der böse bund – vom ursprung des stadt/land konfiktes.

der stadt/land-konflikt, heute in aller leute mund, hat seinen ursprung im alten zürichkrieg des 15. jahrhunderts; damals lehnten sich weite teile des oberlandes gegen die aarestadt auf,und begründeten so den widerstand land landleute gegen steuern, zentralismus und aussenorientierung.

die stadt bern wuchs seit dem ende des 14. jahrhunderts rasch in die landschaft hinaus. mehr und mehr entwickelte sie dabei einen territorial gebundenen, einheitlichen herrschaftsverband. 1445 entwickelte sich in den bernischen untertanengebieten die grösste bisherige bauernrevolte. ursprung von allem war der alte zürichkrieg. denn die zürcher und die die schwyzer lagen sich in den haaren, als der letzte graf vom toggenburg verstarb. beide orte erhoben anspruch auf das erbe.

aeschiaeschi ob spiez, heutige gemeindekarte

bern intervenierte auf seiten der schwyzer. die so vereinten eidgenossen waren im osten erfolgreich. beren stieg auf diesem weg zum führenden stand in der eidgenossenschaft auf. doch regte sich im innern wiederstand. während der landsgemeinde in aeschi bei spiez am 2. mai 1445 schlossen aeschi, das nieder- und obersimmental, saanen, die stadt unterseen und das kloster interlaken einen bund, um gegen die kriegsdienste für die stadt mit feldzügen und kriegssteuer zu protestieren. 21 jahre sollte der bund gelten. eine alljährliche landsgemeinde, zwischen der städtischen obrigkeit und den vereinten landgemeinden sollte, das verhältnis kontrollieren.

die reaktion aus bern liess nicht lange auf sich warten. die vornehmen junker in der aarestadt nannten die verschwörung “bösen bund”, und noch im selber jahre erwarben sie vom kloster einsiedeln die herrschaft ringgenberg, das zentrum der widerständischen. zwar verzichtete die stadt auf eine militärische intervention; sie rief ab das eidgenössishe schiedsgericht an. die waldtstätten, zug und glarus entschieden, der bund sei nicht rechtens und er müsse aufgelöst werden.

nun kam es zum aufstand der interlakner klosterleute, und es brach die brienzer verschwörung aus. schultheiss rudolf hofmeister gelang es zu vermitteln; der anführer hänsli schumacher, der nach luzern flüchtete, wurde in abwesenheit zum tode verurteilt und nach seiner gefangennahme in der leuchtenstadt hingerichtet. ruhe kehrte in der region erst 1451 zurück.

im rückblick gesehen erscheint der böse bund als eigentlicher beginn des stadt/land-konflikts im bernischen herrschaftsgebiet, ja in der alten eidgenossenschaft. die nachfolgenden etappen waren die saubannerzüge nach dem burgunderkrieg, der aufstand von köniz 1513 gegen die stadtobrigkeit, die reformation und der grosse bauernkrieg nach dem 30jährigen.
nach dem ende des ancien régimes entwickelt entwickelte sich der stadt/land-gegensatz neue. der freihandel und die industrialisierung brachten die wirtschaftliche entwicklung in gang; mit ihr begannen die gegensätze zwischen den bauersleuten auf dem land, den händlern in den städten und der arbeiterschaft zu wachsen.
heute hat der stadt/land-konflikt nochmals ein anderes gepräge. denn mit der globalen vernetzung von städten und ihren agglomerationen entstehen metropolregionen, mit aussenorientierten dienstleiterInnen als tragender gesellschaftsschicht. vor allem bern und biel/bienne haben auf diesem weg neue lebensweise ins land gebracht, die ausstrahlung finden, etwa bei der gleichstellung von mann und frau, aber auch gegenreaktionen hervorrufen, wie die aktuelle familien- oder schulpoliktik zeigen. namentlich die offenen grenzen gegenüber der europäischen union und die mit ihnen verbundene migrationen haben in den letzten jahren die nationalkonservativen werte erstarken lassen, ebenso die binnenorientierung, die ihren ursprung auf dem land hat und im bernischen oberland, emmental und selbst im seeland bis weit in die agglomerationen ausstrahlt. am 9. februar 2014 erreichte sie mit der der zustimmung zur svp-initiative “gegen masseneinwanderung” einen neuen höhepunkt.

stadtwanderer

cal

ich bin der berner stadtwanderer. ich lebe in hinterkappelen und arbeite in bern. ich bin der felsenfesten überzeugung, dass bern burgundische wurzeln hat, genauso wie ich. also bin ich immer wieder auf der suche nach verästelungen, in denen sich die vergangene kultur in meiner umgebung versteckt hält.

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