Murten Stadtwanderung (Teil 2)

 Woran erkennt man eine Zähringerstadt?
 Klar doch, an den Lauben!
 Einspruch!


Quelle: Wikipedia

Arkaden, wie der Fachbegriff heisst, kennt man, seit es Städte aus Stein gibt. Im grossen Alpenraum findet man sie in Städten wie Innsbruck, Turin oder Bern. Sie bieten in erster Linie Schutz vor Unwetter. Das erlaubt es, Waren feil zu bieten, ohne Marktstände zu haben. Denn der Laden ging anfänglich nicht zur Seite auf, sondern nach unten. Unsere kleinen Geschäfte heute, Läden genannt, kamen so zu ihrem Namen.
Nur hat das nichts mit den Zähringern zu tun. Die bauten keine Städte aus Stein, was eine Voraussetzung für das Errichten von Arkaden war. Repräsentative Bauten wie Kirchen und Rathäuser aus Stein entstanden erst nach dem Aussterben der Zähringer

Ist Murten überhaupt eine Zähringerstadt?
Ich sage es so: Ja, auch wenn es keinen Beweis dafür gibt.
Nötig ist ein Indizienbeweis!
Mein Hauptgrund ist die Lage der Stadt. Mein zweites Argument ist der Grundriss.

Mittelalterliche Städte entstanden entweder als Bischofsstädte, oder Adelige resp. Händler gründeten sie. Bischofsstädte waren beispielsweise Chur, Konstanz und Basel im Rheintal sowie Sitten, Lausanne und Genf im Rhonetal. Für Handelsstädte wie Kiel, Venedig oder Genua fehlt bei uns der Meeresanschluss.
Also bleibt der Adel als Stadtgründer!

Alles beginnt 1122. Der Papst, die geistliche Macht im Reich, und der Kaiser, die weltliche, beendeten ihren epochalen Streit um die Einsetzung der Bischöfe. Im alten, fränkischen Teil des Kaiserreichs blieb das Recht beim Kaiser und im italienischen Teil beim Papst. Für das Rhonetal, Burgund genannt, brauchte es einen Kompromiss. Denn die Bischöfe waren da wie in Italien papsttreu, residierten aber häufig auf kaiserlichem Land. Der Kompromiss sah vor, dass die Einsetzung der Bischöfe durch den Papst im Beisein eines kaiserlichen Vertreters erfolgen sollte.
Die Rolle eines Gouverneurs sollten die Grafen von Zähringen bekommen. Dafür wurden sie zu Herzögen befördert, ohne eines der traditionellen Stammesherzogtümer zu bekommen. Vielmehr mussten sie sich ein eigenes Herzogtum durch Kolonisierung schaffen. Das musste im dünn besiedelten Gebiet zwischen zwischen Freiburg im Breisgau, ihrem Stammsitz, und Lausanne, der nördlichsten Stadt mit einer Wasserstrasse zum Mittelmeer entstehen.
Der Plan ging nicht auf. In Payerne verloren die Zähringer 1132 eine Schlacht gegen den burgundischen Adel. Die sahen in ihnen unnötige teutonische Kolonialisatoren.
Auch heiratete Kaiser Friedrich I. 1156 in zweiter Ehe Beatrix von Burgund und machte sich so zun Herrschers über das Rhonetal. Die Zähringer braucht es nicht mehr.
Sie begannen deshalb ihre erobertes Gebiet mit Städten zu sichern. Freiburg wurde 1157 Frontstadt. Den Weg dahin sicherten man mit einem System an neuen Städten, die alle etwa 30 Kilometer auseinander lagen. Das entsprach der damaligen Tagesstrecke mit dem Pferd. Hinterlassen haben die Zähringer so ein System von mittelalterlichen Städten im westlichen Mittelland. Bern und Burgdorf lassen sich so begründen!
Dazu gehörte aber auch Murte, exponiert im zähringischen Grenzgebiet zum verbliebenen Königreich Burgund. Ausser ihnen hätte das zu diesere Zeit niemand gekonnt. Denn sie waren die Pioniere im Städtebau. Die einzige Alternative wären die Grafen von Savoyen gewesen. Doch kamen sie erst 1255 in das Gebiet – als Murten urkundlich bezeugt bestand.
Wann genau Murten gebaut wurde, wissen wir nicht. Es muss in der zweiten Hälfte der 12. Jahrhunderts gewesen sein.

Mein zweites Argument betrifft den Grundriss der Stadt. Er ist einfach. Längsgasse, allenfalls Quergasse, Stadtring. Ursprünglich alles aus Holz.
Die Kolonien wurden da angebaut, wo man sie gut verteidigen konnte. Der Handel vor Ort war nicht entscheidend. Deshalb haben die Zähringerstädte in der Gründungszeit keinen festen Marktplatz.
Sehen Sie sich mit diesem Wissen Murtens gut erhaltener Grundriss nochmals an!
Sie verstehen mein zweites Argument sofort: dominante Hauptgasse. Stadtmauer. Kein Marktplatz. Genau Murten!

Dass es keine Urkunde gibt, die das bezeugen würden, hat mit den Umständen zu tun. Die Zähringer waren Macher. Sie eroberten und warteten nicht, bis man ihnen etwas schenkte. Sie nahmen, was sie brauchten. Und sie waren das Gesetz.
Ganz abgesehen davon, dass sie noch gar nicht schreiben konnten! Das galt unter ihresgleichen als minderwertig!


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