mein lieblingsbernerbär – berner kuriositäten (4)

er ist mein lieblingsbernerbär.

jeden tag wacht er über dem bahnhofplatz. in luftiger höhe ist er und sieht alles, was aus dem bahnhof kommt, sich am “loeb egge” trifft, in der stadt einkaufen geht, zur arbeiten im bundeshaus hetzt, mit einem joint umher schlurft, sein velo falsch parkiert, in der autokolone stecken bleibt, den zug erreichen muss, eine zeitung liesst oder sich ganz einfach mit dem banknachbar unterhält.


den turm hält er … (foto: stadtwanderer, anclickbar)

sein offizieller name ist “tanzender bär”. ausgerechnet! wo doch das tanzen auf strassen und plätzen berns nach der reformation 1528 schon mal verboten war. er hält gar nichts von diesem eifer! er schwebt in hohen lüften, schwankt leicht im wind, sodass man schon mal glaubt, er tanze grad.


die uhr stellt er … (foto: stadtwanderer, anclickbar)

seinen namen hat er von berner künstler carlo e. lischetti. der war maler, bildhauer und videoartist in einem. er war performer, liedermacher und wortjongleur zugleich. sogar lokalpolitiker war er zeitweise, und er hat den tanzenden bär geschaffen. vor jahresfrist ist er 59jährig selber aus dem leben geschieden.


die lampe richtet er … (foto: stadtwanderer, anclickbar)

für mich ist sein tanzbär am bärenplatz der “clever-bär.” denn er kann alles: von wo auch immer man hinschaut, neue kunststücke vollbringt er allenthalben. da flickt er schon mal eine strassenlaterne, ein ander mal stellt er gar die turmuhr neu. und schliesslich ist er es, der die heiliggeistkirche immer wieder bolzengrad aufrichtet.

ein wahre attraktion ist er! ein wahrzeichen der stadt, ein beweis, dass die bären bärn erbaut und immer noch fest im griff haben.

wenn nur alles nicht illusion wäre! denn so toll ist der berner bär nur in der berner mär.


die tolle berner mär vom tollen berner bär ist er … (foto: stadtwanderer, anclikcbar)

in tat und wahrheit ist es die optische täuschung der vielen stadtwanderer, die ihn beim vorbeigehen zwar genau beobachten, aber die räumliche distanz zu den nachbargebäuden übersehen.

selber macht er nämlich gar nichts. den ganzen tag ruht er, wie in einer nicht mehr besuchten zirkusarena, über der stadt in stoischer ruhe findet er stets die balance, hoch auf dem seil beim bahnhofplatz.

gerade weil er so kurios ist, ist er mein lieblingsbernerbär.

stadtwanderer

die minuskeln des stadtwanderers

kürzlich hat mich luigi delfini wegen meiner kleinschreibung getadelt. ich hätte schon lange reagieren sollen, doch wusste ich nicht wie. jetzt habe ich den dreh gefunden: ein prominenter tritt in meinen zeugenstand: ihm verdankt das weströmische kaisertum seine wiedergeburt, er war der gelehrteste mensch seiner zeit, und er erfand die kleinbuchstaben!

die verpassten chancen der kleinschreibung

“Im Wesentlichen” – “im wesentlichen”?
nein, ganz einfach: “wesentlich” …
“aaach, jetzt habe ich das Wesentliche, das ich sagen wollte, schon mal vergessen!”

leider wurde die jüngste rechtschreibereform nicht bis

zu Ende?
zu ende oder gar
zuende

durchbuchstabiert! sonst würden jetzt alle,

im Deutschen!,
im deutschen?,

wie

im Englischen,
im englischen?

und

im Französischen?,
im französischen?

ziemlich konsequent nur kleinbuchstaben verwenden.

ich frage deshalb: welch grosse schwierigkeiten hätte man damit umgehen können? wieviele gestresste schulkinder wären schon mal erleichtert gewesen? und wie mancher deutschlehrer hätte sich endlich mit ganzem elan der verbesserung des sprachgefühles seiner schülerinnen zuwenden können?

wer alles hätte profitiert, hätte man die durchgezogene kleinschreibung systematisch eingeführt?

– die schulzeit wäre glatt um ein jahr verkürzt worden.
– hurrah!, hätte die FDP an ihrer jüngsten delegiertenversammlung ausrufen können.
– endlich ein staatlich verordneter leerlauf weniger, hätte die erstaunte SVP nur noch hinten nach kommentieren können.
– die wirtschaftsanalysten wiederum hätten mit sicherheit diese steilvorlage aufgenommen und weiter optimismus verbreitet: „je schneller, desto kräftiger!“
– auch die verleger hätten nach kurzem überlegen mitgezogen: „in tagebüchern wird sie schon lange praktiziert, im persönlichen brief nimmt sie seit längerem zu, und mit dem e-mail hat die kleinschreibung zum finalen siegeszug angesetzt“, hätte ihre spezialkommission bilanziert. wann kippen die websites, wann die elektronischen zeitschriften – und wann die tageszeitungen?, hätte der vorstand der verlegervereinigung nachgefragt. in der tat: bei schnellem handeln wären sie so zu retten gewesen, und das wäre für verleger zum entscheidenden argument geworden.

doch nichts davon im schweizerlande!

– wir sind blockiert!
– es fehlt an mut!
– allenthalben die zersetzenden nörgler!

die verleger verpassen die wende zu ihrer kulturhistorisch grössten tat seit gutembergs zeiten!
die analysten versagen wie immer, weil sie ja nur das extrapolieren, was andere schon interpolitiert haben.
und die fdp, die muss in murten über uniformen nachdenken, um massenmedial gehört zu werden, wenn auch nur mit der botschaft: strohfeuer!

vom formen der gedanken beim schreiben

ich bin weder avantgardistisch, noch revolutionär! ein wenig eigenbrötlerisch, – das bin ich aber schon …

meine artikel für die kundschaft und die fachwelt und die kundschaft schreibe ich anstandslos konventionell. meine eigenen Notizen, meinen blog hingegen verfasse ich unkonventionell.

ich gebe zu: ein bisschen schizo ist das! und es gibt leute in meinem umfeld, die das beklagen. sie hätten es lieber, ich würde alles wie die andern schreiben, genauso, wie die korrekturprogramme es auch wollen.

also muss ich mich immer wieder erklären: an allem schuld sind die mail! und ich frage gleich nach: sind sie eine autopoetische oder eine kommunikative form des schreibens? sind sie mehr als verfasste ideen, vorläufige gedanken oder erste entwürfe? – „delete!“, und schon sind sie weg, unwiderruflich zerstört: schreiben für den müllhaufen, könnte man das nennen.

seit ich das gemerkt habe, schreibe ich mir häufig selber mails. ich verfasse zwar solche an andere, mache mir aber ein bcc. so bleibe ich dokumentiert, quasi in meinem bild. und so kann ich auch mitverfolgen, wie meine gedanken wachsen, wie aus internen versuchen schon mal externe mitteilungen werden: schritt für schritt wird dokumentiert, wie gedanken geformt werden.

mein blog entstand genau so:

zuerst nur für mich, denn es interessierte sich gar niemand für das stadtwandern;
sodann für ausgewählte, denen ich schon mal einblick in meine vorläufigen texte gewährte;
schliesslich für die wachsende stadtwanderergemeinde,
– und die trittbrettfahren, die nur neugierig und kopfschüttelnd reagieren.

zitat: “Schade, dass diese Blog nur in Kleinbuchstaben abgefasst wird! ld blogs.delfini.ch/”

ich weiss, einmal in dieser kette der gedankenentwicklung hätte ich umstellen müssen. da das ganze jedoch nicht geordnet, sondern fliessend geschah, hat es sich seinen eigenen weg gesucht, und ich habe den richtigen moment nicht gefunden. und so sind meine blogs in kleinschrift verfasst!

sorry, sage ich all jene, denen das nicht passt!
schade, den wenigen, die es stört!
aber es ist nun mal so: ich werde mich nicht ändern, und ich habe eine wichtigen zeugen für meine konsequenz!

der prominente begründer der kleinbuchstaben


wer nach meiner einleitung meinte, ich würde auf karl den grossen anspielen, hat sich mächtig getäuscht. er war zwar der erste kaiser des neu begründeten, römisch-fränkischen kaiserreiches. doch war er nicht dessen erfinder! Also falsch …


der römische papst leio III. krönt im jahre 800 den fränkischen könig karl zum neuen römischen kaiser

wer nun auf papst leo III. tippt, der könig karl zum kaiser krönte, hat ebenso wenig recht! der war zwar der grosse nutzniesser des wiedergeborenen kaiserreiches. denn nur er konnte bestimmen, wer römischer kaiser und damit beschützer der christenheit werden dürfe. doch auch er war es auch nicht! warum nur hätte ein römer eine neue schrift gebraucht!


der gelehrte alkuin inspirierte die karolingische renaissance

meine einleitung zielte einzig auf alkuin, den angelsächsischen gelehrten, der 782 nach aachen kam, um in der lieblingspfalz des fränkischen königs die karolingische renaissance zu inspirieren. 14 jahre arbeitete alkuin daselbst. systematisch baut er die hofschule auf, widmet sich der pflege der wissenschaft, und vermittelt er den staunenden franken die werke der antike. mit dem könig arbeitete alkuin an einer umfassenden bildungsreform. sie sollte die klöster auffordern, schulen für das ungebildete volk einzurichten. um das christentum zu verbreiten, vereinte der gelehrte alte und neue testament gekürzt in einem band: „alkuin-bibel“, nannte man das damals, „best of …“ würde man es heute nennen.


die bibel von moutier-grandval aus dem 9. jahrhundert steht ganz in der tradition der alkuin-bibel

dabei kam er zu einem schluss: die römische schrift eignet sich nicht für die fränkische sprache. die grossbuchstaben erschweren das lesen der schlecht gegliederten texte. so entwickelte er am ende des 8. jahrhunderts die „karolingische minuskeln“, – die eigentliche ausgangsform aller späteren kleinbuchstaben der deutsche schrift und sprache.

die bleibende kulturelle leistung alkuins


das ist, bei aller vergesslichkeit der individuellen gedächtnisse, die bleibende kulturelle leistung alkuins.

zum schutzherrn der mailschreiben sollte ihn lotus notes erheben!
zum patron des stadtwanderers werden wir ihn bei der kommenden halbrunden geburtstagsfeier des “stadtwanderers” küren!

