Teil 6 der Luzerner Stadtwanderung: Schwanenplatz

Teil 6 der Luzerner Stadtwanderung

Der Schwanenplatz
oder
die liberalen Pfefferfrauen

Noch ist wenig bekannt, was die Frauen in den Bürgerkriegszeiten machten. Bekannt ist aber, dass einige von ihnen als Pfefferfrauen unterwegs und gefürchtet waren.

Liberale Kämpferinnen gegen Konservative

Der Name war ein konservatives Schimpfwort, das die Frauen aber voller Stolz annahmen. Denn es rührte von ihrer Waffe aus Pfeffer, Salz und Asche, das sie mischten und ihren Feinden in die Augen sprühten.
Überliefert ist eine ihrer Aktionen hier am Schwanenplatz. Die konservative Regierung war 1845 dabei, die Truppen aus dem befreundeten Schwyz zu verabschieden, die sie im Kampf gegen die Aargauer Freischärler aufgeboten hatte. Da traten aus dem Zurgilgenhaus schwarz gekleidete Frauen hervor und wurden mit ihren Sprays aktiv. Die Presse vermeldete, gröbere Handgreiflichkeitem seien nur knapp vermieden worden.

Mutige Informantinnen hinter den Freischärlern

Bekannt war auch, dass die Pfefferfrauen während der Freischarenzüge einen Informationsdienst aufgebaut hatten. Sie waren zuhause bei dem Kindern geblieben, als ihre Männer mit den Freischärlern kämpften. Dabei versorgten sie sie mit Informationen zur politisch-militärischen Lage.
Eine dieser Pfefferfrauen war Sophie Steiger. Ihr Mann Jakob war in liberalen Zeiten Luzerner Regierungsrat gewesen. Er führte später den zweiten Freischarenzug an. Mit 2000 anderen wurde er aber verhaftet.
Als Rädelsführer verurteilte ihn die konservative Regierung zum Tode. Die Pfefferfrauen planten bereits die Entführung ihres Helden, als der populäre Politiker von seiner eigenen Wache befreit wurde.
Nach dem Sieg im Sonderbundskrieg kehrte der studierte Arzt nach Luzern zurück, wurde wieder Regierungsrat, und er vertrat Luzern in der Verfassungskommission, welche die 1848 die Bundesverfassung ausarbeitete.

Gouvernante im Schweizerhof und National

Eine Pfefferfrau, die am Schwanenplatz dabei war, hiess Katharina. Mit 16 heiratete die Wirtstochter, machte eine Lehre außerhalb der Stadt und zog mit ihrem ersten Mann, Heinrich Peyer, als Waschfrau der napoleonischen Truppen nach Moskau. Nochmals ging es danach in die Fremde, diesmal für die Niederlande.
Nach der Rückkehr verstarb Heinrich, und Katharine heiratete erneut. Mit ihrem zweiten Mann, Joseph Morel, war sie erfolgreiche Tuchhändlerin in Luzern. Doch auch er verstarb früh.
Nun nahm Katharina ihr Schicksal in die eigene Hände. Im neuen Tourismusgewerbe machte sie schnell Karriere. Sie stieg bis zur obersten Gouvernante im Hotel Schweizerhof auf. Das machte sie so gut, dass sie im hohen Alter dasselbe auch im Hotel National wurde.

Vom Soldwesen zum Tourismus

Nun steht der Schwanenplatz nicht nur für Pfefferfrauen, sondern auch für den Wandel der Wirtschaft. Denn das Hotel Schwanen war der erste Neubau außerhalb der Altstadt.
Katharinas Leben steht für diesem Wandel der dem Motto, „Vom Soldwesen zum Tourismus“ folgte. Die Fremden Dienste in der Fremde wurden durch die Dienst an Fremden in der Heimat abgelöst!
Vor allem gegen Ende des 19. Jahrhunderts brachte der Tourismus aus Großbritannien Luzern einen ersten großen Aufschwung. Es profitierte das liberale Bürgertum, und es begann die Stadtpolitik zu beherrschen, wie es seinerzeit die Söldnerführer taten.
Verändert hat sich dabei das Stadtbild. Die Stadt trat aus der Altstadt heraus. Am rechten Seeufer verdrängte die Promenade für die Gäste bis in die 1850er Jahren die alte Hofbrücke ganz, die noch älter als die Kapellbrücke war. Beinahe wäre auch diese im Zeichen des Fortschritts abgerissen worden, als man 1870 die Seebrücke baute.
Zum Glück für Luzern hat sie überlebt!

cal

ich bin der berner stadtwanderer. ich lebe in hinterkappelen und arbeite in bern. ich bin der felsenfesten überzeugung, dass bern burgundische wurzeln hat, genauso wie ich. also bin ich immer wieder auf der suche nach verästelungen, in denen sich die vergangene kultur in meiner umgebung versteckt hält.

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