heute spricht man viele sprachen in der berner matte. thailändisch, zum beispiel, auch serbokroatisch. denn nach den veschiedenen überschwemmungen ist das wohnen und arbeiten im quartier unten an der aare schwieriger geworden. so geht das berndeutsche zurück. doch wer weiss: vielleicht vermischt sich das alles einmal zu einer neuen sprache, so wie an diesem ort das schon mehrfach der fall war.

pa101845ligu“ kommt aus dem griechischen, „lehm“ aus dem hebräischen und „take away“ aus dem amerikanischen. anders als die beiden ersten wörter haben sich die beiden letzten im mattenenglischen noch nicht assimiliert. (foto: stadtwanderer)

denn eine berühmt geheimsprache machte das berner quartier unterhalb der altstadt weltbekannt: das mattenenglische. mit der gehobenen sprache, die man oxford oder cambridge lehrt, hat das aber nicht zu tun. man sagt nämlich fälschlicherweise „englisch“, genauer wäre „engisch“. und das ist die sprache, die man nur dann versteht und spricht, wenn man durch die enge der häuser am eingang der matte eintritt, um in eine welt für sich zu gelangen.

heute feiert der mattenänglischclub sein 50jähriges bestehen mit einem strassenfest. das ist ein teil seiner aktivitäten, um den untergang der quartiersprache zu verhindert, wie er immer wieder vorausgesagt wird.
entstand ist das mattenenglisch wohl in hamburg, im 14. jahrhundert, als flössersprache, die man auf den grössen strömen sprach, welche in die norsee münden. das prinzip der sprache ist einfach. es funktioniert genauso, wie wenn kinder etwas untereinander besprechen wollen, welche die eltern nicht verstehen sollen. um die kleinen geheimnisse zu bewahren, führt man in eine bestehende sprache neue wörter, die bekanntes bezeichnen. im mattenenglisch werden die neuen wörter (vereinfacht) wie folgt gebildet:

. die erste silbe bis einschliesslich erstem vokal wird an den schluss des wortes gestellt.
. fängt die erste silbe mit einem Vokal an, wird ein h eingeschoben und erst dann die silbe ans Ende gestellt.
. an den Anfang des neue wortes wird ein i gestellt.
. der letzte vokal des neuen wortes wird durch ein e ersetzt.

aus bärn wir so zuerst rnbä, dann irnbä und schliesslich irnbe.

die referenzsprache ist dabei weder die schriftsprache noch das berndeutsche. vielmehr geht man der sprache aus, die man in der matte spricht. dieses dorf, das anfänglich neben der stadt bestand, hatte seine blütezeit während des baus der plattform vor dem heutigen münster zu beginn des 14. jahrhundert. dieser zog viele handwerker und händler aus nah und fern an, die alle auch ihre sprache mitbrachten, die sich in der folge zu einer eigenen sprache vermischten.

„ligu lehm“, das take away restaurant in der matte mit dem typischsten ausdruck aus der der mattensprache ist aus dem griechischen und hebräischen abgeleitet. oligon wäre in athen ein wenig und mit lechem meint man in jerusalem brot. so ist ligu lehm „ein wenig brot“.

und dieser beitrag ein wenig sprachenkunde. alles klar? dann, euer

idtwandererste


Comments

Name (required)

Email (required)

Website

Speak your mind