wir sitzen im garten eines stattlichen restaurants, nahe der hauptstrasse durch huttwil und trinken eine ovo, bevor die erkundungsreise durch den ort im obersten langetental beginnt, die um das werden, das aufbegehren und das wachsen der 5000 einwohnerInnen zählenden kleinstadt zeigt.

P4060371P4060424P4060380
stationen einer stadtwanderung: das huttwil von 1834, die krone, schauplatz des streits im bauernkrieg, und leuenberger denkmal im stadtpärkli von huttwil (fotos: stadtwanderer)

rasch entpuppt sich unser „hotel krone“ als früherer sitz des schultheissen nach dem 30jährigen krieg im 17. jahrhundert. niedergebrannt wurde es 1653 bis auf die grundmauern, da der schultheiss zu „huttu“ zur stadt bern hielt, während sich die stadtbewohner den bauern anschlossen, die landauf, landab aufbegehrten. „klaus leuenberger“ steht noch heute unter der statue im kleinstpark bei der gewerbeschule, „obmann der bauern“. im volksmund war niklaus leuenberger der „könig der bauern“.

während des krieges hatten die bauern im emmental gute geschäfte gemacht, doch nach dem friedensschluss fielen die preise und die armut auf dem land nahm zu. in wolhusen schlossen sie ihren bauernbund, verfassten einen bundesbrief wie seinerzeit die innerschweizer gegen die habsburger vögte, und forderten die patrizier in den städten als neue „habsburger“ heraus. doch waren diese nicht zu konzessionen gewillt, unterdrückten den aufstand gewaltsam und richteten die anführer, unter ihnen held leuenberger, hin.

bern und luzern bestimmen das schicksal der kleinstadt im übergang seit der landadel in huttwil nichts mehr zu sagen hat. die im 9. jahrhundert waren es die adalgoze, von den man nicht viel weiss, dann die grafen von fenis, schliesslich die grafen von rheinfelden, eigentliche vorläufer der herzöge von zähringen. bei deren aussterben 1218 wurde huttwil kyburgisch, geriet im grafenkrieg zwischen savoyen und kyburg in den strudel der widersacher. deshalb wurde der flecken mit einer mauer befestigt und erhielt er einen schultheiss.

in der schlacht von laupen 1339 war man auf geheiss des adels auf österreichisch-burgundischer seite, gegen bern, verlor mit den herrschaften aber den krieg. huttwil wurde von berner truppen aus rache im jahr darauf vollständig zerstört, später wieder aufgebaut. der guglerkrieg um das kloster st. urban, destabilisierte die herrschaft der kyburger nur zwei generationen später erneut. huttwil wurde 1378 an die freiherren von grünenberg verpfändet, und gelangte über einen mittelsmann 1408 an die stadt bern, die ihr territorium kräftig ausdehnte. huttwil kam so zum amt trachselwald, ohne aussicht, selber einmal ein regionales verwaltungszentrum zu werden. das interesse der stadt bern an huttwil beschränkte sich nach der reformation auf einen sicheren ort nahe der kantonsgrenze zu luzern und damit auch an der scheidelinie zwischen den konfessionen.

seinen eigentlichen aufschwung erlebte huttwil im 19. jahrhundert. 1834 brannte der ort nach der liberalen revolution im kanton nun zum dritten mal nieder, und wurde er im spätklasizistischen stil wieder aufgebaut. die strassenführung im kern verläuft seither geometrisch, einzig die reformierte kirche widersetzt sich den geraden. die vorherrschende länge des städtchens im oberen langetental wird durch die eisenbahn, deren station leicht ausserhalb des zentrums liegt, verstärkt. die verbesserten verbindungswege liessen am ende des 19. jahrhunerts neben dem traditionellen gewerbe vor allem die möbelfabriaktion aufkommen, die bis zur krise am ende des 20. jahrhunderts die meisten arbeitsplätze stellte. seither stagniert die bevölkerungszahl bei knapp 5000 einwohnern. nicht alle, die in huttwil aufwachsen, wollen bleiben!

huttwil, wird mir nach einem aufenthalt klar, ist eine kleinstadt des übergangs zwischen ehemals burgundischem und alemannischem gebiet, zwischen adelherrschaften im südosten und nordwesten, zwischen bern und luzern. die topografie prägt diesen raum des transits, der durchgang zu fuss, zu pferd, mit kutsche, bahn oder auto verstärkt in. für einheimische wie der einheimische gross- und gemeinderat adrian wüthrich genauso für zaungäste, wie den vorbeibloggenden

stadtwanderer.


Comments

5 Comments so far

  1. Müller Reto on April 8, 2010 17:53

    Bist‘ noch in der Region? Weiter unten im Tal – im Langenthal – gäbt’s dann auch ein Bierli abzuholen… oder so.

    Ich könnte dich mal mit unserem Stadtführer und -historiker zusammenführen. Gäbe sicher ein spannendes Gespräch.

  2. stadtwanderer on April 8, 2010 18:23

    du warst ja schneller als der wind. musste zwischendurch die angebrannten roten rübli retten (… echt! …), kam nicht einmal zum durchlesen und fotos laden.
    das mit langenthal machen wir, wenn ich wieder vorbei komme. zwischenzeitlich bin ich wieder hika.
    ich melde mich.

  3. Adrian Wüthrich on April 11, 2010 10:07

    Reto Müller hat mich darauf aufmerksam gemacht, dass Du in Huttwil warst. Wir hätten Dich natürlich hochoffiziell im Stadthaus empfangen, wenn wir gewusst hätten, dass Du hier warst. Ich hoffe, es habe Dir gefallen. In der Tat wollen nicht alle, die in Huttwil aufwachsen, bleiben. Dieser „brain drain“ gilt für die ganze Region. Deshalb bleibe ich hier… Auf Wiedersehen in Huttwil?!?

  4. stadtwanderer on April 11, 2010 11:48

    lieber adrian,
    es war eine spontane idee, das rottal zu von oben bis unten zu bewandern. es ist ja eine mehrfache grenze, ich bin eine art grenzgänger.
    das nächste mal melde ich mich im voraus.

  5. alessandro on Oktober 2, 2010 16:42

    ciao

Name (required)

Email (required)

Website

Speak your mind