bevor sich die eidgenossenschaft etablierte, hatte das mittelland des mittelalters einen herrschaftlichen mittelpunkt: den schlossberg von melchnau, von wo aus die herren von langenstein-grünenberg ihre tätigkeiten zwischen den habsburgern und bern entwickelten, bis sie zerrieben wurden.

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impressionen von der ruine langenstein-grünenberg im bernischen melchnau (fotos: stadtwanderer)

auf dem melchnauer schlossberg sollen frührer durch burgen gestanden sein. von der schnabelburg sieht man heute nichts mehr. die burg langenstein erkennt man nur noch in umrissen. denn der sandstein, in den sie gebaut worden war, wurde bis ins 19. jahrhundert gebrochen. dafür sieht man die grundmauern der burg grünenberg mit burgfried, zwei palassen und einer kapelle noch recht gut. bericht vom rundgang durch die verbliebenen ruinen, di im mittelalter mittelpunkt des mittellandes waren.

gruenenberg_rekonstruktion_kleindie herren von langenberg stammten aus dem oberaargau. ihr sitz war die auf der burg ob melchnau. ihre grosse tat war die stiftung des klosters st. urban, unten im benachbarten rottal. das war 1194. doch nur wenig später sterben sie aus. die grünenberger, eigentlich ministeriale der konstanzer bischöfe, begüterte freiherren im mittelland, markgräflerland und elsass, traten das prominente erbe an. 1218, bei der heirat zwischen den grafen von kyburg und savoyen, amtet ihre ulrich gar als trauzeuge.

geschickt platzierten sich die grünenberger in der gefolgschaft der grafen, herzöge und könige von habsburg, ohne ihre selbständigkeit zu verlieren. das gelingt unter anderem auch dadurch, dass sie mit den schultheissen von bern, insbesondere den von bubengergs, heiratspolitik betrieben. ihren eigentlichen höhepunkt hatten die grünenberger 1375 im guglerkrieg, geführt von angeblich erbberechtigten nachfahren der habsburger aus der champagne, die einen verheerenden feldzug ins mittelland unternahmen, das kloster st. urban besetzten, dann aber von den bauern der gegend unter führung der grünenberger geschlagen und von den berner aus dem mittelland vertieben wurden.

doch nur 8 jahre später, im burgdorfer krieg, standen die freiherren erstmals auf der falschen seite, und verloren sie mit den kyburgern gegen die ausgreifende stadt bern. 11 jahre später wiederholte sich das gleiche in der schlacht von sempach, wo sie auf habsburgischer seite kämpften und gegen die ebenso expansive stadt luzern unterlagen. das ist typisch für die eidgenossenschaft dieser zeit: der adel wird durch die städte verdrängt, deren stadtherren und gewerbetreibende zur neuen herrschaftlichen und ökonomischen oberschicht auch im oberaargau avancieren und die streitsüchtige adelsherrschaften durch verwaltungsmässig geführte territorialherrschaften ablösen.

noch einmal versuchen die grünenberger fuss zu fassen, verlagerten ihren hauptsitz nach rheinfelden und breisach, deren stadtherren sie vorübergehend werden. 1428 wohnten sie dem berühmten ritterturnier in basel bei, bei dem sich abenteurer aus aller welt massen und über das cervantes seinen don quixote schrieb.

doch mit den neuen verbindungen gerieten die grünenberger endgültig in die europäische territorialpolitik, und gingen sie endgültig unter. denn im alten zürichkrieg kämpfen sie erneut auf habsburgischer seite gegen bern, schwyz und basel, und wurden sie in der schlacht bei st. jakob an der birs vom den den habsburgern herbeieilenden truppen des angehenden französischen könig vernichtend geschlagen. so bleibt ihnen nichts mehr anders übrig, als ihren besitz im oberaargau direkt oder indirekt an die stadt bern zu verkaufen.

beim streifzug durch die ruinen wird mir klar, wie bedeutsam das adelsgeschlecht der freiherren von langenstein und grünenberg nicht nur als klostergründer, sondern auch als grund- und gerichtsherren mitten im mittelland waren, bevor sich die eidgenössische territorialpolitik bermerkbar machte, die alles, was nach habsburg aussah in den strudel zog, bis nur noch wenige grundmauern von ihrer grösse zeugen.

stadtwanderer


Comments

2 Comments so far

  1. Lukas Wenger on September 21, 2010 11:27

    Etwas salopp geschrieben, wie Vieles andere auch auf Deiner Website, dadurch lesenswert und leicht zu lesen. Wenn diese Einführung Lust auf mehr macht zu den Freiherren von Grünenberg: Danke!

    Der eine oder andere Fehler hat sich jedoch eingeschlichen: in der Schlacht bei St. Jakob an der Birs wurden die *Eidgenossen* vernichtend geschlagen, da kämpfte kein Grünenberger mit. Alle Details mit Belegen hier: http://lwl.homeip.net/gruenenberg.

  2. stadtwanderer on September 25, 2010 11:42

    danke für den hinweis.

    in einem punkt irren sie sich aber: hier wird nicht geschichte schrieben, sondern erzählt. das ist dann lockerer als akademische abhandlungen, findet aber jeden tag mehr als 1000 leserInnen, derweil eine diss. mit 300 verkauften exemplarer vor dem antiquirien schon als erfolg gilt.

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