen herkunft. die arbeiter seiner zeit seien stolz auf ihre kollektive identität gewesen. das habe man in seinem milieu nicht gekannt, weshalb man mühe gehabt habe, fassung zu bewahren.

das merkt man, wenn er politisiert: die schweiz befinde sich in einer notlage, was die zusammenarbeit der besten köpfe erfordere. als couchepin demissioniert habe, wären drei weitere rücktritte fällig gewesen. die fdp- und sp-delegationen hätte er am liebsten in globo nach hause geschickt. dafür hätten die medien kämpfen, ja, eine kampagne machen sollen; doch hätten sie jämmerlich versagt.

mehr als versagt, ja schuld trage die politik an der finanzkrise. die elektoralen absichten clintons seien die ursache, weiss er. jedem amerikaner sein eigenheim zu ermöglichen, habe die spirale in gang gesetzt. diese hätten die banker mit ihren betrügerischen spielchen nur beschleunigt. am schluss seien noch die deppen aufgesprungen, zum beispiel die von der ubs, die dann viel geld verloren hätten.

wahrlich, zum establishment gehört einer, der so spricht, nicht. vielmehr identifiziert sich individualist tettamanti, wie so oft unter kleinbürgerlich sozialisierten, mit dem populisten. zu recht, sagt er, der halbe milliardär, ärgere es sich über die banken, die sich alles leisten könnten, ohne verantwortung tragen zu müssen. verkleinern will er die schweizer banken im interesse der unternehmen nicht. eine erhöhung des eigenkapital befürwortet er aber, auch um die horrenden boni zu senken.

das rezept des luganesen für sein land ist einfach: die eu brauche es nicht; auf sich selber hören solle es. am besten sei es, „wenn sich Politiker, Wirtschaftsvertreter und Intellektuelle in den Haaren liegen“. streitkultur nennt man das, und das ist es, was er der schweiz verordnet.

mit george soros will tt übrigens nicht verglichen werden. der sei philosoph und leite ein globales investmentimperium. er wolle die welt nicht verbessern; daran hindere ihn sein zynismus. immerhin, auch er hat ein buch geschrieben, eine geistreiche verteidigung des wirtschaftsliberalismus‘ wie sie ein mainstreamler nicht hätte verfassen können. „aus gesellschaftlicher eitelkeit“ habe er das getan, bekennt er heute in der sonntagspresse.

investiert hat der financier sein so erworbenes gesellschaftlichen eigenkapital in den „verein zivilgesellschaft„, dem ich zwischenzeitlich auch angehöre und aus dem ich gelegentlich ideen ziehe. der club denkt regelmässig über vorteile der schweizer eigenarten nach, zum beispiel über eidgenössische solidarität, über direkte demokratie und den föderalismus.

genau dieses schweiz-bild liess ihn anfangs jahr auch zu meiner überraschung die basler-zeitung kaufen. denn eine echt nationale zeitung werde es in der Schweiz nie geben. soviel zur zukunft der regionalpresse!

das alles tönt, wie könnte es anders sein, korrekt liberal, bewusst national und kohärent rational. doch dann öffnet sich im interview mit philipp löpfe auch die andere Seite des tessiner katholiken, überzeugten föderalisten und diskreten machtmenschen: auf jeden fall habe er mit dem gang ans rheinknie verhindern wollen, dass ein zürcher verleger den zuschlag erhalten habe.

in deren kreisen wiederum hält sich hartnäckig das gerücht, beim jüngsten deal am bodensee hätten nicht nur nzz und tamedia mitgemischt, sondern auch ein unbekannter dritter, der ganz gerne gezeigt hätte, was man mit geld so alles machen könne …

stadtwanderer


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