freier schwanenverkehr vs. freier personenverkehr?

das wissen alle: schwäne sind weiss. und das weiss der stadtwanderer seit samstag nachmittag: die schwäne auf dem wohlensee sind schwarz. das sorgt seither für eine heftige kontroverse unter naturschützerInnen und politikerInnen.

topelement5schwarze schwäne, auf dem thurnersee, machen ernst mit dem freien schwanenverkehr, und wollen auf dem wohlensee heimisch werden

zehn schwarze schwäne hat es seit längerem auf dem thunersee. ein vogelliebhaber importierte sie aus australien. zunächst lebten sie nur in seinem privaten gehege. doch dann entwichen sie, und seither sind sie im oberen aaretal heimisch. in thun sorgten sie schon mal für rote köpfe. schliesslich liess man sie, wo sie waren, doch dürfen sie sich nicht vermehren und nicht ausbreiten.

nun sind sich vier davon auf dem wohlensee zwischen bern und mühleberg gesichtet worden. willy joss, passionierter vogelschützer, entdeckte sie und berichtete in den berner medien. ein bereicherung seien sie für die hiesige natur, meinte er.

das wiederum sehen zahlreiche naturschützerInnen anders. sie monieren, schwarze schwäne seien in der schweiz artfremd und hätten keine natürlichen feinde. sie könnten soweit überhand nehmen, dass einheimische tierarten verdrängt würden. sie unterstützen deshalb die rückkehr der schwarzen schwäne in ihr thuner reservat.

drei wochen will der kantonale jagdinspektor den fremdlingen zeit lassen, um selber zurückzufliegen. solange will man tolerant sein, dann aber streng, denn die tiere risikieren, betäubt und gefangen genommen zu werden, damit man sie zurückschaffen kann.

selbst den berner regierungsrat beschäftigen die schwarzen schwäne zwischenzeitlich. andreas rickenbacher (sp), von der volkswirtschaftsdirektion, eigentlich für land(wirtschafts)fragen zuständig, wurde seines engagements wegen schon mal ausgebootet. urs gasche (bdp), der finanzdirektor, nimmt sich seither der sache an.

und so frage ich mich: jetzt, wo wie mit deutlichem mehr den freien personenverkehr bestätigt haben, müssen wir den freien schwanenverkehr mit drastischen mitteln eingeschränkt halten? kann man für kulturelle diversität sein, aber biodiversität ablehnen?- ich gebe zu: von naturschutz verstehe ich weniger als von politik …

stadtwanderer

cal

ich bin der berner stadtwanderer. ich lebe in hinterkappelen und arbeite in bern. ich bin der felsenfesten überzeugung, dass bern burgundische wurzeln hat, genauso wie ich. also bin ich immer wieder auf der suche nach verästelungen, in denen sich die vergangene kultur in meiner umgebung versteckt hält.

8 Gedanken zu „freier schwanenverkehr vs. freier personenverkehr?“

  1. ich kann das auch nicht nachvollziehen was schwarze schwäne für eine gefahr sein sollen, man hat ja andere tiere(nutztiere) auch eingeführt und sie hier vermehrt, oder war das nur wegen der rendite..würde man bei schwarzen schwänen anders reagieren wenn sie einen geldnutzen verursachen würden??

  2. Der Farbe der Schwäne nach zu schliessen steckt dahinter bestimmt die SVP… 😉

    Aber Honigbärli hat schon recht: Was wären wir hierzulande, wäre da vor Jahrhunderten nicht die lustige Knolle “importiert” worden? Es gäbe keine Röschti und schon gar keinen Röschtigraben. Und Raclette müssten wir ähnlich wie Fondue mit Brot statt mit mit Kartoffeln essen…

