Niederlande im Bern (Teil 1)


© Urs Baumann

Wie hiess der griechische Meeresgott? Poseidon! Das weiss man doch aus den Beschreibungen der Seefahrten Homers.
Aber Arausio? Das war der ligurischen Wassergott, der das Meer des Volkes von Genua mit Ausläufern ins Rhonetal schützte. Seit die Germanen 105 vor Christus in Arausio die Römer schlugen, weiss man auch um einen Ort mit diesem Namen.
Im Mittelalter wird durch Lautverschiebung daraus «Orange», heute im südfranzösischen Departement Vaucluse gelegen. Ein örtlicher Bischof ist seit dem 3. Jahrhundert nach Chr. nachgewiesen, ein Graf seit dem 9. Jahrhundert. Genau auf diese Grafen hatte es Kaiser Friedrich I. Barbarossa abgesehen, als er versuchte, das ehemalige Königreich Burgund im Rhonetal ins Kaiserreich einzubinden. 1163 beförderte sie zum Prinzen von Orange. Damit macht er die neuen Reichsfürsten zum Getreuen des Kaisers.
19 Prinzen von Orange kennt die Geschichte, bevor der regionale Adel ausstarb. Doch es blieb der Titel. Per Erbschaft ging er an das Haus Nassau in den Niederlanden. Der historisch bekannteste Naussauer war Wilhelm I., der sich zwischen 1544 und 1584 Fürst von Orange und Statthalter von Holland nannte. Er gilt als wichtigster Anführer des niederländischen Aufstandes gegen die habsburgischen Spanier, welche damals die Niederlande regierten. Der 80jährige Unabhängigkeitskrieg endete erst mit dem westfälischen Frieden von 1648 mit dem Austritt aus dem Kaiserreich.
Das war die Geburtsstunde der Niederlande. Wilhelm von Orange, niederländisch Willem van Oranje, ist deshalb der eigentliche Stammvater der Niederländer, der die Farbe Orange in den kontinentalen Norden brachte. Daran erinnern heute sowohl das niederländische Königshaus wie auch die niederländische Nationalmannschaft im Fussball. Beide heissen bis dato „Oranje“.
Letzteres weiss in Bern seit der Euro08 jeder Erwachsene. 100000 Fans aus Niederlanden begleiteten ihre Stars in die Bundesstadt, wo sie allerdings im Viertelfinale gegen Russland ausschied, wenn auch erst in der Verlängerung. Die Kornhausbrücke heisst seither “Korenhuisbrug”, selbstredend in oranger Farbe.
Nur der Bezug zu Arausio, dem ligurischen Wassergott, ist fast ganz in Vergessenheit geraten.
Foto © Urs Baumann


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