zwar hatte auch alkuins kaiserprojekt erfolg. der pilger karl wurde an weihnachten des jahres 800 in rom zum römischen kaiser gekrönt. der patriarch von jerusalem frohlockte und schickte karl reliquien vom heiligen grab sowie die schlüssel der stadt. der kalif harun al-raschid, der damals über die heiligen stätten der christenheit in jerusalem herrschte, übergab dem neuen kaiser die verfügungsmacht über das grab christi und schenkte karl sogar einen weissen elefanten. 812 wurde karl selbst vom oströmischen kaiser als imperator anerkannt, und er durfte den bisher höchsten weltlichen würdenträger in der christlichen welt „bruder“ nennen. wahrlich, alkuins idee, im westen ein imperium christianum zu schaffen, hatte seine zeit beeinflusst!


bleibende kulturtat alkuins: die minuskeln in der kaolingischen schrift, den vorläufern unserer kleinbuchstaben

doch den kaiser gibt es nicht mehr! sein reich ist zerfallen, und der kirchenstaat des papstes, den der kaiser zu beschützen hatte, ist auf eine kleine insel in rom, den vatikanstaat, zusammengeschrumpft. deshalb sollte man alkuin wegen seinen minuskeln nicht vergessen. dauerhafter haben sie unsere kultur geprägt als kaiser und päpste, als reich und reiche das je konnten

wie die schrift von method und kyrill, das kyrillische, die sich in der oströmischen und slawischen Welt durchsetzte und bis heute der wichtigste kulturspeicher im osten europas ist, so sind die karolingischen minuskeln im westen europas grundlage für die schrift geworden. politische herrschaften, religiöse strömungen, philosophische grundsätze hatten alle ihre zeit, – die kleinbuchstaben von alkuin haben sie ermöglicht, begleitet, gestaltet, – und in nur leicht modifizierter form überlebt!

es ist also jedes mal auch eine kleine lobrede auf den gelehrten aus york, wenn ich seine buchstaben so überaus zahlreich verwende. fast vergessen ist er heute; nicht mehr zeitgemäss ist er den meisten. er ist halt wie ich keiner gewesen, der mit der masse ging. auch er war letztlich ein eigenbrötler, einen autopoetischen kommunikator würde man ihn heute nennen.

wider die herrschaft, wider den mainstream

als nämlich karl in sachsen seinen langwierigsten, grausamsten und anstrengendsten krieg führte, um das nachbarvolk der franken mit dem schwert zum christentum zu zwingen, stellte sich der gelehrte quer. diese art der mission war für alkuin

„bekehrungsterror“!

er verwies seinen weltlichen gebieter auf den kirchenvater augustinus, der von der freiwilligkeit des glaubens sprach. als karl nicht hören wollte, entfremdete sich alkuin von ihm, kehrte sich mit folgender begründung vom könig ab und ging ins kloster:

„man kann den menschen zum glauben erziehen, aber nicht zwingen. er kann gezwungen werden zur taufe, aber das ist kein fortschritt im glauben … wer fälschlich den glauben bekennt, der wird in wahrheit das heil nicht haben. daher müssen die prediger der heidenvölker mit friedlichen und klugen worten den glauben lehren. sollen doch die lehrer des glaubens von den beispielen der apostel lernen; sie sollen prediger sein, nicht plünderer!“


stationen eines reichen lebens: alkuins weg von york nach aachen und tours

harte worte aus prominentem mund, an einen nicht minder promenten absender gerichtet! mir bleibt da nur, sie ins 21 jahrhundert zu übersetzen:

man kann einen blogger zu grossbuchstaben erziehen, aber nicht zwingen. wird er dazu gezwungen, ist es kein fortschritt im denken. wer sich nur äusserlich dazu bekennt, der wird in wahrheit durch das schreiben nicht beflügelt. daher müssen die deutschlehrerInnen der ungebildeten völker mit friedlichen und klugen worte ihre ansichten verbreiten. vorbilder sollen sie sein, nicht polizisten!

NICHT GROSS REDEN! klein schreiben, sollten sie …

stadtwanderer

wandern im dachstock des klosters einsiedeln

das war eine überraschung: ich war zwecks weiterbildung der feuerwehrleute unterwegs. mit einem anspruchsvollen tag und schwarzen köpfen habe ich gerechnet, – aber ganz anders als es herausgekommen ist. der stadtwanderer genoss einen herrlichen tag in einsiedelns kloster, das er selbst im dachstock zu sehen bekommen hat. feuertechnisch war er dem himmel schon mal ganz nahe …

andächtig vor dem kloster

wer was vom klosterleben haben will, muss früh aufstehen. 5 uhr war es heute bei mir. punkt 9 war ich dann in einsiedeln. nein, zu fuss hätte das nicht gereicht; mit dem oev schon, door-to-door in knapp drei stunden!


imposantes barockes kloster einsiedeln vor dem besuch (foto: stadtwanderer, anclickbar)

ich war vor jahren schon mal da, hatte aber vom bau aus dem 17. und 18. jahrhundert nurmehr schwache, direkte erinnerungen. gedanklich war ich zwischenzeitlich oft im einsiedler kloster, – aber im alten, jenem aus den gründungszeiten: bei meinrad, dem mönch von der reichenau, der als einsiedler in den finsterwald hierher kam; bei eberhard, dem domprobst von strassburg, der als erster abt den grundstein zum benediktinerkloster legte, und natürlich bei otto, dem könig von sachsen und späteren ehemann von adelheid, der das kloster zum reichsgut erhob.


das reichskloster im hochmittelalter wurde von den schwyzern geplündert, was den krieg mit habsburg auslöste (foto: stadtwanderer, anclikcbar)

selbstverständlich wusste ich schon vor dem heutigen besuch um die zerfallene macht des klosters, das im 13. jahrhundert zum stift für den hohen adel verkam und von den schwyzer landleuten 1314, pünktlich zum dreikönigstag, geplündert wurde. den krieg gegen habsburg hat diese aktion ausgelöst! und unvergessen ist mir meine eigene überraschung, als ich von der grossen krise anfangs des 16. jahrhunderts vernahm; nur noch zwei mönche gab es im kloster, und der eine war huldrich zwingli, bevor er nach zürich aufbrach und die reformation predigte.


das kloster sorgt regelmässig für gesprächsstoff, seit man abt martin die öffentliche debatte gegen den innenhof getauscht hat (foto: stadtwanderer, anclickbar)

ein ort der grossen politik ist das kloster auch danach gewesen. die friedensverhandlungen zwischen frankreich und bayern im dreissigjährigen krieg wurden in dieser klause geführt. die revolutionären französischen truppen schlossen das kloster dann beim einmarsch in die schweiz vorübergehend ganz. selbst heute redet man politisch und gesellschaftlich von einsiedeln: nicht zuletzt, seit der junge mönch martin vom verstorbenen papst johannes paul II. zum abt von einsiedeln gewählt wurde.

lehrsam im gymnasium des klosters

auch die weiterbildung der feuerwehrleute ist politisch motiviert. aber man ist mit sich selber beschäftigt. an der basis funktioniert die feuerwehr immer noch mustergültig; ich weiss es ihr zu danken! doch der druck kommt von der anderen seite, von der feuerwehr koordination schweiz. die vertritt die kantone in allen nationalen feuerwehrfragen, sodass der verband, trotz grosser geschichte, heute über die eigenen bücher muss.


in klausur: der schweizerische feuerwehrverband besinnt sich seiner stärken bei den einsiedler mönchen (foto: stadtwanderer, anclickbar)

rudolf stämpfli, der präsident der schweizer arbeitgeber und ein berner protestant, klaus stöhlker, kommunikationskünstler für unternehmen in der defensive und ein eingebürgerter zürcher katholik, sowie der stadtwanderer, eigentlich ein katholik aus der umgebung von echallens, heute aber als berner forscher für politik, kommunikation und gesellschaft eingeladen, geben fleissig auskunft.

der anlass macht sinn: in glarus ist die feuerwehr mit der gemeindereform in den auslösungsstrudel geraten, doch die anwesende feuerwehrfrau aus lauerz zeigt aber auf, wo ausbildungslücken für motivierte frauen bestehen. auch kommandanten der feuerwehren sehen eine notwendigkeit, die bestehenden verbände zu beleben, denn ihr kampf für bessere ausrüstung, professionelle ausbildungen und gleichmässiger auszahlungen zu kümmern. die anwesenden vertreter “der instanzen”, die gebäudeversicherer, versuchen die leicht erregte stimmung zu beruhigen. “meh mues halt reede meetand”, sagt der kantonsvertreter aus dem baselbiet. was geredet wurde, ist allerdings strikte intern, was der stadtwanderer auch respektiert.


“schau, was du nicht erwartest” (regel des hl. stadtwanderers, überrascht , von der lektüre, die er im gymnasium einsiedeln findet (foto: stadtwanderer)

gefallen gefunden hat er an diesem tag nämlich an abt martin:jung, frisch und verspielt tritt er im rahmenprogramm auf. im walliserdeutsch erklärt er schon mal, er sei nicht nur ein diener gottes auf erden, sondern auch feuerwehrmann in himmlischen höhen der kirchen gewesen. den behelf und die uniform hat er aber beiseite gelegt, seit er dafür sorgen muss, dass seine mönche nach der regel benedikts im einsiedler kloster leben. “man solle jenen zuhören, von denen man nichts erwarte”, zitiert er den heiligen, und wendet sich direkt an klaus stöhlker! anfänglich habe er ihm nicht zugehört, als sich stöhlker bei ihm gemeldet habe. dann habe er sich jedoch eines besseren besonnen, und stöhlkers buch gelesen, – ohne etwas zu erwarten, wie er scherzt! heute unterhalte er sich mit seinem duz-freund gerne, ohne jeweils benedikts geist zu vergessen …

spannend im dachstock des klosters

bruder werner lädt uns nach dem zwischenspiel des abts in die stiftsbibliothek ein. mehr als 200 000 bände beherbergt sie. “aber keine unterhaltungsliteratur”, wie wir erfahren. nebst theologischem, aber auch profanes. die aktuelle ausstellung zeigt naturwissenschaftliche werke aus dem mittelalter. 1300 manuskripte, 600 inkunabeln und 400 frühdrucke seien hier entstanden, lese ich nach. bewahren will man den reichtum, auch wenn er nicht allen zugänglich ist. “treue spender haben gottseidank die renonvation des bibliothekssaals vor 8 jahren ermöglicht. leider ist der boden nicht erneuert worden, selbst alte bretter im estrich habe man wieder montiert”, bedauert unser wanderführer.


zwinglis werk, der hier einmal mönch war, findet sich in der stiftsbibliothek unter varia der schweizer geschichte (foto: stadtwanderer, anclickbar)

dann schlägt die stunde der feuerwehrleute. bruder martin, 20 jahren lang feuerwehrkommandant in einsiedeln, gewährt einen einblick in den dachstock des klosters. zuerst geht es durch die klausur der mönche, absolute stille wird verlangt. dann steigen wir über die holztreppen des estrichs, und es ist hohe konzentration ist nötig. schliesslich wanken wir im gänsemarsch über bretter vor petrus pforte: “vorsicht, kopf runter”, warnt einer, der den etwas tiefliegenden balken vor sich gerade noch rechtzeit sah.