    Etwas ernsthafter: Die Bedenken der Politiker und Naturschützer in allen Ehren sollten sich diese viel eher über die “Einwanderung” von Insekten und Pflanzen Gedanken machen, welche sich nun aufgrund des Klimawandels bei uns verbreiten. Da war doch letzten Sommer so eine Mücke in Italien, welche früher nie in diesen Breitengraden bekannt war – um nur ein Beispiel zu nennen. Den Jagdaufseher möchte ich sehen, welcher Mücken eine Frist setzt, bevor er sie betäubt, einfängt und wieder zurück schafft…

  3. Lieber Stadtwanderer
    vor den vorletzten Abschnitt deines Artikels erhellt sehr klar was mit dem Slogan “Der Kanton Bern macht vorwärts” gemeint ist:
    “selbst den berner regierungsrat beschäftigen die schwarzen schwäne zwischenzeitlich. andreas rickenbacher (sp), von der volkswirtschaftsdirektion, eigentlich für land(wirtschafts)fragen zuständig, wurde seines engagements wegen schon mal ausgebootet. urs gasche (bdp), der finanzdirektor, nimmt sich seither der sache an”.

  4. Das nenn ich nun aber Rassismus gegenüber den schwarzen Schwänen!

    …doch dürfen sie sich nicht in der Schweiz vermehren…
    Ich wär für die Anti-Ei-Pille, denn wer will schon Multi-Kulti-Schwäne in der Schweiz.

    …schwarze Schwäne seien in der Schweiz artfremd… …sie könnten soweit Überhand nehmen, dass einheimische Tierarten verdrängt werden…

    Sorry, ich lach mich krumm, vor allem wenn ich Vergleiche anstelle. Was man den Einen gewährt, wird den Anderen vorenthalten. Sehr ungerecht!

  5. vielleicht schaltet sich noch das BVET ein und verlangt das die schwarzen schwäne mit weisser farbe besprüht werden dann fallen sie nicht mehr auf und die berner regierungstellen können sich wieder um tiefgreiffendere proble zu lösen kümmern!

  6. Logisch ist das Thema ernst und zwar zu Lasten der Schwäne. Was können die denn dafür, wenn sie einer aufs Exotische fixiert, aus Australien in die Schweiz holt.
    Ich liebe Elefanten, aber deswegen stell ich mir keinen in den Vorgarten.

    Krumm lache ich mich, weil ich Deinen Beitrag nicht nur auf die Schwäne bezog, sondern mir die Paralelle zu den Menschen holte.

    – Sie dürfen sich nicht vermehren und nicht ausbreiten.
    Warum dürfen es fremdländische Menschen in der Schweiz aber Tiere nicht?

    – Sie sind in der Schweiz artfremd.
    Sind das Neger nicht auch?

    – Sie könnten soweit Überhand nehmen, dass einheimische Tierarten verdrängt würden.
    Werden wir Schweizer nicht auch je länger je mehr verdrängt? 1,7 Mio Ausländer leben in der Schweiz. Wieviele von den Restlichen sind echte Schweizer?

    – Und mein absoluter Aufhänger: Sie unterstützen deshalb die Rückkehr der schwarzen Schwäne in ihr Thuner Revier.
    Also, ab die Post und dorthin zurück, wo sie hergekommen sind.

    Gut, es geht dabei um Tiere, wenn ich aber Vergleiche anstelle, kommen mir Flugblätter in den Sinn, die genau solche Äusserungen anprangern, natürlich auf Menschen bezogen.
    Warum sollen Tiere nicht auch die gleichen Rechte haben, zumal sie unfreiwillig in die Schweiz kamen?
    Ich freue mich schon auf die ersten kuscheligen und hellbraunen Schwäne. Aber die will man ja nicht. Reinrassig und weiss sollen sie sein.
    Und wer ist da nun Jener Welcher? Auch wenns nur auf die Tierwelt bezogen ist?

  7. Also wenn unter den schwarzen Schwänen gar kein Männlein ist, frage ich mich, weshalb man sich überhaupt Sorgen macht… Ob darüber der Finanzdirektor mehr weiss? 😉

    @ Ate
    “Neger” ist politisch nicht so korrekt…

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.