man geht nur wenig meter weit und stutzt: das restaurant beim östlichen eindgang in die altstadt heisst auf der linken seite der gerechtigkeitsgasse „Nydeck“. doch das restaurant vis-à-vis, auf der rechten strassenseite ist das „fugu nydegg bern“. ein schreibfehler, quer über die gasse?


paltz der geistigen landesverteidigung (1940)

heute überwiegt im quartier die schreibweise „nydegg“ eindeutig. es heisst: nydeggkirche, nydeggtreppe, nydeggkirche, nydegglaube und nydegggasse. das „ck“ ist fast ganz verschwunden, und es ist weitgehend durch das „gg“ ersetzt worden. – das hat system: 1940 beschloss die stadt bern offiziell, das traditionsreiche „nydeck“-quartier umzubenennen. aus der deutschen schreibweise wurde im zweiten weltkrieg die bernische, – ein teil der geistigen landesverteidigung.


traditionalistisch, standardsprache, mit „ck“ vs. modernistisch, mundart, mit „gg“

wer in den alten berichten über die stadt bern heimisch ist, merkt die neumodische schreibweise sofort: das nydeck-quartier ist eines der ältesten in bern. hier stand der erste holzbau, der seit dem 10. jahrhundert den übergang über die aare sicherte, und hier liess berchtold v. von zähringen im 12. jahrhundert seine steinburg erbauen, welche ihm als regierungssitz in der neugegründeten stadt bern diente. später wurde sie zur kaiserlichen reichsfeste, und noch später ging sie in die hände der grafen von savoyen über. davon sieht man heute fast nichts mehr. 1270 schleift man die 18 x 33 meter grosse burg; dabei soll ein erheblicher teil den burghügel hinter gestürzt sein. im 14. jahrhundert errichtete man an stelle der burg die heute nydeck-kirche, pardon: nydegg-kirche, die in renovierter form noch heute an gleicher stelle steht.


bern zur zeit der landesausstellung 1914: das nydeck-quartier

um die historische schreibweise wissen auch die uahlreichen postkartensammler. die bekannsteten bilder von der landesausstellung 1914, die in bern stattfand, sind noch alle mit „nydeck“ angeschrieben.

doch seit 1940 ist dem nicht mehr so!

ganz vergessen gegangen ist die alte schreibweise nicht. traditionsreiche restaurants und neue cafés kann man bis heute nicht nur an ihren angeboten unterscheiden, und sie fallen einem nicht nur wegen ihrer unterschiedlichen erscheinungsweise auf. sie schreiben auch den quartier-namen bis heute anders …

– eine weitere berner kuriosität.

stadtwanderer


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