Gegen Mönch Guido de Pontellia aus dem Kloster Münchenwiler bei Murten fand ein kirchliches Verfahren statt. Er solle in Murten ein Bordell besucht haben, das er mit Geld vom Wucherer für entwendetes Kirchengut bezahlt habe. Wie das Verfahren ausging, wissen wir nicht. Sicher ist nur, dass es sehr unsichere Zeiten waren. Man schrieb das Jahr 1289 und notierte das erste „fait divers“ in Murten.


Das Kaiserreich am Ende der Staufer-Dynastie (ca. 1250)

Die zweite Hälfte des 13. Jahrhunderts wird in unseren Breitengraden von der französischsprachigen Literatur «anarchie féodale» oder Anarchie der Feudalherren bezeichnet. Das hat mit dem zerfallenden Kaiserreich zu tun. Murten war nach dem Aussterben der Zähringer eine Königsstadt und direkt betroffen.
Friedrich II. war der letzte grosse Kaiser. Er wuchs in Italien auf, wurde schon als Kind König von Sizilien, und er entwickelte eine unübliche Vorstellung vom Kaisertum. Denn er suchte die kulturelle Einheit des Mittelmeeres wiederherzustellen. Sein Kreuzzug war kein Kriegs-, vielmehr ein Friedensprojekt. Das weckte den Argwohn des Papstes. Dass Friedrich II. die heranrückenden Mongolen aus Asien lang gewähren liess, brachte das Fass zum überlaufen. Der Papst machte ihm den Prozess und liess ihn als Antichrist brandmarken: der Kaiser als Teufel! Damit zerfiel die Macht der Staufer Schritt für Schritt. Parallel dazu zerfiel das Kaiserreich in viele Einzelherrschaften.

Murten verdankt dieser Entwicklung sein ältestes Schriftstück. 1238 gewährte die Kanzlei des römischen Königs der Stadt eine Abgabenerleichterung. Dafür sollte man die Stadtmauer aus Stein bauen, um gewappnet zu sein.
Städten wie Murten, Bern oder Solothurn stand ein Schultheiss vor. Der hatte seinen Namen von «Schuld heischen» oder Steuereintreiber des Königs. Daneben hatte sich nur ein niederer Adel etabliert, häufig kirchlich geprägt.
Allerdings hatten sich im Osten und Westen zwei grosse Grafengeschlechter durchsetzen können: die Kyburger aus Winterthur und die Savoyer aus der Gegend des Genfersees.
Kaum war der letzte Staufer tot, brach eine Phase der Unruhe aus. Die Savoyer und Kyburger stritten sich um das Königsland. Das veränderte auch Murten äusserlich. Die Holzstadt der Zähringer, die in vielem einem germanischen Flecken glich, erhielt nun am westlichen Stadtrand ein Burgviertel aus Stein. Man wurde deutlicher noch als bisher zur mittelalterlichen Stadt.
Der mächtige Donjon steht heute noch. Zwar wurde er im 20. Jahrhundert renoviert, doch ist er bis heute unverändert eines der Wahrzeichen Murtens.

Protagonist der savoyischen Expansion war Pierre. Die Geschichte hat ihm den Beinamen «le petit Charlemagne», den kleinen Karl der Grosse, gegeben. Eigentlich war er ein Kirchmann mit überregionalem Einfluss. Doch quittierte er den Kirchendienst, um der grosse Förderer der Waadt zu werden. Ihm war es gelungen, das Vertrauen des englischen Königshauses zu gewinnen. Das sicherte Einnahmen, die er für den grosszügigen Städtebau von Yverdon bis Cudrefin brauchte. Der englische König wiederum erreichte so eine starke Stellung in den Alpen. Die hätte er gebraucht, wäre er, wie beabsichtigt, römischer König und Nachfolger der Staufer geworden.
Die Gegenspieler unseres famosen Pierre, der erst am Schluss Graf von Savoyen wurde, kamen zunächst aus dem Grafengeschlecht der Kyburger. Die beiden Adelsgeschlechter waren übers Kreuz verbunden. Das hatte seinen Grund in der Nachfolge der Zähringer. Denn die Savoyer beanspruchten das Königsgut der Zähringer, die Kyburger deren Eigengut. So kamen sie Savoyer bis Bern, und die Kyburger bis Freiburg. Um Ruhe zu bewahren, verheiratete Kaiser Friedrich die möglichen Kontrahenten.
Nach dem Aussterben der Kyburger in den 1260er Jahren traten die Habsburgern bei Brugg auf den Plan. Rasch stiegen sie in die Rolle der Kyburger auf, ohne mit den Savoyern verheiratet zu sein.
1265 brach der sog. Grafenkrieg zwischen ihnen um die Vorherrschaft im Mittelland aus. Er wütete vor allem im Voralpengebiet. Nach drei Jahren wurde er ohne Ergebnis eingestellt. Den Frieden schloss man in Löwenberg bei Murten.

1273 wurde Rudolf von Habsburg römischer König. Dank seinen beiden Söhnen legte Rudolf die Grundlage für die spätere Machtbasis seiner Familie. Sohn Albrecht wurde Herzog von Österreich und später ebenfalls König. Rudolf, der zweite Sohn, hätte neuer Herzog von Burgund werden sollen, welches man dies- und jenseits des Juras herstellen wollte. Dafür eroberte der König Bern und Besançon. Doch starb Sohn Rudolf frühzeitig. Zwei Jahre danach folgte ihm Vater Rudolf in den Tod.
Von der Herrschaft der Habsburger merkte man in Murten nicht viel, wie auch die einleitend zitierte Geschichte des Mönchs im Bordell nahelegt. Geblieben von der «anarchie féodale» ist das Durcheinander der Sprachen. Murten dürfte nämlich von Anbeginn an zweisprachig gewesen sein. Die Zähringer sprachen schwäbisch, haben ein mittelalterliches Deutsch mitgebracht. Die Savoyer wiederum redeten francoprovenzialisch, einem französischen Idiom. Später sollten die Berner und die Fribourger dieses Mischverhältnis fort. Seit Kurzem heisst der örtliche Bahnhof wieder «Murten/Morat».


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