himmel hoch jauchzend, falls man ein engel und kein stadtwanderer ist … (foto: stadtwanderer, anclickbar)

so hoch oben möchte ich nicht sein, wenn es wirklich brennen würde. da wäre mir sogar die hitze des fegfeuers lieber, denke ich für mich, als ich aus der dachluke in den innenhof schaue. tief hinunter in menschliche abgründe, sieht man da. die profis lässt das alles eiskalt. um sich ein wenig anzuheizen, erzählen sie lieber von ganz gefährlichen dachstöcken, die sie schon bestiegen haben. ich muss weghören, sonst will ich noch freiwillig in die hölle!


feuertechnisch dem himmel nah, waren wir heute! (foto: stadtwanderer, anclickbar)

endlich stehen wir bei den kuppeln über der klosterkirche. bizarre holzkonstruktionen schützen die steingewölbe, und lange schnürre kommen von oben hinunter, die man zum richten der turmuhren braucht. allgemeine erheiterung wecken die luftschächte hinunter in die kirche. “von da dringt die stimme des herrn in den riesigen raum des gotteshauses”, witzeln die feuerwehrsleute.

fertig!

unten angekommen, bin ich schon ein wenig bleich. ich muss das pure gegenteil der schwarzen madonna in der klosterkirche gewesen sein. abt martin, der nicht mit uns auf dem dachstock war, singt mit seinen getreuen zu ihren ehren, als ich mich neben den vorwiegend spanisch sprechenden pilgern erhole. schwarze köpfe sind sich meine feuerwehrsleute aus ihren einsätzen mehr gewohnt, entnehme ich ihren geschichten.


offizielles foto, das private in der walfahrtskirche nicht erlaubt sind!

aus der geschichte der schwarzen madonna weiss ich, dass sie von den franzosen eingepackt und nach paris verschleppt worden ist. tönt fast so wie die bärenstory aus bern! doch die revolutionäre fielen auf eine trick des sigristen placidus kälin herein: die richtige madonna hatte er eilends im boden vergraben, als die welschen kamen, den franken habe er eine fälschung überlassen. als das kloster wieder eröffnet wurde, bracht man die statue restauriert zurück. so bleich wie ich, soll sie gewesen sein, zum lauten missfallen der bevölkerung. wieder eingeschwärzt wurde ist, sodass man heute wie seit könig ottos zeiten eine schwarze madonna in einsiedeln verehrt.


toller tag im kloster einsiedeln, hoffentlich auch ein gutes omen für die feuerwehren, bilanz der stadtwanderer bei der heimkehr (foto: stadtwanderer, anclickbar)

schwarze köpfe, die einen vom russ und rauch bei feuerwehrmännern, die andern aus der tiefe der geschichte, der märchen und legenden über mystische frauen, waren das thema von heute. der feuerwehr sei für den andächtigen, lehrsamen und spannenden tag schon mal ganz herzlich gedankt.

fertig! (wie ich heute gelernt habe, nach dem rapport abzugehen)

stadtwanderer

der holländerturm – das symbol der neuen raucherpolitik

das lob ich mir: die neue berner regierung will, dass in den restaurants des kantons nicht mehr geraucht werden darf. öffentliches rauchen soll ein wenig eingeschränkt werden. der kanton tessin ging jüngst voraus, und die erste (nicht repräsentative) umfrage von www.espace.ch ergibt applaus für die massnahme. sie wird zu reden geben: “phantasien der rot-grünen” vs. “medizinische notwendigkeit” werden sich gegenüber stshen. wie in der geschichte des rauchens und seiner bekämpfung, weiss der stadtwanderer, der den blauen dunst gar nicht mag.


erstes grosses ziel der rot-grünen regierung in bern: restaurants sollen rauchfreie zonen der öffentlichkeit werden (foto: stadtwanderer, anclickbar)

der duft der weiten welt und die folgen

es ist der 6. november 1492. columbus ist einige tage zuvor auf guanahandi, einer bahamainsel, gelandet und hat kundschafter ausgeschickt. sie kehren an diesem tag mit einer botschaft zurück: frauen wie männer würden glühende kohle in den händen halten, – von wohlriechenden kräutern getragen. auf der einen seite würden sie brennen, auf der anderen würde man den rauch einsaugen. “tabacos” seien das, und diese wort beginnt sich wie “america” im bewusstsein der europäerInnen einzubrennen.

auch die samen der geheimnisvollen pflanzen kommen bald auf den kontinent. jean nicot, ein französischer händler in lissabon, sorgt 1560 für deren verbreitung. holland ist führend, aber auch in england und frankreich gibt es nachfrage. willkommen ist das rauschmittel bei seefahrern, studenten und soldaten. nicot steht quasi stellvertretend für die ausbrechende sucht, und gibt der gefragten substanz ihren heutigen namen: nikotin.

die welle macht vor bern nicht halt. 1565 bekommt der zürcher gelehrte conrad gessner die pflanze zu sehen, kann sie aber nicht richtig bestimmen. er wendet sich an bänz marti von bätterkinden, bekannt unter dem gelehrtennamen benedikt aretius, der sich in seinem garten um verschiedene spezialitäten kümmert. er erkennt die pflanze sofort, denn er ist der erste in deutschen und schweizerischen landen, der das tabakkraut zu medizinischen zwecken züchtet.

den eigentlichen durchbruch im “tabaktrinken”, wie man das rauchen damals noch nannte, bringt der krieg, – der 30jährige von 1618 bis 1648. alle gegen habsburg!, ist das motto, alle abhängig von der sucht, ist das reale verhalten! bis kriegsende hat sich die gewohnheit, tabak zu kauen, zu schnupfen oder zu rauchen, in der kaputt gemachten gesellschaft weit verbreitet.

erste phase: immer repressiver und immer wirkungslose verbote

in bern bringt der bauernkrieg der neuen sitte den durchbruch. die obrigkeit setzt sich nicht nur gegen aufmüpfige bauern zur wehr. sie beginnt auch das “röuken” zu bekämpfen. 1659 erlässt die berner obrigkeit das erste mandat. ein verbot aus gesundheitlichen, feuerpolizeilichen und volkswirtschaftlichen gründen. man will verhindern, das geld aus der jungen republik abfliesst, das zu hauf bauernhäuser in flammen aufgehen und die untertanen süchtig statt arbeitsam werden. doch der erfolg bleibt aus, sodass es …

… 1675 zur grossen verschärfung kommt! alles verbieten hat nichts genützt. armselige landleute, männer wie frauen, rauchen, was das zeug hält! wer ertappt wird, muss eine hohe busse zahlen. 50 bernische pfund werden verlangt. wer das nicht leisten kann, kommt an die trülle, und wenn keine vorhanden ist, gibt es vier tage arrest mit kaltem wasser und hartem brot. wehe, ein amtsmann oder eine krichenperson wird bei gleichem erwischt, – dann wird die strafe gleich vervierfacht.

höhepunkt in der repressiven politik gegen den tabakkonsum ist die zeit zwischen 1697 und 1710. jetzt, wo verbote, wo bussen, wo strafen versagt haben, wird die religion mobilisiert. die reformationskammer beaufsichtigt das rauchen mit sepziellen mitteln: jedes kammermitglied kann zwei spitzel benennen, die wie feuermelder bekannt machen, wer raucht. wer die bevölkerung auskundschaftet, muss nicht bekannt gegeben werden, nicht einmal den anderen mitgliedern der kammer. so kann quasi jeder jeden observieren. die repression ist jetzt perfekt!

zweite phase: privat erlaubt, öffentich eingeschränkt

zu beginn des 18. jahrhunderts ändert man die politik. am 15. november 1709 geben rat und burger allgemein bekannt, dass der notdürftige und gemässigte gebraucht, sofern er nicht öffentlich geschähe, zugelassen sei. hauptgrund für den sinneswandel sind die offiziere aus den besseren kreisen, die in den holländischen armee dienst leisten. dabei werden sie samt und sonders mit dem tabakkonsum vertraut, und sie bringen die neue sitte nach bern. unterdrücken lässt sich das rauchen selbst in den besseren kreise nicht mehr! also besinnt man sich eines besseren: repression ist passé, besteuerung wird in! wer privat rauchen will, wird verzeichnet und zahlt jährlich eine kleine abgabe, lautet die neue devise.

die zünfte werden für die kontrolle in der stadt eingesetzt; die feuerschauer machen gleiches auf dem land. doch der widerstand ist gross, den patrizier wie bürger haben in aller heimlichkeit immer wieder mal geraucht. es opponieren vor allem die schmiede. man weigert sich, bei der obrigkeitlichen kontrollaktion mitzumachen, sodass 1710 das mandat schon wieder ausser kraft gesetzt wird. von nun an ist das rauchen in bern gestattet. aber eben: nur privat! und nicht übermässig! schliesslich ist man protestantisch!

dritte phase: laissez faire, bei staatlichem nutzen

der staat steigt nun selber ins rauchergeschäft ein. städtische versuchsplantagen werden nach 1710 angelegt. 1719 erscheint eine anleitung für den tabakanbau, die vor allem auf dem land verbreitung findet. 1723 wird eine hochobrigkeitliche tabakfabrik eingerichtet, welche das angebaute kraut einsammelt. ein jahr später wird die zehntpflicht hierfür aufgehoben, um die produktion anzukurbeln. 1728 wird die firma privatisiert. johann georg berseth, bernischer grossrat, ist der erste tabakunternehmer in den bernlanden. französische refuginaten, wie man sie damals nannte, setzen 1733 gar den öffentlichen verkauf von tabak durch. gegen bares, versteht sich, denn das gesetz des marktes hat sich in nur einer generation nach der liberalisierung durchgesetzt.

das rauchen in der öffentlichkeit bleibt indessen streng verboten. die geldstrafe bleibt bestehen, und sie wird im 18. jahrhundert regelmässig wiederholt. erst die allgemeine liberalisierung der gesellschaft, die industrialisierung der wirtschaft und die entwurzelung der menschen in stadt und land lässt auch diese einschränkung fallen. mit den weltkriegen nimmt das rauchen seinen grossen aufschwung. in der nachkriegszeit wird es von der werbung entdeckt, und als signifikantes zeichen des neuen lebensgefühls in der nachkriegszeit gefeiert.

