in vielem erkennt man die heutige politischen institutionen in jenen, die 1798 mit der helvetischen republik auf der basis von aufklärung und revolution von den franzosen eingeführt wurden. dennoch gibt es keine direkte linie zu den heutigen, in die die traditionen aus dem mittelalter und der frühen neuzeit noch einbezogen werden mussten.

erlacherhof in bern: sitz der patrizierfamilie von erlach, residenz der französischen generäle, versteck der verschwörer gegen die politische regeneration und sitz des ersten bundesrates

die politischen systeme der alten eidgenossenschaft waren verschieden. die offenen handelsstädte basel, zürich und schaffhausen kannten ein zunftregime. in bern, luzern, solothurn und freiburg hatte der landadel stilbildend gewirkt und abgeschottete patriziate entstehen lassen. in den länderorten wie uri, schwyz, ob- und nidwalden, zug und glarus sowie in den beiden appenzell hatte sich die hergebrachte landsgemeinde als zentraler ort der politischen entscheidungen erhalten. zusammen machte das das buntscheckige 13örtige bündnis aus, das durch zugewandte orte und untertanengebiete mit weiteren regimes ergänzt wurde.

die konfessionalisierung der gesellschaften nach reformation und gegenreformation wurde 1712 im frieden von aarau geregelt. im 18. jahrhundert entwickelte sich auf dieser basis die einsicht, dass die schweiz eine einheit in der vielfalt sei, die durch eine gemeinsame geschichte zusammengehalten werde, deren armeen durch die tagsatzung, dem eigentlichen kriegsrat, geführt wurden, darüber hinaus jedoch die unterschiede das leben im alltag bestimmte. diese staatsvorstellung kontrastierte ende des 18. Jahrhundert mit den gedanken, welche namentlich die franzosen hervorgebracht hatten. demnach war die nation zum fundament der staates, der aus der revolution der bürger gegen die monarchie hervorgegangen war, nicht mehr auf der kirche, dafür auf den menschenrechten begründet war, welche die freiheit des einzelnen begründete.

die eidgenössischen umwälzungen von 1798, ausgelöst durch die unzufriedenheit im innern, befördert durch die agenten frankreichs und gedeckt durch die revolutionären truppen, waren der auftakt, um von den hergebrachten zur neuen republik überzugehen. die ungleichheit der orte, die privilegien der führungsschichten, die dominanz der germanischen sprachen über die idiome, die auf das latein zurück gingen, sollten fallen. überhaupt, die alte eidgenossenschaft sollte zum staatswesen der helvetier werden, seit der geschichtsschreibung der humanisten die keltische urbevölkerung im gebiete der heutigen schweiz, nun aber zu sinnstiftenden gemeinschaft aus der vergangenheit erhoben.

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mit der helvetischen republik bekam die werdende schweiz nationale symbole. grün-gelb-rot waren die farben der fahne. der bezug zu den sinnbildern der revolution in paris war mit den drei, der trikolore nachgebildeten balken, sichtbar. und man bezahlte in schweizer franken, dem geld, das offensichtlich auf frankreich bezogen war. 1,5 milionen menschen umfasste die tochterrepublik, wie sie die französischen staatsdenker erfunden hatten, um europa anzuzeigen, was es ausserhalb frankreichs erwartete.

am 12. april 1798 war es soweit: die schweiz erhielt ihre erste verfassung, eigentlich vom basler oberzunftmeister peter ochs entworfen, indessen von den französischen bajonetten getragen, wurde sie in der versammlung von aarau von einer mehrheit der souveränen orte angenommen. mehrfach geändert, wurde sie anfangs 1800 durch eine zweite verfassung abgelöst, über die 1802 erstmals auch abgestimmt wurde. denn nach dem neuen denken sollten die verfassungen nicht nur schriftlich sein; sie sollte auch vom volk bestätigt werden.

