Der 4. April 1416 gilt als tiefer Einschnitt in der Geschichte Murtens. Die Stadt ging am Vorabend in Flammen auf. Grosse Teile brannten in einer Nacht nieder. Häuser mehrheitlich aus Holz, enge Gassen und ein kräftiger Wind trugen massgeblich zur Katastrophe bei.
Stadtbrände waren in mittelalterlichen Städten keine Seltenheit. Sie begannen aus entweder Unachtsamkeit oder wurden bewusst gelegt. Was davon in Murten der Fall war, ist bis heute nicht abschliessend bekannt.

Das Brandjahr wird zum Umbruchsjahr. Denn die Zeit der Savoyer im Murten kann man in drei Phasen teilen: Die ersten 84 Jahre, von 1291 bis 1377, waren ohne grossen Einfluss der Grafen; dann folgten, bis 1416 39 Jahre mit savoyischer Führung; und schliesslich kamen 59 Jahren mit zerfallendem Einfluss hinzu. 1475 war Schluss.
Als Murten 1377 das savoyische Stadtrecht bekam, war das ein Abstieg. Denn nun regierten Kastlane als savoyische Amtsträger in der Murtner Burg. Sie hatten weitreichende militärische, aber auch für wirtschaftliche, finanzielle und administrative Kompetenzen. Das alles diente Savoyen, einen straff geführten Staat aufzubauen.

Der Stadtbrand änderte zuerst das Stadtbild: Denn nun bekam Murten nach der Steinmauer, der Burg auch ein Rathaus. Es war der Vorläuferbau des jetzigen an der gleichen Stelle. Nun setzte man auch auf Stein als Baumaterial. Damit wurden die Fassaden der Holzhäuser gesichert. Die neue Bauweise erlaubte es, systematisch Arkaden zu bauen und so das Gewerbe zu fördern.
Zudem erliess der Stadtherr die Abgaben für 15 Jahre, neu konnte man auch eine Steuer auf exportierten Wein erheben.

Auffälligster Vertreter Savoyens in dieser Zeit war Amadeus VIII., genannt «der Friedfertige». 1391 wurde er Graf und 1416 Herzog von Savoyen. Nur zwei Jahre später war er auch Fürst von Piemont. Seine beachtenswerte Karriere als weltlicher Würdenträger legte er allerdings bereits 1434 ab, um sich gemeinsam mit sechs Rittern im Kloster Ripaille südlich des Genfersees der gelehrten Einsamkeit zu widmen.
1439 wählte ihn das Konzil von Basel zum Papst. Das überraschte, denn Amadeus war nicht nur ein kirchlicher Laie; er war auch Witwer und mehrfacher Familienvater. In sein Amt eingeführt wurden er als Felix V. in Basel. Ein wenig konnte sich Murten so rühmen, nun auch Papst zu sein!
Anerkennung fand Felix V. allerdings nur in den Bistümern Basel, Lausanne und Genf, also Teilen des ehemaligen Königreich Burgunds, sowie in den Kirchen von Aragon, Bayern und Ungarn. Nach nur zwei Jahren kehrte der unglückliche Felix nach Savoyen zurück und trat 1449 mit Privilegien ähnlich eines Kardinals vom Amt des Papstes ganz zurück. Sein «Papsttum» galt nun nur noch in seinem Herzogtum Savoyen!
Mit Felix V. begann allerdings eine unrühmliche Geschichte: erstmals kamen Hexentheoretiker zusammen, um sich zu beraten. Hintergrund war die Kirchenspaltung, das sog. abendländische Schisma, das 1378 mit rivalisierenden Päpsten begann und erst 1449 ganz bereinigt werden konnte.

Der Umbruch um Murten nach dem Stadtbrand spiegelte sich nicht nur im Stadtbild. Man merkte ihn auch in Kriegen: Zuerst weigerten sich 1442 die Guggisberger die savoyische Weinsteuer zu bezahlen. Sie belagerten Murten. Bern und Freiburg mussten ordnend eingreifen.
1448 ging es um einen richtige Regionalkrieg. Bern, traditionell mit Freiburg verbunden, wechselte an die Seite Savoyens. Gemeinsam griff man das Freiburg an – und gewann. Hintergrund war hier, dass die Eidgenossenschaft mit der Eroberung des Aargau zur führenden Macht im Mittelland aufgestiegen war. Das hatte Freiburg regelrecht von den habsburgischen Besitzungen abgeschnitten.
Geregelt wurde der Frieden in Murten. Alles, was Rang und Namen hatte, kam: Selbstredend die Savoyer und die Berner, aber auch der Bischof von Basel und der Herzog von Burgund schickten Garantien für den Frieden. Gastiert hatte man im Schwarzen Adler.
Doch der Friede war nicht von Dauer. Denn einer der Beteiligten sollte sich mit seinen tollkühnen Träumen nicht an die Abmachungen halten.
Mit Folgen für halb Europa!

Bild: Rathaus von Murten
Foto: Stadtwanderer


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