holländerturm als stilbildendes symbol der gemässigten politik


die realitäten lassen sich heute nicht mehr verdrängen. die eu regelt die tabakwerbung streng, denn die gesundheitlichen schäden sind enorm. passivrauchen wurde zwar lange aus dem bewusstsein verdrängt; die medizin kennt die folgen jedoch schon lange. felix gutzwiller, der präventivmediziner und fdp-politiker, ist nicht vergebens der vorkämpfer gegen das öffentliche rauchen in der schweiz. “schmuck” sollen sie wieder werden, die privaten raucherlogen. “geraucht werden soll im privaten”, sagt er. – “wie im seinerzeit im holländerturm”, verrät der stadtwanderer dem zeitgenössischen medizinmann. denn heute begibt man sich wieder auf die nahtstelle zwischen der zweiten und dritten phase der rauscherpolitik zurück: rauchen ist erlaubt, ein privates geschäft mit gesellschaftlichen folgen. deshalb darf nur rauchen, wer sich selber schaden, nicht aber die anderen belästigt.

bernisches symbol dieser politik (das sujet des abstimmungsplakates, wenn die wirte auf dem land das referendum ergreifen sollten!) ist der holländertrum. eigentlich war er ein wehrturm aus der zeit der savoyischen stadtbefestigung. seine eigenartige form – eine mischung aus motte, wachturm und windmühle – liess ihn zu jeder zeit auffallen. den heutigen namen hat er jedoch wegen des privaten rauchens, denn die bernischen offiziere im dienste der oranier versammeln sich nach ihrer rückkehr mit vorliebe im “rauchleist”. das tabakkollegium trifft sich regelmässig im obersten stock des wehrtumrs, der durch die stadterweiterung keinen sinne mehr macht. so wird er um 1720 zum privilegierten städtischen raucherstübli! ein hauch von rauch steigt aus den fenstern auf und prägt den neuen namen: holländerturm nennt man ih seit 1896 und selbst in die wikipedia hat es dieser begriff geschaft! wahrlich, das beispiel wirkt stilbildend, – bis heute!


holländerturm, gezeichnet von karl howald “Der Turm in der alten Ringmauer, 1851”

“g o t t s e i d a n k!”, buchstabiert der stadtwanderer befriedigt, und outet sich, erstmals bedingungslos mit obrikgeitlichen sittenmandaten der berner herrschaft zu sympathisieren. egal, ob sie patrizischen oder rot-grünen ursprungs sind …

(dunstfreier) stadtwanderer

zur kulturgeschichte des holländerturms empfehle ich unverändert:
eduard m. fallet: der holländerturm am waisenhausplatz in bern. benteli verlag, bern 1976

bern sucht den superslogan!

bern hat ein neues gesellschaftsspiel. man sucht den besten slogan zur euro08. gefunden werden soll er auf der strasse. alle passanten können mitmachen. das interessiert natürlich auch den fussball-uninteressierten stadtwanderer.

doch eine ganz andere lokalposse ist im gespräch! stolz ist man allenthalben über das neue stade de suisse. wirklich gelungen, ist der bau. weniger gelungen ist jedoch der penalty-punkt. im neuen stadion schiesst man keine elfmeter. jeder strafstoss war bisher nur 10 meter lang. künstlerpech oder: “im penaltyschiessen war die schweiz noch nie meisterlich!”


foto: stadtwanderer (anclickbar)

diese hiobs-botschaft kommt im dümmsten moment! seit knapp einer woche versucht sich meine lieblingsstadt, mit fussballerischer slogan-suche zu profilieren. wenn das keine interferenzen zwischen der bösen aktualität und der guten werbung geben wird!

immerhin, mich hat die posse von heute bewogen, bei der morgenlektüre den gestern gesehenen und nebenbei fotografierten aufruf, zur euro08 sprüche zu klopfen, doch noch mehr oder weniger ernst mitzumachen. und das, obwohl mich fussball kaum interessiert! sollte ich im ausgeschrieben wettbewerb tatsächlich ein ticket gewinnen, werde ich es auf dem “stadtwanderer” verlosen!

hier das ergebnis:

. Der Zauber von Bern. Euro08.
. Bern. Mehr als nur ein Spiel!
. Eine geballte Ladung Bern erwartet Sie!
. Stell Dir vor, es ist Bern, und ganz Europa ist da!
. The whole Bernese story: good old days, much Young Boys, one Michelle!
. Europäische Geschichte(n), – in Bern erzählt.
. ero.bern, knab.bern, verzau.bern!
. wir tschutten liebend bern!
. Real games. Real Berne!
. Schuss-Tor-Bern!
. italien schmiert. deutschland verliert. frankreich kracht. bern lacht!
. The old and new Habsbourg connections (1291-2008).
. Tschäppät gegen Hayoz: 1:0 (nach Euro08).
. vorteil schweiz: keine nation – kein nationalismus!
. Ball-Bier-Bern!
. Laupen. Murten. Wankdorf!

natürlich kann mein absoluter favorit nicht fehlen:

. Stadt Bern: die Fan-Zone des Stadtwanderers!

der stadtfan
(gilt als bewerbungsschreiben fürs stadtmarketing …)

graffiti-city

entstanden sind sie in new york der 70er jahre. der film “wild style” hat sie in den 80ern im europäischen kulturraum bekannt gemacht. nägeli harald hiess der erste szenen künstler in der schweiz. wie jede andere stadt ist auch bern heute voll von graffiti: auf meinen 8 kilometern zwischen wohnen und arbeiten habe ich schon mal an die 400 exemplare gezählt. das sind alle 20 m oder 3 sekunden fahrt ein exemplar! eine fotografische dokumentation samt seinem gedankengang, stellt der stadtwanderer hier vor.

wanderer, nicht sprayer

nein, gesprayt habe ich nie! gedanken verschiedenster art habe ich mir jedoch immer schon gemacht. in den 80er jahren veränderten graffiti unser lebensgefühl: rebellion gegen die beton städte wurde manifest. neue ausdrucksformen entstanden mit der subkultur der hinterhöfe. und kulturphilosophen, stadtsoziologinnen und linguistInnen skizzierten, was die neue urbanität ausmachen wird.


gefallen mir am besten auf meinem heimweg (foto: stadtwanderer, anclickbar)

vieles davon gefiel mir und gefällt mir immer noch: die zerstörung der natur durch die kultur ist bei uns weit vorangeschritten. deshalb freut mich die ästehtisierung der kultur. klar, bei weitem nicht alle graffiti waren kunst. auf vieles könnte ich glatt verzichten! gäbe es sie aber nicht mehr, würde mir etwas fehlen!


hat mich irritiert: “hinterkappelen” in fast arabischer schrift (foto: stadtwanderer, anclickbar)

ich glaubte schon mal, sie gesehen zu haben und beachtete sie nicht mehr. ich glaubte sie erkannt zu haben, und verlor jede neugier. ich glaubte sogar, sie durchschaut zu haben, und wurde stumpf.

ich dachte mir: die zeichen, die ich setze, sind kulturell anders. sie sind reflexiver, sie sind kognitiver, sie sind vorsichtiger. ich wandere gerne, um mich zu entspannen, um mich auszudrücken und mitzuteilen.

urbane spuren und ihre intepreten

doch halt: auch hunde pissen, und autos stinken immer noch. menschen beschriften, was sie können, und kommunikation bezeichnet, was sie will. staaten markieren territorien, und systeme bestimmen unser leben. man hat seinen mentalen concon hierzu entwickelt und macht sich nicht jede tag gedanken dazu. bis man sich ärgert, bis man sich ertappt, bis man froh ist und bis man nachdenkt.


drei zivilisationen auf engstem rau: staatliche signale, private werbung und subkultureller ausdruck (foto: stadtwanderer, anclickbar)

genauso geht es mit graffiti. spurenleser, welche das entstandene interpretieren, gibt es viele: archäologen vergleichen graffiti mit uralten wandmalereien. semiotiker entziffern sie, um die grammatiken des urbanen alltags aufzuzeigen. selbst die kommunikationswissenschaft nimmt sich dem phänomen an, um botschaften zwischen sendern und empfänger zu bestimmen. denn schleichend meldet sich der clash der zivilisationen an: staatliche strassensignale beherrschen den öffentlichen raum schon lange nicht mehr souverän. private werbung ist im heftigen wettstreit mit ihnen. doch damit nicht genug: graffiti verkünden den aufstand der zeichen gegen öffentliche und private herrscher.


je unbelebter der ort, desto dichter die kommunikation (foto: stadtwanderer, anclickbar)

unser strassen, unsere bahnhöfe, unser häuser sind orte der dichten symbolischen kommunikation geworden. sie sind nicht nur objekte des alltags; sie werden nicht nur auf karten repräsentiert. sie repräsentieren den stadtraum: “ich war da”, ist die wichtigste inhärente.


zentale botschaft: ich war da, stempel! (foto: stadtwanderer, anclickbar)

graffiti hat sich heute als begriff eingebürgert, wenn es um all die privat angebrachten willensäusserungen in form von bildern, schriftzügen und zeichen auf oberflächen des öffentlichen raums geht. graffiti stammt aus dem italienishen, das sich seinerseits am vulgärlateinischen verb für “mit dem griffel kratzen” ausrichtet. graffiti sind also etwas zwischen schrifttafel und grabsteinen. sie sind orte der mitteilung, und orte der erinnerung. das ist vergessen gegangen, fast so wie der sprachgeschichtliche hintergrund: ein graffiti müsste eigentlich ein graffito heissen, und graffitis im plural ergibt für den lateiner keinen sinn.

objekte, stile, writer

seit mit der 90er jahre gibt dafür eine sozialwissenchaftliche graffiti-forschung. auf dem web ist sie fast so präsent wie die graffiti in der city. wikipedia, wer denn sonst, verschafft uns the state of the art: die form der worterläuterungen, die ich für dieses blog konsultiert habe, stammte vom 4. august 2006, 21 uhr 41. ich entnehme dem, dass graffiti ein objekt brauchen, denn ohne das bleibt nichts. sie brauchen einen künstler oder eine künstlerin, denn ohne sie geschieht nichts. und sie haben eine geregelte ausdrucksform, denn graffiti ist kunst.


du sollst wissen, wie ich die stadt sehe (foto: stadtwanderer, anclickbar)

psychologen wissen, dass die writer extremsportlern gleichen. sprayer vermittelt ihnen den ultimativen kick. graffiti verschafft ihnen positive emitionen, lässt sie kreativ sein. writer streben nicht nur nach aufmerksamkeit, sie wollen ruhm erlangen. sie wollen in ihrer szene verankert sein, graffiti ist selbstverwirklichung, ist lebenssinn durch grenzerfahrung.