die helvetische republik wurde nach dem vorbild der französischen direktorialverfassung von 1795 als einheitsstaat konzipiert, der auf dem
prinzip der gewaltenteilung, wie es die gemässigten aufklärer gefordert hatten, beruhte. wahlberechtigt waren die bürger, die männer mit mindestens 21 lenzen. auf 100 von ihnen kam ein wahlmann, der dem kantonalen wahlkorps angehörte. die hälfte der wahlleute, durch das los bestimmt, wählten die legislative, bestehend aus dem grossen rat und dem senat, und die judikative, die gerichte auf allen ebenen. auf die exekutive blieb ihr einfluss gering, denn das war das machtinstrument der franzosen. formell von der legislative gewählt, hiess die regierung vollziehungsdirektorium und ernannte minister, regierungsstatthalter, unterregierungsstatthalter und agenten nach eigenem gutdünken.
neu war nicht nur, dass man eine geschriebene verfassung hatte, an die sich alle zu halten hatten. neu war auch, dass es eine gesetzgebung mit zwei stufen gab. der grosse rat, zusammengesetzt nach der bevölkerungszahl der kantone, schlug gesetze vor, der senat, mit je vier deputierten nach kantonen, beschloss sie.

nicht immer kam dabei das heraus, was sich die reformkräfte erhofft hatten. zum beispiel scheiterte philipp albert stapfer, der erster minister für bildung, mit seinen vorstellungen zur volksbildung kläglich. êrhoben hatte er mit einer grossen enquete durch das büro für nationalkultur den stand des schulwesens aus der alten eidgenossenschaft. beschämend war der befund, entsprechend hochtraben der wurf für neue institutionen, den er ins parlament einbrachte. doch der grosse rat reduzierte das grosse programm stück für stück, bis es schliesslich vom senat ganz begraben wurden. stapfer, sichtlich enttäuscht über das kleinklein in den neuen behörden, quittierte den dienst und wanderte nach paris aus.
man erkennt in vielem, was die helvetik hervorgerbacht hat, die strukturen und funktionen heutigen behörden. dennoch gibt es keine direkte verbindung zu heute. denn dem staat, von oben nach unten konzipiert, fehlte die basis in der gesellschaft, aber auch in der tradition. so mussten die patrioten schritt für schritt zurückbuchstabieren, kamen republikanisch gesinnte politiker an die macht, und wurden sie nach den wirren des zweiten koaltionskrieges gegen frankreich, der teilweise auf schweizerischem territorium ausgetragen wurde, durch reaktionäre ersetzt, die sich auf die rebellierenden volksschichten stützen. napoleon sah sich zur intervention gezwungen und vermittelte die 1803 die mediationsverfassung zwischen den zerstrittenen helvetiern. Entscheidend war nun der landammann, für ein jahr gewählt, der die schweiz nach aussen vertrat, und der eidgenössische kanzler, auf lebzeiten bestimmt, der die politik administrierte. 1813, als er auf den schlachtfeldern der europäischen geschichte verlor, waren auch die tage der französisch inspierierten tochterrepublik gezählt.

das szepter übernahmen 1815 die österreicher mit ihrer heiligen liga. europa wurde neu geordnet, ganz im sinne der früheren verhältnisse, wenn auch in einigem reformiert. Auch die schweiz wurde auf den staatenbund aus vorrevolutionären zeiten zurückgeführt. Die übergeordenten institutionen wurden abgeschafft und durch die tagsatzung ersetzt. Die kantone waren wieder souveräne staaten, die über konkordate fallweise kooperierten, während der bundesvertrag die äusseren grenzen und die innere neutralisierung regelte.

restauration nennt man die epoche, die bis 1848 dauerte, deren name auf den titel eines buches des berner staatsdenkers karl ludwig von haller zurückgeht. bern und andere gemässigt fortschrittlich gesinnte kantone folgten 1830 dem vorbild der zweiten, bürgerlichen revolution in paris, und etablierten ein regeneriertes staatswesen, das mit anderen zusammen 1848 die basis für den heutigen bundesstaat abgeben sollte.

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