heute gab es einen ausflug in den sundgau. das mittelalterliche städtchen ferrette, vormals pfirt, war das ziel. der auf- und abstieg zur schlossruine glich einem gang durch die bewegte geschichte des elsäsischen ortes.

der aufstieg war steil. er führte an der gotischen kirche vorbei. rechter hand streifte man schweren schrittes die häuser des friedensrichter, des bürgermeisters und des örtlichen grafen. dann war es fertig mit dem mittelalterlichen pflaster. man bog scharf nach links, folgte einem holprigen weg aus herd und stein, der im ehemaligen schlosshof mündete. gut 600 meter über meer ist die ruinen gelegen. noch heute bietet sie eine wunderbare aussicht über den sundgau. im norden sind die hügelzüge weich, im süden wirkte der jura schon rauher.

rauh ging es in ferrette auch während der französischen revolution zu und her. denn die erbosten bauern und bürger des elsässischen städtchens schleiften das schloss, auf dem seit dem westfälischen frieden gefolgsleute der französischen könige hausten. sie alle trugen den titel eines grafen von pfirt, den die franzosen dem kaiser in wien nach dem 30jährigen krieg abgenommen hatten. die habsburger waren, wie könnte es anders sein, durch heirat albrecht ii., dem königssohn, mit johanna, der erbin von pfirt, wie ferrette früher hiess, in seinen besitz gekommen. und so ist auch das schloss entstanden: die oberburg wurde im 12. jahrhundert von einem friedrich von ferrette voller zuversicht in einer properierende phase der geschichte gebaut, die unterburg liess erzherzog maximilian errichten, nachdem der ort in den burgunderkriegen gelitten hatte.

vom städtischen charakter des französischen ortes in früherer zeit zeugt heute vor allem das rathaus. es ist, wie in den chroniken steht, in einem rot aus ochsenblut gehalten, und es fällt noch heute als markantes gebäude am schlossweg auf. das tor am stadteingang steht indessen nicht mehr, und auch sonst ist einiges heruntergekommen in ferrette. typisch dafür ist, dass das „st.bernhard“, das restaurant unmittelbar neben der gotischen kirche, selbst am sonntag zu hat. krankheitshalber vorübergehen zu, steht auf der tafel geschrieben, die früher wohl das sonntagsmenü ankündigte. dieses reicht man an diesem tag bei den asiaten als take away, und im „collin“, von wo es noch nach dem bekannten traditionsteller mit sauerkrauf, wurst und speck riecht. die serviertochter, die uns am place charles de gaulle bedient, macht ihre sache bestens, friert aber ein wenig, wenn sie auf die terrasse kommt – vielleicht, weil ihre nylonstrümpfe eine lange fallmasche haben.

der berühmteste zeitgenosse ferrettes ist prinz albert von monaco, dessen vorfahren den örtlichen grafentitel vor den revolutionären franzosen gerettet haben. kümmern tun sich die grimaldi, ausser bei ausgewählten repräsentativen anlässen, wo graf albert auftaucht, um den ort nicht. die bilder des konservativen bürgermeisters françois cohendet strahlen nicht viel zuversicht aus. von beruf war der heute 67jährige masseur. seit der pensionierung massiert er die politischen seelen der knapp 1000 einwohner, die man in der cluse noch zählt. aggressiv wirbt dafür der front national. die drei telefonnummer für alle fälle sind auf jedem plakat: jene der polizei, der feuerwehr und des parteisekretärs. ob hilft, zweifle ich. denn die unfälle, die ferrette geschadet haben, liegen weit in der geschichte zurück.

so steil der aufstieg auf den felssporn, so steil wirkt auch der abstieg des provinzstädtchens. schade, denke ich mir. doch weiss ich, dass der ort schrägen charme bewahrt hat, und seit einem viertel jahrhundert kehre ich gerne immer wieder in den pittorseken ort im südlichen sundgau zurück.

stadtwanderer


Comments

2 Comments so far

  1. Ate on März 14, 2011 14:52

    Ich wünsche Dir viel Sonnenschein
    auf Deinen Wanderwegen.
    Und gibst mal Regen, nerv Dich nicht,
    die nächste Beiz ist bald in Sicht.

    Herzlichen Glückwunsch
    Ate

  2. stadtwanderer on März 14, 2011 20:41

    herzlichen dank, ate, das geburtstagskind, 54, weiss es zu schätzen!

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