“slug” (ausgerechnet!) hat die am klarsten wiedererkennbare handschrift auf meinem heimweg hinterlassen (foto: stadtwanderer, anclickbar)

wer sich übt, will fortschritte machen. das gilt zunächst für den stil: erkennbar soll er sein, – wiedererkennbar. deshalb entwickeln writer eine eigene schrift. sie verwenden eigene formen, eigene farben. sie sind elegant, genauso wie der arm, der beim rotieren einen kreis, eine ellipse, einen spirale entwirft. sie sind aber auch dynamisch, genauso wie der schritt, der die spraydose schwebend davon trägt. graffiti sind meist abstrakt, ähneln mehr chinesischen, den europäischen schriftzeichen. gute graffiti sind einer herausforderung für das publikum.


eine wohltat graffiti statt betonwände (foto: stadtwanderer, anclickbar)

nicht jeder oberfläche reizt, ein graffiti zu hinterlassen. dunkle autobahnunterführungen, unbewacht am tag und des nachts wenig befahren, sind eher orte für die anfänger. öffentliche oberflächen, beobachtbar, zentral gelegen, interesieren schon fortgeschrittene. die meisterschaft ergibt sich, wenn man seine spuren an heikelsten stellen anbringen kann: unerreichbare flächen in luftiger höhe, hinter dichten abschrankungen, geschützt durch stracheldraht gelten als highlights.

die gesetze der szene


nicht alles, was man graffiti nennt, ist kunst, ist kalligrafie, ist comic oder abstrakte malerei. einiges ist auch einfach ein ärgernis, hätte allenfalls platz in einem versuchslabor finden dürfen und ist nicht raffiniert genug, um aufgestellt zu werden. doch der szene ist das egal. niemand nimmt sich die pflicht heraus, zu werten. denn darin ist man sich einig: oberflächen zu besitzen, aufmerksamkeit zu erregen, mitteilungen zu hinterlassen, soll jede und jeder dürfen.


schlicht schlecht: absolut unnötige sprayereien (foto: stadtwanderer)

immerhin scheint es wenige ungeschriebene gesetze zu geben: writer schützen writer; selten zerstört ein graffiti ein anderes. sprayer schützen auch denkmäler; selten bekleckern sie statuen, erinnerungstafeln, friedhofsmauern. doch writer spielen gerne mit der werbung: sie unterwandern sie, sie ahmen sie nach, und nehmen sie auf die schippe. die werbung hat die botschaft begriffen: nur zu gerne kommuniziert sie mit graffiti. kreative wären vielleicht zu gerne auch writer geworden!

reaktionen der öffentlichkeit

die öffentlichkeit reagiert geteilt auf graffiti. die hip hop szene und ihre sympathisanten sehen darin eine zentrale ausdrucksweise der gegenwart. und sie künden ihre macht schon mal an: 100 sprayer, gezielt mobilisiert, könnte das bild einer stadt über nacht nachhaltig verändern. für die svp und ihre szene ist graffiti des teufels. verslumung ist ihr stichwort. schmierereien ihre codierung von graffiti. und writer sind gesetzesbrecher, die man ins straflager putzen schicken sollte!


neue gelassenheit: graffiti am pathologischen institut der universität bern (foto: stadtwanderer)

behörden reagieren zwischenzeitlich meist etwas gelassener. klar, sie haben bürgerinitiativen, die druck machen. sie sehen aber auch die sysiphus-arbeiten, wenn man ständig putzen will. kapitulation? jein. denn das zwingt sie, architekten zu leeren, mit oberflächen nicht zu provozieren. es macht nötig, stadtgärtner anzuleiten, pflanzen einzusetzen, wo spraydosen nur warten. und selbst bauunternehmer haben ihre lektion schon mal gelernt. selbst sie machen bisweilen aus der not eine tugend, wenn sie abschrankungen anmalen oder anschreiben lassen.


selbst ein wenig graffiti: markierung der bauverwaltung auf der strasse (foto: stadtwanderer)

es gibt aber auch die harte reaktion auf graffiti in der city. writer werden verfolgt, belangt und bestraft. neuerdings setzt man sogar aufs stadt zürich, wenn es um prävention, aufklärung und verfolgung geht! und so kann die rechtsberatung für sprayer auf dem web nicht fehlen!


ausgerechnet: das coop areal, frei von graffiti bekam ein graffiti (“hoi heinz, gehe kurz gassi mit fido, martha”)als werbeplakat von “tele2” verpasst (foro: stadtwanderer, anclikcbar)

die genau beobachtung lehrt mich: die grenzen zwischen legal und illegal sind fliessend. die signale des bauamtes auf der strasse unterscheiden sich bisweilen kaum von graffiti. firmenkommunikation ahmt schon mal formen und farben nach. so könnte schriftzug “coop” fast genauso gut von einem writer entworfen worden sein. und selbst private markieren ihre häuser mit kunst am bau, und lassen die graffiti daneben schon mal stehen.

kulturschaffende etablieren graffiti

jean baudrillard, der französische intellektuelle hat sich dem graffiti besonders angenommen. er sieht in ihnen den ausbruch der zeichen aus dem lingusitischen ghetto, den einbruch der kunst in das urbane als ort der codierungen von welt. doch im graffiti zähle nicht mehr die kraft wie im zweikampf, sondern das spiel mit der differenz. graffiti-city ist die moderne form der urbanen identität schlechthin.


das spiel mit der differenz ist die urbane kultur schlechthin (foto: stadtwanderer)

wer so rühmt, ruft künstler auf den plan. sie produzieren heute moderne wandmalereien in wettbewerben, bei denen juroren beurteilen, welche graffiti stehen bleiben dürfen. wer so rechtfertigt, begründet auch das auftreten von kulturmagazinen, die dokumentieren, beschreiben, analysieren und deuten, was ist, was kommt, und warum es sein muss.


“layup” – berner anlaufstelle der graffiti kultur (foto: stadtwanderer, anclickbar)

“nonstop” ist das graffitimagzin, das drei mal pro jahr erscheint und über street art in der schweiz (und europa) berichtet. “www.nonstop.li” ist die online ausgabe dazu, die vorsichtshalber in liechtenstein erscheint. da erfährt man beispielsweise, dass es in bern weiterhin keine wand für legales sprayen gibt, die stadt jedoch die möglichkeit für einen graffiti-kult-event für jugendliche präft. dafür gibt es einen shop für writer gibt es in bern. “layup gmbh” heisst er nüchtern. wer die website besucht, bekommt “berne’s finest selection of streetwear, records, cans, and accessoris” vorgeführt. enter hier virtuell, oder gleich um die ecke, dafür reell.

stadtwanderer

ps:
paah! das ging aber flux: ich war noch kaum richtig fertig mit meinem beitrag, kam schon post aus berlin. “zueri-berlin” setzt meine betrachtungen mit einem kleinen beitrag aus dem kreuzberg, hinweisen auf literatur der szene und bürgerinitiativen gegen graffiti-city fort! schön, dass die interurbane kommunikation so gut klappt!

ps2:
unglaublich, aber den schönsten aller graffiti habe ich übersehen …

vergessener graffiti

bern stadt geschichte

dass bern eine tochterstadt in den usa hat, weiss man allgemein.
dass in new bern erstmals pesi cola verkauft wurde, hat man vielleicht schon gehört.
dass laura bush einen berner stammbaum hat, ist wohl fast allen neu!

laura bush – mit blut aus der famiie von graffenried

die gezielte recherche zum verdeckten hinweis brachte es an den tag: auf der website der national library fand ich unter “first ladies’ biography” zu laura bush folgendes:


die heutige first lady der vereinigten staaten von amerika

national library zu laura bush
“ancestry: English, French, Swiss; Laura Bush’s most recent immigrant ancestor is her maternal great-grandfather Louis Le Maire, born in 1840 in France. Nine generations back, her paternal ancestor Christopher De Graffendried, born in Bern Switzerland in 1691 immigrated to Virginia.”

noch präziser wird ihre umfangreiche enealogische dokumentation. der name deGraffenried findet sich bis in ihre GREAT-GREAT-GREAT-GREAT-GREAT-GRANDPARENTS-GENERATION. dann verliert es sich, weil grossgrossgrossgrossgrossgrossmütterlicherseits. und unter der nummer 632 unter den vorfahren liesst man folgendes:

“Christopher deGraffenried was, therefore, the first of the deGraffenrieds to settle permanently in America. On February 22, 1714, at Charleston, South Carolina, he married Barbara Tempest (nee Needham), daughter of the distinguished Sir Arthur Needham of Wymondsley, Hertfordshire, England. In the family Bible Christopher made the following entry of his marriage: ‘God bless us and our issue. We moved first to Phila. to Maryland and lastly to Va.’ (…) It is recorded in the family Bible that Christopher died at his plantation on the James River, Virginia, ‘on Sunday at sunrising, October 27th, 1742’ and that ‘Barbara his wife departed this life the 26th day of June, 1744.”

christopher degraffenried? war das nicht der begründer von new bern! der test im historischer lexikon der schweiz sagt “jein”. Es war sein sohn gleichen namens. über den vater christoph weiss man hierzulande:

historisches lexikon der schweiz zu christoph von graffenried
“Graffenried, Christoph von, geboren 15. 11. 1661 Worb, gestorben Nov./Dez. 1743 Worb, ref., von Bern. Sohn des Anton, Genealogen und Landvogts von Aigle. 1684 Regina Tscharner, Tochter des Beat Ludwig, Gutsbesitzers in Sutz. 1679-83 Auslandaufenthalt in Heidelberg (Gast des Pfalzgrafen), zwei Jahre Studium in Leiden, 1682 Magister Artium in Cambridge. In London wurde G. Kg. Karl II., in Versailles Kg. Ludwig XIV. vorgestellt. 1691 Mitglied des Rats der Zweihundert in Bern, 1702-08 Landvogt von Yverdon. Nach seiner Aufnahme ins Londoner Bürgerrecht 1709 gründete G. mit Unterstützung der engl. Krone in North Carolina Ende 1710 die Kolonie New Bern. 1713 kehrte er nach Bern zurück, da er u.a. wegen krieger. Auseinandersetzungen mittellos geworden war. 1730-40 erster Herr der ganzen Herrschaft Worb seines Namens.”

new bern, eine bernisch-pfälzische pionierstadt

was daraus geworden ist, weiss man, zumindest in bern, einigermassen: die stadt “New Bern”, in north carolina gelegen, gibt es auch fast 300 jahre nach ihrer gründung immer noch. das restaurierte capitol und wohnhaus aus dem 18. jahrhundert erinnert an die zeiten, als new bern
hauptstadt der neuen kolonien war.


