im zeichen der wasseruhren

teil 3 der serie: “burgund in bern”

teil 2 der serie: “burgund in bern”
teil 1 der serie: “burgund in bern”
vorschau zur serie: “burgund in bern”

gundobad war zwischen 478 und 516 der erste könig der frühen burgunder, dem es nach der grossen wanderungszeit gelang, alle burgunder im rhone-, saone- und doubstal zu vereinigen. rr nannte sein regnum „burgundia“, und er war der rex. dafür erhielt er zahlreiche ehrungen geschenkt, so auch die errungenschaft der damaligen zeit: die wasseruhr, von denen er im ehemaligen gallien die allererste besass.


die von den hunnen 375 ausgelöste germanische völkerwanderung fand 451 in der schlacht auf den katalaunischen feldern ihren kriegerische höhepunkt und brachte den aufstieg burgunds zum eigenständigen königreich auf imperialem boden (anclickbar)

die eigentlichen sieger auf den katalaunischen feldern

die schlacht zwischen römern und hunnen auf den katalaunischen feldern 451, die man heute in der nähe von chalons-sur-marnes vermutet, kam es nicht nur zum grössten kräftemessen des 5. jahrhunderts, denn es sammelten die römer links alle germanen, denen man links des rheins habhaft werden konnte, und es verfuhren rechts des rheins die hunnen genau gleich. mehr als 100’000 krieger sollen auf beiden seiten gestanden sein, als man zuschlug. und es waren so viele, dass man heute noch nicht weiss, wer gewonnen hat.

jedenfalls destabilisierte diese schlacht die herrschaft gewaltig: general aetius, der „sieger“ auf römischer seite, wurde vom eigenen Kaiser umgebracht, weil er nach dessen macht strebte, und khan attila, der „sieger“ auf der hunnischen seite verstarb nur kurz danach, weil er zu seiner stärkung nochmals heiratete, in der hochzeitnacht mit der germanin ildico („hildchen“) an einem blutsturz verstarb.

nutzniesser in unserer gegend waren die burgunder, die auf römischer seite gekämpft hatten. sie nutzen den zerfall des imperiums in rom und trier, um ihr eigenes königreich von der sapaudia aus auszudehnen. rasch besetzten sie nach genève auch vienne, lyon und besançon. lyon machten sie zu ihrer neuen Königsstadt, und fenf, das vorher diesen rang inne hatte, blieb hauptstadt im der sapaudia.

die burgunden nutzten ihre starke stellung im rhonetal, wo der handel noch funktionierte, und machten nun druck auf den römischen Kaiser. dieser war nurbnoch ein hampelmann, denn er hing auf biegen und brechen von den germanischen heeren in italien ab. 472 schloss sich gundobad dem ranghöchsten germanen im römischen heer, ricimer, an. gemeinsam griffen sie mit ihren soldaten rom an und plünderten es. ricimer verschied hierbei, und gundobad übernahm den posten des patricius, wie der oberste general der kaiserlichen truppen hiess. auch er ernannte einen weströmischen kaiser, den drittletzten, dessen namen ich vergessen habe …


ausdehnung der burgunden von der sapaudia aus ins rhone-, saone- und doubstal

gundobad wird erster gemeinsamer burgundischer könig

nach dem tod seines vaters gundowech trat gundobad, wie es bei den germanen sitte war, die nachfolge als burgundischer unterkönig an. dabei rangierte er seine drei brüder, die auch unterkönige waren, einen nach dem andern aus, und überliess chrodechilde, eine halbschwester, dem aufstrebenden frankenkönig clovis, der wiederum eine seiner töchter dem ostgotenkönig theoderich vermachten, während theoderich seine tochter Ariadne gundobad zur frau gab. das machte durchaus sinn, denn so bekämpften sich die drei germanischen könige auf römischem boden nicht.

doch clovis änderte die regeln. Zuerst besiegte er die alamannen, die es nicht zu einem eigenen königtum gebracht hatten, und trat, von chrodechilde hierzu angestiftet, zum katholizismus über. chrodechilde überredete ihren Mann auch, gundobad anzugreifen, denn er hatte bei seinem aufstieg seine brüder umgebracht. anfänglich war clovis mit seinem angriff erfolgreich, musste sich aber aus dem rhonetal zurückziehen, als die goten die burgunder zu unterstützen begannen.


monogramm von könig gundobad

lex gundobada als bleibende errungenschaft der burgunder

gundobad festigte nun seine macht mit 32 comes und stellvertreter im rang eines beamteten grafen. und er gab seinem reich auch ein eigenes gesetz: die Lex Romana Burgundionum, besser bekannt als Lex Gundobada, mit der er bestrebt war, germanisches und römisches verständnis von recht zu verbinden, um das zusammenleben der ansässigen galloromanen in den städten und der eingewanderten germanen auf dem lande auch ohne kaiserlichen schutz zu ermöglichen. damit begründete er aber auch die heimat der burgunden, die alte burgundia, die vom heutigen arles bis an den doubs und den rhein reichte.

gundobad stellte er sich mit seiner verbindung von galloromanen und germanen in die tradition von theoderich, dem könig der goten, der in italien gleiches anstrebte, grenzte sich aber von clovis ab, der im norden erstmals ein christlich-germanischen königreich anführte. theoderich war es denn auch, der gundobad den titel eines ehrenkonsuls bei den goten verlieh, dessen regnum erstmals „burgundia“ nannte, und gundobad mit der technischen errungenschaft seiner zeit, der wasseruhr beschenkte.

mechanisch waren die beiden ihrer zeit voraus, doch militärisch sollten sich clovis und seine söhne durchsetzen. Damit sollten sie, und nicht gundobad, für das anbrechende mittelalter stilbildend wirken: die verbindung von wildem germanentum und römischem christentum sollte die europäische welt die nächsten 1000 jahre regieren.

stadtwanderer

cal

ich bin der berner stadtwanderer. ich lebe in hinterkappelen und arbeite in bern. ich bin der felsenfesten überzeugung, dass bern burgundische wurzeln hat, genauso wie ich. also bin ich immer wieder auf der suche nach verästelungen, in denen sich die vergangene kultur in meiner umgebung versteckt hält.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.