es war das letzte wahlbarometer vor den eidgenössischen wahlen. und es hat meine arbeitswoche so intensiv geprägt, dass ich nicht einmal zum stadtwandern kam. der bericht.

sonntag: die arbeitswoche beginnt schon am sonntag morgen. die informationen aus der befragung eines repräsentativen querschnittschnitts von schweizerInnen für das letzte wahlbarometer sind auf auf 9 uhr angekündigt. meine mitarbeiterInnen machen die eingangskontrollen vor dem dem wichtigsten moment: dem studium der ergebnisse. bdp legt zu, glp ebenfalls. fdp verliert. alles wie gehabt. doch dann: die svp ist stärker als einen monat zuvor, rotgrünschwarz kann nicht ganz mithalten. die teilnahmeabsichten sind gestiegen, spektakulär auf dem land. die leitlinie ist gesetzt: „schlussmobilisierung zeigt wirkung“ wird der bericht heissen.

montag: als erstes entsteht von mir persönlich eine provisorische fassung des „wichtigsten in kürze“. die dient als übersicht bei der ausarbeitung des gesamtberichtes. es folgt eine letzte kurze diskussion, dann wird es still im büro. jede und jeder im team arbeit nun streng nach plan – bis in den späten abend hinein.

dienstag: ich habe die österreichische presseagetur zu gast. wir reden über die themen des wahlkampfes: migration, fukushima, starker franken, rücktritt calmy-rey. unweigerlich entwickelt sich das gespräch richtung svp. ich bleibe zurückhaltend, sage nur, man solle sich am mittwochabend um 17 uhr vergewissern. dann geht es um die aussichten der neuen parteien: bdp – eine konkurrenz für wen? glp – bald wichtiger als die gps? schliesslich: was ist los mit der fdp – bloss schlechte kampagne, falsche positionierung, mieser zustand im innern? – ich nehme das angeregte gespräch mit auf den weg zur schlussredaktion des wahlbarometers. kurz nach 19 uhr ist es soweit, der 85 seiten starke bericht verlässt elektronisch unser büro in richtung leutschenbach. zuhause schaue ich nach dem essen „schnell ermittelt“, mein lieblingskrimi auf orf.

mittwoch: zur srg internen medienkonferenz im berner studio von radio drs kommen 23 journalistInnen – eine rekord. wir präsentieren die umfrageergebnisse, dreiviertel stunden lang. dann eine diskussion. warum gehen die unterschrichten in der deutschsprachigen schweiz nach rechts, in der romandie nach links, interessiert die welschen kollegInnen. dann gibts interviews in minutentakt: die radios zuerst, zweisprachig, dann die tv-sender, ebenfalls zweisprachig, und schliesslich swissinfo, auf englisch. kaum sind die mikrophone verschwunden, besteige ich den zug nach zürich-oerlikon. im fernsehstudio wird die extrasendung wahlbarometer vom abend wird vorproduziert. alles ist im fluss, zitiere ich heraklit zum schluss der serie. und meine das gewussel an bürgerInnen-entscheidungen, die in diesen tagen gefällt werden, von denen wir die umrisse sehen, ohne die letzten wellenschläge schon zu kennen. im zug schlafe ich – und verpasse die publikation des wahlbarometers um 17 uhr. am abend ziehe ich mir robin hood rein, und natürlich die eigene sendung.

donnerstag: die berichterstattung in den tageszeitung ist breit – und weitgehend korrekt. nur die bz verwechselt minus und plus bei cvp und gps. wir sind zufrieden. über mittag bin ich im bz-talk. matthias lauterburg zeigt sich im vorgespräch polemisch – ich erwidere mit dem bz artikel in der hand. dann beginnt die sendung. der moderator schaltet einen gang runter – auf „angriffig“; ich übernehme den modus. der nachmittag ist ganz anderem gewidmet und endet mit einer geschäftsleitungssitzung. an diesem abend wollte ich bloggen, doch meine batterien waren leer.

freitag: die nzz schreibt eine nette kritik zum wahlbarometer; ich bin erleichtert. an der uni bern halte ich mein forschungsseminar zur analyse von ständeratswahlen ab. natürlich sprechen wir über die umfrage vom mittwoch, die neueinschätzung der svp, auch darüber, was man über schlussmobilisierungen überhaupt wissen kann. über mittag gehe ich essen und werde fortlaufend zur bz talk-sendung angesprochen – fast alle reaktionen sind positiv. auf dem weg ins büro treffen ich zufällig svp-regierungsrat christoph neuhaus, vor zwanzig jahren war er ein student von mir. er fragt mich wegen einer stadtwanderung an – für ihn und seine (amerikanische) frau. ich nehms in meine planung 2012 auf. am nachmittag lese ich interviews gegen: eins fürs bieler tagblatt, eine übersicht zum wahljahr, ein anderes für den tagesanzeiger: zur glokalisierung – dem kombi von globaler modernisierung und lokalen gegenbewegungen. das passt! gegen abend mische ich ein wenig unter die leute – um wieder normal zu werden.

samstag: ich gehe in den aargau, meiner mutter happy birthday wünschen. sie freut sich, dass ich zeit gefunden habe, und liesst mir aus der aargauer zeitung vor, vom ungekrönten könig der wahlforschung, der nebenbei als stadtwanderer aktiv ist … „sei“ müsste ich zur zurückliegenden woche sagen – und gelobe besserung!

stadtwanderer


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