wappen von new bern verbindet die neue heimat bis heute mit der alten heimat

das wappen der stadt entspricht bis auf den jüngsten tag dem der stadt bern. das motiv mit dem berner bär sieht man in new bern überall: auf öffentlichen gebäuden, den fahrzeugen der stadt und auf uniformen der städtischen bediensteten und der polizei. die erste flagge, ein spätes geschenk der stadt bern, ist heute im gerichtssaal des rathauses ausgestellt.

kratzer im lack

ganz so erfolgreich, wie sich die prioniertat von christopher bis heute präsentiert, ist sie jedoch nicht. die junge historikerin annelise leuenberger, heute als erwachsenenbildnerin im museum murten tätig, hat nachgefragt, ist auf erstaunliches gestossen, und hat diesen sommer in buchform darüber berichtet.


christopher degraffenried, begründer von new bern

christoph von graffenried lag demnach mit seinem vater anton, dem besitzer der herrschaft worb, im dauerstreit. als christopher studienhalber im ferner ausland weilte und sich zugung zu den royals seiner zeit verschaffte, kappte der vater das geld. zuerst musste der junge christoph deswegen london verlassen, dann auch paris, um direkt ins heimatliche worb zurückzukehren.

hier vermählte er sich, hatte mit regina tascharner 11 kinder, was ihn erneut in geldsorgen brachte. anfänglich verlief die karriere wie vorhergesehen. der berinsche grossrat wurde landvogt in iferten, dem heutigen yverdon-les-bains, doch blieb das erwartete grosse geld aus.

da kam christoph mit dem patrizier franz ludwig michel in kontakt, der den landvogt von den reichen silberminien begeistern konnte, die man im fernen amerika entdeckt hatte. “man”, das war die berner kolonie, die es seit 1705 unter dem apotheker franz ludwig ritter in “carolina” gab.

schiff ahoi!

am 13. mai 1709 reiste christoph heimlich nach london, womit die vorgeschichte von new bern beginnt. seine frau, seine 11 kinder und seine schulden überliess er dem vater. die englische königin anna unterstützte das projekt, machte von graffenried zum bürger von london und erhob ihn zum landgrafen von carolina. der englische oberfeldmesser john Lawson verkaufte dem berner ein stück land, das man 5 jahre land gratis und franko besiedeln konnte.


geographische lage von new bern

anfangs 1710 folgte sohn christoph dem vater nach london nach. er hatte 150 begleiter bei sich, darunter 50 täufer, die man aus bern abgeschoben hatte. in england kamen 650 pfälzische religionsflüchtlinge hinzu. lawson segelte mit dem pfälzern nach übersee, und war nicht sehr erfolgreich. die hälfte der auswanderer starb, bevor man das ziel erreichte. die graffenrieds und ihre berner begleiter folgten separat, und kam wohlbehalten in der neuen heimat an. zielstrebig begannen sie mit der besiedlung des küstenraumes, indem new bern entstand.

sorgen über sorgen

von den versprochenen silberminien, gab es keine spur. so plagten stete geldsorgen die auswanderer. diese wogen umso schwerer, als die berner firma ritter & Cie. zweifel am projekt bekam, und kein weiteres geld sprechen wollte.


skizze des ursprünglichen new bern

dafür standen von graffenried und seine getreuen mit den lokalen tuscaroras-indianern im krieg. bei einer erkundungsfahrt wurde er gar gefangen genommen, und nur die intervention des gourverneurs rettete sein leben. sein partner lawson wurde hingerichtet. während der gefangenschaft wurde new bern auch weitgehend zerstört.


übersicht über new bern heute

christopher de graffenried zog nach seiner freilassung nach virgina weiter, fand aber auch dort keine silbermine. als die schuldhaft drohte, riet im der gouverneur, persönlich in london und bern nach einem kredit zu fragen.

ablehnungsfront wegen konkurs

am englischen hof begegnete von graffenried aber nicht mehr das entgegenkommen, dass er aus seiner studien- und abreisezeit kannte. aus dem prionier war ein allseits bekannter schuldner geworden, sodass er london nur unter falschem namen richtung bern verlassen konnte.


könig anne II., die das projekt degraffenrieds anfänglich gefördert hatte

im dezember 1713 traf er in seiner vaterstadt ein, wurde aber auch da geschnitten. seinen posten als grossrat hatte er mit zustimmung seines vaters verloren. selbst ein geltstag hatte seine frau eröffnet, um seine schulden zu begleichen. und der vater hatte den sohn in amerika gar enterbt. die herrschaft worb ging direkt an christopher’s sohn franz ludwig.


memorial in worb, das an christoph von graffenried erinnert

nach dem tod des vaters 1730 zwang christopher seinen sohn, das erbe auszuschlagen. er machte sich selber zum herrn in worb, musste aber mitansehen, wie 1734 sein eigener sohn in unmittelbarer nähe schloss worb baute und hier auch residierte. 1740 wurde christopher bevormundet, da er vollends in seinen geldsorgen ertrunken war. nur drei jahre später verschied er.

meine kleine würdigung

bern hat der glücklose christoph von graffenried ein denkmal in der auswanderungsgeschichte gesetzt. die stadt erholte sich nach dem krieg gegen die tuscararos-indianer, der bis 1713 dauerte. gouverneursstadt war man zwar nicht mehr, doch stieg new bern zu einer bedeutenden hafenstadt in carolina auf. erst der bürgerkrieg setzte dem ein ende. in einer schweren schlacht nahmen die der armeen der nordstaaten new bern am 14. März 1862 ein. noch einmal erholte sich das gemeinwesen: 1898 wurde pepsi cola in new bern vom jungen apotheker caleb bradham erfunden und zunächst bekannt als “Brad’s Drink”.


ursprünglicher schriftzug von pepsi cola, in new bern erfunden

christopher de graffenrieds ältester sohn, der ihm nach london gefolgt und mit ihm nach amerkika gesegelt war, verliess new bern nach der zerstörung im krieg mit den lokalen indianern, kehrte aber anders als sein vater jedoch nicht nach worb zurück. vielmehr siedelte er sich in williamsburg nahe new york an, heiratete, hatte viele kinder, von denen laura in der 9. generation eine wahrliche nachfahre der de graffenried aus bern ist.


stadtgeschichte über new bern von pat bartram und kathy nathan

was soll man dazu sagen? würde man die berner heute fragen, was sie von ihrer bekannten nachfahrin und dem weitgehend in vergessenheit geratenen stadtgründer hielten, würde ich schätzen:

. 1 von 10 würde beide toll finden; es wären der konsequenten republikaner.
. 2 von zehn würden laura mögen, nicht aber den konkursiten christopher, das wären die kapitalistischen republikaner.
. 5 von 10 stünden christopher positv, laura aber negativ gegenüber; das sind die nachfahren der alten republik bernensis.
. und 2 von zehn könnten gar nichts anfangen mit beiden; besonders für sie habe ich die kleine geschichte erzählt!

stadtwanderer

quelle
“Small Number – Big Impact. Schweizer Einwanderung in die USA, Zürich 2006. Herausgegeben wurde der lesenwerte Sammelband vom Verein Migrationsmuseum Schweiz. Editiert haben ihn Bruno Abegg und Barbara Lüthi, und erschienen ist erim Verlag der Neuen Zürcher Zeitung.

flickr für den stadtwanderer

hätte man mich vor dem wochenende gefragt, was “flickr” ist, hätte ich gesagt: ein tippfehler! doch dann stiess ich zufällig auf dieses angebot von “yahoo” und war begeistert. ein fotoalbum, einfach zu bedienen, weltweit benutzt, spannend zum suchen, kommentieren und selber zu verwenden, – eine web 2.0 – anwendung!


mein icon: I, me and myself …

da mein blog-layout für fotos nur beschränkte gestaltungsmöglichkeiten zulässt, habe ich natürlich sofort ein konto eröffnet, und meine favoriten geladen. alles fotos, die ich in diesem sommer beim morgendlichen, mittäglichen oder abendlichen stadtwandern gemacht habe. “myberne” quasi im taschenformat!

leider ist meine kapazität schon belegt für diesen monat, das dutzend ist voll! ich werde aber bald neue themen aufführen, für alle, die gerne etwas von der stadt bern und ihrer umgebung sehen, von geschichte, politik und kultur haben! also, nichts wie hin zu meinen bildern: kritisieren, kommentieren und korrigieren!


da schon mal eine kostprobe zum “stadtpräsident (sp)”

meine 12 themen im august sind

. bellevue
. bowäger
. erholung
. gemüsemarkt
. morgenerwachen
. münster
. regierung und parlament
. spiegelung
. staatsschutz
. stadtgründer
. stadtpräsident (sp)

und natürlich …

stadtwanderer

flickr stadtwanderer
wikipedia flickr

nachwort zum geschichtsunterricht

es war eine überraschung für sie. der nachdiplomkurs „Politische Kommunikation“ der zürcher hochschule winterthur kannte mich zwar als dozenten. dass ich auch stadtwanderer bin, wussten sie jedoch nicht. Und schon gar nicht ahnten sie, dass sie von mir durch bern geführt würden!

die leistungs-klasse aus winterthur …

seit die ausbildung fertig ist, trifft sich der kurs regelmässig und besucht gemeinsam eine stadt. am samstag war bern dran. monia hatte alles eingefädelt, eine spezielle stadttour versprochen, von einem bekannten unbekannten geführt.


foto: stadtwanderer (anclickbar)

ich warte um 14 Uhr 01 schon leicht ungeduldig im nydegghof auf meine ehemaligen studentInnen. sie waren es spät, es war, wie wenn ich unterrichten müsste. aber ich hatte keinen beamer bei mir, keine powerpointpräsentation vorbereitet, die ich nochmals rasch durchgehen konnte. denn ich weiss, in dieser klasse ist leistung gefragt.

ich hatte an diesem tag nur zu einer stadtwanderung geladen. „In 80 Minuten um die Welt“, lautete der Titel,- ein anspielung, dass meine gäste an diesem tag ein volles programm zu bewältigen hatten, und man (im Voraus) nur beschränkt zeit opfern konnte.

da kamen die Ersten von der nydegg-brücke in den hof hinunter. Sie staunten nicht schlecht. ihr dozent für demoskopie als stadtführer? Der theoretiker der meinungsbildung als lokalhistoriker?

die klasse-leistung aus bern …

die Begrüssung war freundlich, aber kurz: „Keine Angst“, sage ich. „Meine Welt ist nicht der erdrund. Meine Zeit ist nicht die von Jules Vernes. Und ich führe Sie nicht 80 Tage an der nase herum. Ich bin Stadtwanderer. Ich führe sie durch Bern. Ich zeige Ihnen in 80 Minuten meine kleine Welt.“


foto: stadtwanderer (anclickbar)

es sollte ein städterundflug im zeitalter des SWISSAIR-groundings werden. deshalb blieben wir auf dem boden der harten realitäten: “Die Schweiz ist passé, es lebe Bern!”, war mein motto. doch anders als es im alten bern üblich war, geht die zeit heute schnell. so habe ich die stadtgeschichte im “20 minuten”-format, aber mit nzz-qualität gegliedert: eindrückliche bilder, kleinere geschichten und ein paar infoboxen. sind noch fragen? iht stadtwanderer!

