ein zählfehler hat das ergebnis der jüngsten regierungsratswahlen im kanton bern verfälscht. heute morgen soll die korrektur bekannt gemacht werden.

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fertig luschtig: heute wird die alte regierung verkünden, dass die neue gar nicht so zusammengesetzt sei, wie das offizielle foto vormache.

john antonakis, markting-professor in lausanne, war am montag morgen ausser sich. noch am samstag hatte die bernerzeitung seine wahlprognose für den neuen berner regierungsrat publiziert. am sonntag abend war dann klar, dass das ergebnis nicht mit der vorhersage übereinstimmte.

„da muss ein fehler unterlaufen sein“, diktierte antonakis um 0815 seinen studentInnen ins notizbuch. doch übte er so nicht selbstkritik, denn er war überzeugt, dass man sich in bern beim auszählen getäuscht habe. noch nie seien die prognosen des gurus falsch gewesen, wussten die studis nach der vorlesung zu berichten. und so waren auch sie überzeugt, das ihr wettfavorit, marc jost, der neue sunnyboy der evp, wegen eines irrtums um einen posten in der berner regierung geprellt worden war.

am dienstag war die geschichte als kolumne aus dem uni-campus im le temps zu lesen gewesen, und eine kopie davon wurde in der ehrwürdigen staatskanzlei neben dem berner rathaus etwas verschämt unter den spitzenbeamtInnen herumgereicht. in der nacht auf mittwoch schlief dann staatsschreiber kurt nuspliger, der oberste wächter über die wahlen, schlecht. denn im dunkeln erinnerte er sich an eine unrühmliche geschichte, die sich in winterthur zugetragen hatte. bei den wahlen in den dortigen gemeinderat hatte man jüngst vergessen, die stimmen aus dem e-voting-test zu den stimmen auf den wahlzetteln hinzuzuzählen. an der staatsschreiberkonferenz sei der fall kritisch, jedoch mit dem hinweis diskutiert worde, das könne passieren, wenn man nun auch virtuelle wahlzettel habe.

„du heiliger strohsack!“, soll nuspliger mitten in der nacht geschrien und schon um 0400 in seinem büro über dem protokoll gebrühtet haben, erzählt man sich nun hinter vorgehaltener hand. denn, ihm sei in den sinn gekommen, auch im berner oberland habe ein solcher test stattgefunden. von thun bis brienz hätten alle gemeinden um die oberländerseen daran teilgenommen. und ausgerechnet diese nicht-wahlzettel habe man am sonntag nicht zu den wahlzettel gerechnet.

alles, was seither zum wahlergebnis kommuniziert worden sei, musste also falsch sein. wenn nur der rickebacher res nicht wieder aus seiner haut fahre und sage, das sei nestbeschmutzung, dachte sich der staatsschreiber. denn dann werde der haas adi mit gestellter brust behaupten, er habe immer gesagt, alles was aus der rotgrünen regierung komme, sei schönfärberei. und das werde nun an ihm, dem ehrbahren beamten, hängen bleiben.

am donnerstag morgen nun wird der staatsschreiber dem alten regierungsrat bericht machen müssen, weiss der stadtwanderer. denn auch er war am mittwoch im rathaus, um ein kabel abzuholen, dass er am sonntag vergessen hatte. dabei erfuhr er, dass unmittelbar nach der eilends einberufenen morgensitzung ein neues protokoll zu den regierungsratwahlen veröffentlicht werde. um alles wieder ins lot zu bringen, werde nuspliger dem regierungsrat beantragen, die montagsausgabe der bz und des bundes amdonnerstag mit den neuen ergebnissen auf staatskosten nachdrucken zu lassen, sodass man wenigstens in der geschichtsschreibung nichts von dem fehler merken werde.

und davor werde man umgehend vier briefe schreiben müssen. einen an marc jost, der dank des nachzählens an sechster stelle stehe und regierungsrat werde, an philippe perrenoud, neu achter, dass er nur dank der juraklausel wieder regierungsrat sei, und einen an beatrice simon, dass sie nun siebte sei, an sich gewählt wäre, aber ausscheide, weil sonst keiner aus jura bernois in der regierung sitzen würde. der vierte brief schliesslich soll an professor john antonakis mit der bitte gehen, inskünftig das protokoll der regierungsratswahlen gleich selber zu schreiben.

stadtwanderer


Comments

6 Comments so far

  1. Titus on April 1, 2010 03:52

    Könnte einmal jemand dem John Antonakis noch die Fotos der Kandidaten für den Grossrat zur Beurteilung vorlegen? Denn vielleicht fördert der neue Monat ja noch andere Überraschungen zu Tage… 😉

  2. stadtwanderer on April 1, 2010 21:03

    welcher monat? ist neumond?

  3. Ate on April 1, 2010 22:22

    Anhand der vielen Nichtkommentare schlägst Du mit Deinem Beitrag sogar noch den Tagi-Artikel bzgl. Abfackeln des Dada-Hauses.

  4. Marc Jost on April 11, 2010 19:44

    originell! 🙂
    Tönt sehr nachvollziehbar! 😉

    LG Marc Jost

  5. stadtwanderer on Mai 3, 2010 19:53

    nana, wer hätte das gedacht, als er mir einen 1. april scherz unterstellte: in der tat wurden die berner regierungsratswahlen nachgezählt, und das amtliche ergebnis erwies sich als falsch …

    http://www.bernerzeitung.ch/region/kanton-bern/Neuhaus-schnitt-leicht-besser-Perrenoud-leicht-schlechter-ab/story/10070470

  6. Ate on Mai 6, 2010 10:49

    upps!

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