eine sonntagswanderung, bei der man das eine oder andere aus den zeitungen aufschnappt, und dabei unversehens eine geschichte zu erzählen beginnt.

brquelle: silvan wegmann/sonntag.

es waren einmal sieben zwerge. sie regierten ein kleines land in den bergen. in urzeiten hatte man entschieden, dass sie ein kollegium bildeten. keiner trug die verantwortung alleine, und kein parlament konnte mit seiner mehrheit drohen. jede und jeder der regierungszwerge vertrat ein sippe, grosse sippen hat gar zwei zwerge zu gute.

doch die sippen vermehrten sich ungleich schnell. die cleverste unter ihnen begann bedingungen zu stellen. nur der, und kein anderer dürfe sie vertreten. die anderen sippen gaben nach, selbst als eine der zwergfrauen dafür in die wüste geschickt werden musste. nach einer weile widersetzen sich aber die kleinen sippen gegenüber der grossen sippe, und schickten ihrerseits ihren vertreter nach hause. der jedoch gab nicht klein bei, streute sand ins getriebe der anderen sippen und der regierung. am ende war soviel drin, dass alles stockte.

aufmerksam auf das land der zwerge wurde ein wüstensohn aus entfernten landen. er forderte seinen ganzen sand zurück. der sohn des wüstensohns, der sich gerne im lande der zwerge aufhielt, ohne sich an die dortigen sitten zu halten, wurde dafür arretiert. das gefiel dem wüstensohn ganz und gar nicht, und er liess einige söhne aus den zwergensippen, die gerade in seiner nähe waren, in sein verlies werfen.

nun waren auch die sieben zwerge aufgebracht! sie schickten ihre unterhändler zum wüstensohn, um die zwergensöhne frei zu bekommen. als das nichts fruchtete, setzte sich der wichtigste der zwergenregierung in ein flugzeug, um selber mit dem wüstensohn zu sprechen. doch der liess ihn in der wüste stehen, bis er unverrichteter dinge wieder ging. im bergland war man mächtiger erstaunt, ihn alleine zurückkehren zu sehen. man fand, er habe versagt, und übergab die sache nicht der wichtigsten in der zwergenregierung, aber der grössten. die nutzte ihre verbindungen in die halbe welt, bis es schliesslich gelang, auch den letzten der arretierten zwergensöhne glücklich nach hause zu bringen.

im bergland waren man im fussvolk glücklich über die rückführung der eigenen söhne. doch in der regierung gab es spannungen. einige der kollegInnen hätten die grösste unter ihen am liebsten gleich selber in die wüste spediert. als das nicht ging, legte man feuer rund um sie herum. die staunenden untertanen der zwerge erfuhren per indiskretion aus dem regierungspalast, dass sie nicht nur geschickt verhandeln konnte, sondern auch daran dachte, die geiseln im fernen gefängnis selber zu befreien.

das passte zum urteil des weisesten im völkerrat der zwerge, die sagten, im regierungskollegium regierten nicht die zwerge, sondern das misstrauen. flugs sprachen alle drüber, und die meldeläufer der regierung und der opposition hatten alle hände voll zu tun, das volk und die regierung über den neuesten stand der dinge zu informieren.

so beklagte sich der vormals wichtigste unter den zwergen, nichts von der befreiungsaktion gewusst und in lebensgefahr vermittelt zu haben. lange hielt sich diese behauptung aber nicht halten. die neuerdings wichtigste in der zwergenregierung wiederum heizte die schlechte stimmung an, und sprach von einem einsatzbefehl, den man habe zurücknehmen müssen, um schlimmeres zu vermeiden. auch das hat nur kurze beine. genauso wie die aussage der grössten unter den zwergen, es seinen nur planspiele gemacht worden, bei denen man sich genau an das gesetz gehalten habe.

nun war die stunde der grössten sippe gekommen. um interne zwistigkeiten zu beseitigen, ging man zum angriff über und forderte den kopf der grössten unter den kleinen. der zoff war perfekt: im zwergenland geschah, was bisher nie geschehen war. der ältestenrat, bestehend aus den ehemaligen regierungszwergen, der sich regelmässig traf, aber nie etwas verlauten liess, äusserte sich zu lage der zwergennation. einige von ihnen traten zwar nicht selber vor das zwergenvolk, doch liessen sie ihre bilder vorführen und texte verlesen, die nichts gutes verhiessen: zurücktreten solle die zwergenregierung, denn das angerichtete unheil sei so gross, dass es für eine reform der zwergenregierung der falsche moment sei. besser sei es, gleich das ganze team auszuwechseln.

der wüstensohn hatte was er wollte, und der stadtwanderer suchte vergebens nach einer erklärung der zwergenregierung, in der sie sich freute, ihre söhne zurück zu haben. dafür schwärzen sich ihre mitglieder in allen öffentlich an, um den schwarzen peter oder die schwarze petra zu finden, die das feld räumen muss.

wahrlich, es herrscht ein tiefer ärger im märchenland.

stadtwanderer


Comments

3 Comments so far

  1. Harald Jenk on Juni 28, 2010 13:53

    Den sieben Zwergen scheint in der Geschichte das Schneewittchen abhanden gekommen zu sein, und nun fehlt ihnen wohl der gemeinsame Daseinszweck.

  2. Hofnarr on Juni 28, 2010 14:10

    ..und die zwerge dealen mit den gnomen

    und die zwergensippen dealen um ein stühlchen

    rumpelstiltzchen auf dem berge zieht die strippen.

    das stühlchen der grossen kriegt, wer am besten lügt!
    und sie lügen beide, die zwerge der gierigen sippen um stühlchen willen, um welches sie sich so heftig schon stritten.

    rumpelstiltzchen auf dem berge strategiert.
    das zwergenhaus gerät aus dem lot
    eine gpk tut dringend not!

    das bergvolk schreit. klarheit muss her,ncoh bevor es schneit!

    ganz nach rumpelstiltchens plan:
    beschäftigt soll sie sein – die gpk!

    denn vor den wahlen wärs zu blöde, würde diese, die goldmarei enttarnen, die auf holen wegen, rumpelstiltzchens reichtum spann.

    und die zwerge dealen mit den gnomen…
    die gnomen mit dem wüstensohne.

    ach, wie gut, dass niemand weiss, dass ich rumpelstiltzchen heiss.

    (des hofnarren sommermärchen)

  3. Titus on Juni 30, 2010 01:56

    Bestünde das Bergvolk und dessen Sippenführer doch aus Abkömmlingen Pinocchios… 😉

    Hätten wir eine respektable Landesregierung, würden wir dessen Mitglieder wohl nicht mit Märchenfiguren vergleichen.

    Doch egal was diese von sich gibt: Immer schwingt unterschwellig mindestens ein Quentchen Misstrauen mit, schliesslich haben einige Mitglieder schon mehr als einmal ihr Gesicht verloren. Wir glauben dieser Regierung als Kollegium nichts mehr. Dabei ist Misstrauen eine schlechte Voraussetzung, weiterhin gemeinsam die Zukunft zu gestalten…

    Es wäre aber zu einfach, den Schwarzen Peter nur nach oben zu reichen. Die Wahlgremien darunter sind mitverantwortlich. Und weil wir alle mitverantwortlich sind, sieht wohl auch niemand die Staatskrise…

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