• wir starten mit der schwäbischen stadtgründung 1191 im burgunderland beim zähringer-denkmal.

• wir betrachten die stadt, oben von der Rathaustreppe aus, wie das Sigismund, der deutsche könig, bei der einweihung 1414 gemacht hatte.

• wir stehen zwischen münster und chorherrenstift auf dem platz an der sonne, wie 1476 adrian von bubenberg, als er die herzöge von burgund besiegt hatte.

• wir hören von theater ums “Du Théâtre”, dessen bau mit der ersten berner aktiengesellschaft 1766 erfolgte, und revolutionäre kultur fördern wollte, die dann in form von französischen truppen kam.

• wir lauschen der gründung des bundesstaates 1848, berns erhebung zur bundesstadt, und der demokratisierung von macht, basierend auf ideen eines deutschen flüchtlings.

und wir besuchen den neuen bundesplatz, wo der unbekannte stadtführer eine lobrede auf den bekanntesten beamten in Bern hält. einstein, der beamter III. klasse im amt für geistiges eigentum gelingt mit der erfinder des heutigen physikalischen weltbildes eine geistige tat erster klasse!

schöner könnte der schluss nicht sein, also finale!

mehr klasse im geschichtsunterricht: mehr stadtwandern im curriculum!

„Geschichte war mit immer ein Gräuel“, erzählt mit ein student unterwegs. „Mein klassenlehrer in der Sek war fürchterlich“, ergänzt eine weitere. „Erst im Gymnasium, bei unserer tollen Geschichtslehrerin, begann ich zu verstehen, um was es da geht“, höre ich im hintergrund tuscheln. und: „Es ist schade, dass man im unterricht den zweiten weltkrieg von vorne bis hinten behandelt, sich aber nicht mit der eigenen geschichte befasst … „


foto: stadtwanderer (anclickbar)

„Das war spannend“, werde ich am schluss heimlich gelobt. „Danke!“, sage ich da. es ist motivation für mehr. „Es gibt keinen Grund, Geschichte langweilig zu erzählen“, las ich am morgen in einem spannenden buch zur frage: „Was wäre geschehen wenn …?“ ich habe es mir zu herzen genommen, heute, wie schon bei früheren stadtwanderungen. und ich hoffe, ich werde mich auch inskünftig immer daran erinnern!

„Stadtwandern als Nachwort zum Geschichtsunterricht“, gar kein schlechtes motto! mehr klasse während den geschichtslektionen bedeutet: raus aus dem klassenzimmer, rein in die stadt! stadtwandern ist angesagt, lebendige geschichte vor ort ist spannend, nicht jahreszahlen beigen und befreiungsgeschichte büffeln!

an den 80 minuten als zeitliche begrenzung für meine meine geschichtslektion muss ich allerdings noch etwas arbeiten …

stadtwanderer

in 80 minuten um die welt!

nein, damit ist nicht der erdball gemeint, und es geht auch nicht 80 tage wie bei jules verne! wir haben es eilig, und wir bleiben in bern! ein stadtrundflug wie in guten alten swissair-zeiten ist angesagt, aber im format von “20 Minuten”, exklusiv für die NDK-abschlussklasse der zürcher hochschule winterthur!

12. august 2006, genau 14 00: tafel zum UNESCO-welterbe


jules verne als vorbild: die ganze welt erkunden!

auf dem nydegg-hof


zähringische pioniere, savoyische strategen und bernische burgenbrecher – adolph von nassau, die berner mission eines europäers – historische erläuterungen des berner wappens

kurzer spazierflug (bitte rasch aufschliessen!)

auf dem rathaus

schlagzeilen: der komet, die pest und der stadtbrand – könig sigismund und das bordell – bourgogne au revoir, grüezi eydgenossenschaft!

kurzer spazierflug (bitte rasch aufschliessen!)

auf dem münster(platz)

ablassgelder, sponsoringverträge und andere einnahmequellen der kirche – bern nimmt frankreich den bären ab! – die Reformation, das mass aller dinge

kurzer spazierflug (bitte rasch aufschliessen!)

rund ums casino

henzi aus bümpliz und das du théatre – napoléon, d’falke – revolution und restauration nur wegen politologieprofessoren

kurzer spazierflug (bitte rasch aufschliessen!)

rund um den predigerplatz

asylanten und direkte emokratie – bundesstadt, nicht bundeshauptstadt – demokratie, liberalismus und sozialismus

kurzer spazierflug (bitte rasch aufschliessen!)

meinstein-city (wo auch immer das ist!)

der bekannteste beamte bern – der unbekannte stadtwanderer verabschiedet sich!

der stadtwanderer

PS: “www.stadtwanderer.net/blog” berichtet in der ausgabe von “heute” darüber!

friedrich barbarossa, der wirkliche deutsche kaiser

teil 1: kaum zu fassen …

teil 2: das leben der kaiserin adelheid


teil 3: adelheids land

jetzt feiern sie wieder! seit dem 6. august 2006, dem 200. jahrestag der auflösung des heiligen römischen reiches deutscher nation, erinnert man sich gerne und häufig des “reichs der deutschen.” der stadtwanderer hat schon die ganze woche den kopf geschüttelt, und versucht jetzt, als abschluss, einen gliederungsversuch zum “1000jährigen reich”!

karl der grosse …

in der dümmsten aller interpretationen, begann das deutsche kaierreich am 25. dezember 800. es wäre also im 1006. lebensjahr gestanden, als es sich selber auflöste. erster deutscher kaiser wäre demnach karl der grosse gewesen. wie man weiss, war er franke aus dem geschlecht der karolinger, die unter karls grossvater, karl martell, die macht im maroden fränkischen reich usurpiert hatten, die mit betrügerischen schenkungen den papst bestochen hatten, und dank ihm zu fränkischen königen und eben: zum deutschen kaiser gekrönt worden seien.


friedrich barbarossa, der legendäre, wirkliche deutsche kaiser

diese interpretation der reichsgeschichte vertreten heute nur noch exoten wie das pm magazin, denn auch die franzosen, die holländer, die belgier und die luxemburger sehen in karl dem grossen einen frühen vorfahren. ein deutscher war er wahrlich nicht! auch die gut-euorpäische zusammenarbeit in der eu gebietet es heute, von solchen projektionen deutlich abstand zu nehmen. und das ist selbst gut für die deutschen: was der charismatiker karl zusammengehalten hatte, bröckelte schon unter seinem sohn, und seine enkel zerstörten sein werk in einer brutalen schlacht, nahe dem heute französischen fontenay, vollends. niemals hätten deutsche so etwas gemacht! fränkische idioten mussten das gewesen sein. 888 war man deshalb soweit, dass man als schutz des christentums einen unehelichen karolinger aus kärnten zum kaiser machen musste, weil die ehelichen nachfrahren nicht in der lage waren, die vikinger aus ihrem reich zu vertreiben. der neu war zwar mässig erfolgreich, aber sein sohn, ein kind, unterlag räberbanden der magyaren, was dem ostfränkischen reich definitiv das ende bereitete!

otto der grosse …

in der zweitdümmsten aller interpretationen gibt es das deutsche kaiserreich seit dem 2. februar 962. es wäre also 844 jahre, sechs monate und vier tage alt geworden, wie der “spiegel” in seiner jüngsten ausgabe nachgerechnet hat. könig otto I., aus dem geschlecht der sächsischen liudolfinger, die man heute nach ihm stolz “die ottonen” nennt, wäre demnach der deutsche reichsgründer. räumlich hätte es wie unter karl von der ostsee bis rom gereicht, wäre aber einiges schlanker gewesen als der koloss des frankenkaiser. wo die grenze im osten war, wusste man nicht so recht, denn mit den slawen lagen die ottonen im dauerstreit, und im westen war die verteilung des alten fränkischen mittelreiches zwischen den ost- und westfranken einer klaren grenzziehung hinderlich.


friedrich barbarossa, der authentische, wirkliche deutsche kaiser

doch auch diese interpretation vertritt heute nur noch eine beschränkte anzahl hamburger journalisten. deutsch auf dem pass, aber nestbeschmutzer in ihrer arbeit! denn die andern deutschen wissen: regierbar war das nicht, römische traditionen und richtiges germanentum in einem reich, das geht seit dem treffen im teutoburger wald nicht! der beste belegt, dass das damals kein deutsches reich war, ist doch, dass man das wort deutsch noch gar nicht kannte. das wurde erst am ende des 11. jahrhunderts verwendet, zu zeigen der salischen kaiser. das waren deutsche! leider noch gefangene im römischen reich. und das gab dann zoff: der papst demütigte den deutschen könig, indem er ihn im harten winter 1077 in italien auf seine burg zitierte, so tief, dass es seither für deutsche politiker heisst: “nach canossa gehen wir nicht!” nur mühsam wurde damals der konfikt zwischen papst und gekittet, doch der streit war wichtig: er liess im reichsadel deutsches selbstbewusstsein entstehen!

friedrich barbarossa, der unverwechselbar deutsche …

in der einig richtigen interpretation des reichs der deutschen entstand es aus den trümmern des investiturstreites. friedrich von hohenstaufen, heute noch als barbarossa bekannt war der erste, der beste, der wirlliche deutsche kaiser! gekrönt wurde der kraftvolle macher am 18. juni 1155. doch das von ihm begründete reich wurde nicht 651 jahre alt, wie man meinen könnte. es endete viel zu früh und viel zu banal, als der der nichtschwimmer friedrich am 10. juni 1190 in saleph, dem heutige göksu in anatolien, auf dem hinweg zum grossen kreuzzug nach jerusalem ertrank.


friedrich barbarossa, der unglücklich gestorbene, wirkliche deutsche kaiser

doch was für eine figur friedrich barbarossa in den 35 jahren dazwischen war: schwäbischer herzog war er schon früh, römisch-deutscher könig wurde er mit eleganz, und selbst zum burgundischen könig liess er sich nach entsprechender heirat später erheben. komplett war seine macht, sein glanz, seine würde! den schrecklichen streit zwischen seinen beiden elterlichen familien, den staufern väterlicherseits, den welfen mütterlicherseits, pariierte er so meisterlich. dem papst, der sich fortwährend auf dem hohen ross überschätzte, leistete er keine unnützen dienste mehr. und den oberitalienischen städten, die nach einer kaiserfreien handelszone trachteten, lehrte er das fürchten. 1183 schloss er mit ihnen kaiserlichen frieden: die oberitalienischen städte waren wieder fest ins deutsche reich eingebunden, wenn auch mit zugeständnissen. dem adel in deutschland erklärte friedrich den frieden von konstanz als “sieg!” und feierte ihn mit dem grössten wurst- und saufgelage, das es im reich je gegeben hat, während man über den aufstieg der städte in der toskana zu den zentren der republikanischen moderne gefliessentlich schwieg. die toskana-fraktion der rot-grünen eliten interessiert es bis heute, was daraus geworden ist!


