rollentausch: für einmal lud nicht die „arena“-redaktion des schweizer fernsehens ihre gäste ein (zu denen ich gelegentlich auch gehöre). vielmehr war ich der gastgeber, der das macherInnen-team der freitäglichen politsendung in die antike berner arena einführte.

P7031466es fehlt nur der schriftzug mit dem wochenthema. sonst hätte es eine arena wie im schweizer fernsehen werden können: reto brennwald und marianne gilgen in der berner arena aus antiken zeiten (foto: stadtwanderer)

es war ein rollentausch mit konsequenzen: marianne gilgen, die reaktionsleiterin, bestimmte für einmal das thema nicht. und reto brennwald, der moderator hatte kein mikrophon. keine person im hintergrund gab über einen ohrwurm tempo vor, und niemand, der nicht sichtbar gewesen wäre, konnte ein neues stichwort für die verhandlungen geben. denn es fehlte die tv-kamera!

diskutiert wurde auch nicht, ob die schule definitiv am ende und was dagegen zu tun sei, wie am freitag abend. denn dieses thema ist gesetzt, und die positionen sind bekannt gemacht. zudem hat man bernhard pulver, den berner erziehungsdirektor mit eigenem, populärem stil, schweizweit kennen gelernt.

gestern samstag ging es mir mit der stadtwanderung für das arena-team um den „berner raum“, seine geografische struktur, die folgen für den verkehr, der mittelalterlichen strassenbau und die stadtgründungen durch die zähringer, den stadtbrand und die wirtschaftsförderung, den müsternbau und das kapellensponsoring, die expansion der stadt bis nach dijon und vor die tore mailands, der niedergang bis zum einmarsch der franzosen und die demokratisierung der machtpolitik mit der volksherrschaft, die ihre weisheit aus der entscheidung vieler ableitet.

spontan setzte ich am ende doch noch zu einem plädoyer an: 1848 rang man sich nur zu einer wahldemokratie durch, bei der die (männliche) bürgerschaft die beiden parlamentskammern bestellen konnte. immerhin, die über die erste verfassung wurde abgestimmt, womit der kern für den ausbau zur abstimmungsdemokratie gelegt worden. stets abgelehnt wurde, auch die regierung durch das volk wählen zu lassen, – zurecht wie ich meine!

natürlich kann man die verfassung der kantone dafür zitieren, in denen das alles der fall ist. doch sind sie mir zu kleine politische gebilde, um wirklich gute beispiele für die schweiz zu sein. geeigneter ist das beispiel kaliforniens, wo man den gouverneur (gegenwärtig republikaner) und das parlament (gegenwärtig demokratische mehrheit) separat wählt, und wo man auch in sachfragen abstimmen kann. die budgetpolitik, die wichtigste überhaupt!, zeigte jüngst, was man gelegentlich auch aus der schweizer geschichte kennt: dass es bei zu viel demokratie zu wechselseitigen blockierungen der entscheidungen auf den verschiedensten ebenen kommen kann.

der weg dazu hatte unsere wandergruppe bis vors bundeshaus geführt. vorangegangen war eine tour durch die altstadt und ein besuch beim bärenpark. da war schon mal zeit, über die zukunft der arena das eine oder andere wort zu wechseln. denn die kritik schwelt, wegen der themensetzung, der personenauswahl und wegen der wirkung, welche arena-diskussionen auf das publikum haben. deshalb habe ich die wanderung auch in der enge-halbinsel begonnen, dort wo das römisch-gallischen brenodurum stand, die vorläuferstadt des modernen und mittalalterlichen berns. wenn ich mich nicht ganz täusche, ist das das älteste politische symbol im berner raum, – auf sand gebaut, mit steinen umgeben, und genau deshalb so wendig und beständig wie die politik.

stadtwanderer


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