Nicht irgendwo
Bern ist nicht einfach. Denn es sind die vielen Geschichten Berns, welche die Stadt ausmachen. Hier meine Auswahl von 8 interessanten Orten und ihrer Bedeutung – zusammengestellt für den neuen Stadtführer “Bärn isch eso!”

1. Rosengarten
Nirgends ist die Aussicht auf Bern so grossartig wie im Rosengarten.
Bern ist eine Zähringerstadt. Sie gründeten sie 1191 in der imposanten Aareschlaufe. Das schütze die Stadt gegen Osten. Der Westen war damals weitgehend menschenleer. Ein Spaziergang auf in den Rosengarten, östlich der Altstadt, lohnt sich immer. Denn die Stadt liegt einem auf der Anhöhe schlicht zu Füssen. Das Licht reflektiert sich in den Blättern der Bäume, und der Fluss umarmt das Gemeinwesen wie vor gut 800 Jahren.
Mein Lieblingsstandort Ende Oktober, wenn das fahle Herbstlicht die Stadt unvergleichlich aufscheinen lässt.

2. Bärenpark
Nirgends ist Berns Symbiose zwischen Mensch und Bär wie unter dem “Tanzenden Bären”.
Früher tanzte er beim Bahnhof. Jetzt ist der “tanzende Bär” beim Bärenpark zu Hause. Er symbolisiert die Leichtigkeit des Bärenlebens, auch der Berner und Bernerinnen, wenn man sie kennen gelernt hat. Ohne das mögen einem die Menschen in Bern etwas verschlossen vorkommen, bisweilen auch schwerfällig wie ein trauriger Bär. Davon hat es am Bärenpark drei. Finn, das Männchen, Björk, das Weibchen, und Ursina, ihre Tochter. Bisweilen sind auch die fröhlich!
Mein Lieblingsstandort über Mittag, wenn der tanzende Bär und dem Klein-Klein der Tageshektik steht.

3. Cafe Postgasse

Nirgends ist Bern so mediteran wie bei einer Bouillabesse “Cafe Postgasse”.
Bern ist eine Brückenstadt beidseits der Aare. Sie verbindet ehemals burgundisches und alemannisches Stammesgebiet. Noch heute ist vermittelt sie zwischen den Kulturen beidseits des mächtigsten Flusses im Mittelland. Beispielhaft dafür ist die beste Bouillabesse in Bern, die im Sommer unter Palmen, im Winter bei einem warmen Ofen ein wenig Marseille in die germanische geprägte Gesellschaft zaubert.
Mein Lieblingsstandort zu jeder Zeit, bei der sich allerlei Leute am Stammtisch treffen.

4. Erlacherhof

Nirgends ist Bern herrschaftlicher wie im Erlacherhof an bester Südlage in der Altstadt.
Die Parzelle gehörte den von Bubenbergs, den eigentlichen Stadterbauern, bevor sie die von Erlachs übernahmen und im 18. Jahrhundert das schönste Palais der Stadt errichten. Die französischen Stadthalter während der Helvetischen Republik residierten hier, genauso wie der erste Bundesrat vom Erlacherhof aus regierte. Heute ist es der repräsentative Sitz von Alexander Tschäppät, dem populären Stadtpräsidenten Berns.
Mein Lieblingsstandort immer dann, wenn der höchste Berner mit seinem Töff vorfährt.

5. Münster
Nirgends in Bern entschwindet der Stadthektik so einfach wie im Berner Münster.
Betörend ist das Orgelspiel, das den Raum füllt. Einnehmend sind die Farbfenster, die das Himmelslicht bündeln. Und des Nachts hört man die mystische Ruhe und sieht man die entspannende Dunkelheit des Berner Münster. Wer gestresst ist, muss einfach hierher kommen, um die Transzendenz Gottes zu erleben. Zwei göttliche Bern waren hier begraben: Adrian von Bubenberg, der Held von Murten, und Niklaus von Steiger, der letzte Schultheiss des Alten Berns.
Mein Lieblingsstandort, wenn ich meinen BegleiterInnen die Geschichte Berns im 15. und 16. Jahrhundert erzähle.

6. Bundesplatz
Nirgends ist Bern so schweizerisch wie auf dem Bundesplatz.
Er heisst nicht Place nationale wie in Paris. Den Bankenplatz wiederum findet man in Zürich. In Bern gibt es dafür aber den Bundesplatz. 26 Fontainen hat er, die Symbole der Kantone als Jungbrunnen der Schweiz. Und aus schwerem Granit besteht der Boden, damit sich begehrliche Staaten die Zähne ausbeissen, wenn sie sich des Schweizer Gold bemächtigen Wollen. Das Bundeshaus nebenan, ist der Sitz des Schweizer Parlamentes, meist der Gesetzgeber, ausser das Volk wolle es anders.
Mein Lieblingsstandort, wenn Bundesratswahlen sind, und Sieger und Verlierer vor die interessierten ZuschauerInnen treten.

7. Titanic
Nirgends ist Bern eine so moderne Verwaltungsstadt wie in der Titanic am Eigerplatz.
Die Glasfassaden glitzern, die Ecken spitzen den Raum zu. Von aussen ist die Titanic einer der markantesten Bauten der Stadt Bern. Im Innern arbeiten Staatsangestellte. Zum Beispiel die Vollstrecker der neuen Energiepolitik. Sie sollen die Energiewende voranbringen. Pessimisten munkeln, sie werde untergeben, wie seinerzeit das gleichnamige Schiff auf dem Atlantik. Optimisten sind sicher, dass das Programm mit der Gründlichkeit der Bundesverwaltung gelingen wird.
Mein Lieblingsstandort, wenn ich liebgewordene Stereotypen wiederlegen will.

8. Glasbrunnen
Nirgends bleibt Bern so geheimnisvoll wie am Glasbrunnen.
Aller protestantischer Ethik in Bern zum Trotz: Die Stadt kann man nicht nur rational erfassen, fleissig durchwandern, und streng analysieren. Denn ihre Geheimnisse entdeckt man so nicht. Zum Beispiel den Glasbrunnen, mitten im Bremgartenwald vor den Türen Berns. Die Legende will es, dass das Wasser, direkt von der Jungfrau in den Alpen hierher fliessen, bei Kranken Wunder bewirkt: Das Beste daran: Es stimmt!
Mein Lieblingsstandort, wenn ich mit dem Velo nach Hause fahre und mich erfrischen will.

Stadtwanderer


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