die gegensaetze

mitten in den schwedenferien sind wir nach tschechien gefahren. einer heirat im familienkreis wegen: ein erlebnisreicher schock, wie sich herausstellen sollte.


heiss und kalt in prag: tram mit sinniger bikini-werbung, und u-bahnstation im geschützten untergrund (fotos: stadtwanderer, anclickbar)

unser anfangsschock in prag

der diesjährige schwedische sommer ist nicht so warm wie auch schon. temperaturen von knapp 20 grad regieren das klima `07. prag war das schon mal der grosse gegenpol. seit man in der tschechischen hauptstadt warm und kalt misst, waren die 37.3 grad dieser woche der wärmste 16. juli überhaupt. das ist das tschechische klima `07.

das einheimische radio warnte am sonntag abend alle: den pragerInnen sei das stadtleben zu warm geworden. niemand mehr würde sich freiwillig in praha aufhalten, – ausser den touristInnen. von denen hatte es allerdings mehr als genug. selten war die altstadt so dicht gefüllt wie in diesen heissen tagen.

von der vielfalt des generationenwandels

das stadtleben war auch so voller gegensaetze: das touristenleben in massen verdrängte unser einsiedlertum fern ab von allem. ein steinhaus löste unser holzhaus ab. moderne teer- und plasterstrasse überlagten traditionelle fuss- und schotterwege. leichte sommerkleidungen formten die körper mehr als das behäbige arbeitshemd. unser ruhiger see wiederum wurde zur strömenden moldau. und die mächtige karlsbrücke ersetzte den kleinen bootssteg.

vom neuen prag gibt es viel zu erzählen. genauso wie vom alten. überall ist generationenwandel angesagt; aber es bleibt viel skepsis!

der konsum floriert. und die internationalen markennamen sind hier so präsent wie in jeder weltstadt. es ist fast so, also wollte man sagen: schon im kommunismus seid ihr mit botschaften permanent eingeträufelt worden. im gegensatz dazu, werdet ihr heute nicht mehr verhaftet, wenn ihr daran nicht glaubt; nur eine zusatzdosis wird euch verabreicht. die jungen leute von nah und fern scheint das nicht zu stören, denn es verspricht freiheit durch reichtum in kürzester zeit. die aufbruchsstimmung ist zum greifen fest, man will die chance packen, ohne sich das lange zu überlegen. ältere menschen beklagen da schon mal den verlust der mystik des alten prags. ihnen hat die welt, die antonin dvorzak oder franz kafka von der tschechischen hauptstadt entwarfen, besser gefallen als jene, die werbung und graffiti en masse entstehen lassen.

ein zweiter gegensatz war an diesem hitzetag zu spüren. pflichtbewusst kurvten die gestandenen trambahnchauffeure und –chauffeusen durch die stadt, obwohl es in ihren kabäuschen mehr als 50 grad warm war. man sah ihnen den unmut vielleicht an, doch geäussert hätten sie ihn nicht, selbst dann nicht, wenn sie die trambahn führten, die aussen herum die überlebensgrosse werbung mit leichter kleidung und kanpper bademode zeigte. ganz anders verhielt sich die junge arbeitswelt. den zeitungsberichten zu folge gab es nirgends so viele klagen über den hitzetag wie in den klimatisierten grossraumbüros der bankenwelt.

schliesslich war auch das hochzeit voll von gegensaezten. heiraten auf dem mittelalterlichen schloss, ist gegenwärtig nicht nur in. es hat uns auch sehr gut gefallen. die fete am samstagabend mit leckerem buffet und roma-musik unter freiem himmel war wirklich super, merci! dennoch wurden wir uns gerade so bewusst, dass wir nie kirchlich heiraten würden. zu verlogen ist sind die kirchen heute, als dass man ihnen noch trauen könnte. kindsmissbrauch und schwulenpaare findet sich ja nirgends so dicht beisammen, wie in der katholischen kirche. das entgeht einem nirgendwo nicht mehr. so nützt es nichts mehr, wenn der pfarrer zeitgemäss in turnschuhen daher kommt. das mag den einen gefallen, uns hat es nicht getäuscht.

… und der anfangsschock für unsere meisen

nun sind wir wieder im hohen norden. in oslo hatte es kilometerdicke regenwolken, und hier, in värmland, weht ein kräftiger wind. unsere jungen meisen von nebenan sind ausgerechnet heute ausgeflogen.

auch sie dürften einen erlebnisreichen schock haben: statt den schutz der engen nestwärme zu geniessen, kämpfen sie jetzt gegen die weite der kühlen wälder. hoffentlich schärft das auch ihren blick für das gegensätzliche in der welt!

stadtwanderer/waldwanderer

cal

ich bin der berner stadtwanderer. ich lebe in hinterkappelen und arbeite in bern. ich bin der felsenfesten überzeugung, dass bern burgundische wurzeln hat, genauso wie ich. also bin ich immer wieder auf der suche nach verästelungen, in denen sich die vergangene kultur in meiner umgebung versteckt hält.

Ein Gedanke zu „die gegensaetze“

  1. \\\"kindsmissbrauch und schwulenpaare findet sich ja nirgends so dicht beisammen, wie in der katholischen kirche.\\\"

    Sexueller Kindesmissbrauch ist vor allem ein Problem der heterosexuellen Familie!!

    Wie kann man nur kindsmissbrauch und schwulenpaare in einen Satz packen! War das wohl unterbewusste Absicht?

    Sexuelle Handlungen mit Kindern, wie es im Strafgesetzbuch heisst, ist ein Machtproblem der Familie und auch hierarchischer Gemeinschaften! Daran sind übrigens auch Mütter beteiligt!

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