friedrich barbarossas heiliges deutsches kaiserreich

kaiser friedrich war so einmalig, dass er in den olymp der geschichte aufgenommen wurde. dank seiner grösse muss man die geschichte in einem wurf erzählen, kann man die wenigen wendepunkte der weltgeschichte als vorstufen zum deutschen reich sehen. friedrich selber hat ganze arbeit geleistet. er hat karl den grossen aus dem grab holen und ihn heilig sprechen lassen, den ein bisschen deutsche war er schon! er hat den corpus iuris civilis des christenkaiser justinian zur basis des reichtsrechts gemacht, denn ein rechtstaat ist deutschland seit ihm! und er hat den titel des heiligen römischen reiches, denn einen papst braucht es für das heilsame wirtschaftswunder nicht!


friedrich barobarossas liebste kaiserpfalz in gelnhausen

leider war das engagement in der türkei so wenig sinnvoll. schmählich ist friedrichs ende. denn der versuch, seinen leichnam mit essig zu konservieren, misslang, sodass man nach friedrichs tod gezwungen war, seine herrlichkeit aufzuteilen, sein fleisch in antiochia, seine knochen in tyros und sein herz in tarsos beizusetzen. seit diesem tragischen vorfall gibt es das deutsche reich nicht mehr, denn was kam, war des kaisers nicht wert!

die unrealistsichen universalististen …

am wenigsten schlimm waren barbarossas direkte nachfahren. sie entwickelten jedoch die idee eines universalistischen kaisertums. was daran, bitte, ist deutsch? sein enkel war der schrecklichste dieser universalisten ohne augenmass. herrscher über das mittelmeer wollte er werden, so wie es die alten römischen kaiser waren! und dafür war er zu allen schandtaten bereit: zuerst liess er sich vom gehassten papst instrumentalisieren, um den deutschen könig zu stürzen, der nördlich der alpen regierte; dann gelang es dem aegyptischen sultan den tunichtgut mit einem harem zu verführen, um ihn zum schach spielen mit den mohammedaner zu bringen, statt an den zweikampf gegen die ungläubigen zu denken; und selbst die gottlose wissenschaft der südländischen falkenjagd förderte der ketzer vor seinem ende, statt die jagd mit speer und hund zu pfelgen, wie es seit alters her in den deutschen wäldern gebräuchlich ist.


friedrich barbarossa, stammvater der wirklich deutschen kaiserlichen

schlimmer noch war das haus luxemburg-böhmen. es sei erinnert, dass sie eine europäische herrschaft erreichten wollte. der dynastiegründer konnte nur noch französisch und kein wort deutsch mehr. karl V. machte prag zu seiner hauptstadt, und liess alle deutschen kleinstädte, die friedrich ihrer pfalzen wegen so geliebt hatte, vermodern. und sigismund, der letzte luxemburger, vereinigte gar ungarn mit dem reich. kein wunder, dass in diesem europäischen projekt die mehrheit der reichsuntertanen nicht mehr deutsch sprach!

die unnützen emporkömmlinge …

unterboten wurde diese schande nur noch durch die kranken habsburger, die sich als abkömmling der deutschen nation wähnten. nichts davon ist richtig! aus brugg an der aare in der heutigen schweiz stammen sie! nur durch heirat gross zu werden, paktierten sie mit spanieren und residierten sie in wien. sie waren sich nicht zu schade, sich auf die goldene bulle als wahlurkunde zu berufen, um bei bedarf gegen sie zu verstossen! zu schlechter letzt besiegelten sie das ende des reiches gar noch. franz II. kapitulilerte vor einem dahergelaufenen korsen, und rette seine herrlichkeit als österreichischer kaiser in die provinz. die deutschen, ihres reiches, ihrer nation, ihrer staates beraubt, überliess er treulose napoléon, dem kaiser der franzosen. was zum teufel suchte der in den rechtsrheinischen gebieten?


friedrich barbarossa: republikanisches andenken an den wirklichen deutschen kaiser

tja, seit dem ende des römischen reichs, beschäftigt sich die geschichtswissenschaft mit dem auf- und abstieg von imperien. wenn man sich das anhand des “1000jährigen” reiches vergegenwärtig, sagt sich der stadtwanderer: wahrlich, dieser rotbart aus schwaben ist der einzige, wirkliche deutsche kaiser, den es je gab! nur schwimmen hätte er lernen müssen, um ohne rückgriffe auf die geschichte, aber mit vorgriffe auf die zukunft ein 1000jähriges deutsches reich zu schaffen!

stadtwanderer

adelheids land

der römisch-katholische wie auch der griechisch-orthodoxe kalender, und selbst der protestantische, erinnern mit dem namenstags am 16. dezember an adelheids leben. nur der „spiegel“ dieser woche übergeht sie in seiner story, „der deutschen reich“, das es ohne sie nicht gegeben hätte. der stadtwanderer schaut deshalb in den rück-spiegel und ergänzt die dramatische geschichte ihres lebens im 10. jahrhundert, das irgendwio in der nähe seines wohnortes begann. seine gegend selber versteht er als adelheids land. würde er es “heidi-land” nennen, wäre seine hauptdarstellerin wohl wenigstens im hohl-spiegel erwähnt worden.

teil 1: kaum zu fassen …

teil 2: das leben der kaiserin adelheid

adelheids kindheit

prinzessin adelheid kam 931 zur welt. ihre eltern, könig eudolf und königin berta, waren das fürstenpaar in hochburgund. dieses umfasste die heute westschweiz und, ennet dem jura, die gebiete der heutigen franche-comté. geistiges zentrum war st. maurice, das mächtige kloster am oberen ende des genfer sees, von wo aus man den übergang über den grossen st. bernhard in die lombardei kam, die den weg nach rom, vendedig und byzanz eröffnete.


adelheids eltern, der burgundische könig rudolf II. und die königin berta

gleich nach dem tod des vaters wurden die geschwister getrennt. die beiden aufstrebenden machthaber im norden und süden legten hand an: könig otto nahm den minderjährigen prinz conrad in seinen schutz und erhob damit anspruch auf hochburgund als protektoreat. erzogen am hofe des sächsischen königs, von seiner Heimat aber hunderte von kilometern entfernt, konnte konrad nur mit ottos hilfe burgundischer könig werden. denn er musste sich gegen hugo, könig der lombardei, der seinen vater rudolf schon als lombardischen könig verdrängt hatte, durchsetzen. dieser hatte nicht nur conrads schwester in gewahrsam genommen, sondern auch die mutter der beiden. berta musste sich nach dem tode ihres mannes mit hugo verehelichen, und dieser verlobte gleichzeitig mit der heirat von berta, ihre totcher, adelheid, mit seinem sohn, lothar.auch das war programm und zielte ins burgundische.

adelheids jahre in pavia waren nicht unbeschwert. könig hugo hatte berta nur aus machtpolitischen gründen geheiratet. sein ausschweifendes leben am hof änderte er deshalb nicht. er hielt sich gleichzeitig mehrere nebenfrauen und verfügte über ein ganzes arem. Und er soll adelheid als erster verführt haben. berta, ganz unglücklich darüber, verliess hugo wieder, musste jedoch ihre verlobte tochter in pavia zurücklassen.

die lombardische königin

könig hugo, der in der stolzen königsstadt pavia residierte, war, wie auch otto, drauf und dran, der neue kaiser zu werden. doch er sollte es nicht schaffen. 947 geriet er in der lombardei in bedrängnis, flüchtete ins rhonetal und setzte seinen sohn, lothar, der zwischenzeitlich adelheid geheiratet hatte, als neuen könig ein. nun waren sie die machthaber in pavia, mussten sich aber gegen die veroneser markgrafen, die selber lieben gerne, den königstitel beansprucht hätten, behaupten. berengar, der kopf der opposition, wurde an den hof in pavia berufen, und war der berater des königspaar, – bis zum tod von lothar. bis heute ungeklärt, vermutete man einen Anschlag, der auf berengar selber zurückgehen sollte. dieser beanspruchte jedenfalls, gleich nach dem Tod von lothar, neuer könig zu sein.

am hof in pavia galt das langobardische recht. dieses bestimmte, dass die witwe des königs selber entscheiden dürfe, ob und wenn sie heiraten wolle, und somit auch die nachfolge im amt des königs bestimme. das hiess nichts anderes, als dass die junge adelheid über die geschicke der oberitalienischen Grossen entscheiden würde. nun setzten diplomatische aktionen von nördlich der alpen ein. es meldete sich der herzog von schwaben, der herzog von bayern und der König der Sachsen und Franken. alle hatte hatten nur ein ziel: die lombardische erbschaft anzutreten.

die römische kaiserin

könig otto hatte die besten karten in den händen, war er doch der erzieher von adelheids bruder conrad gewesen, der zwischenzeitlich könig von burgund geworden war. so will es die fügung, das adelheid otto auserwählte. das war nicht ohne, für die folgende Ggschichte. denn erst mit der heirat der beiden richtete der sächsisch-fränkische könig ernsthaft seine Politik nach Süden aus. zusammen mit der lombardischen erbin, mit dem burgundischen könig bot sich ihm die möglichkeit, von der nordsee bis rom ein neues reich zu gründen. es zwar halb so gross, wie das von kaiser karl dem rrossen, und auch dieses umfasste erst einen Drittel des untergegangenen römischen reiches.

anders als karl, der sich eher widerwillig im päpstlichen rom aufhielt und lieber in achen heimatlichen weilte, verschrieben sich otto und adelheid ganz der römischen perspektive. heruntergekommen, wie es seit den wirren im späten 9. jahrhundert war, wollte sie es erneuern. Sie wollten ein zweites byzanz schaffen, so wie seinerzeit kaiser konstantin aus byzantium ein zweites rom geschaffen hatte. die anerkennung des kaisers am bosporus war ihnen wichtig. nicht zuletzt vermählten sie deshalb ihren sohn, könig otto II., den anwärter auf die kaiserkrone mit einer nichte des byzantinischen herrschers.


kaiserkrünung von otto und adelheid in einer zeitgenössischen darstellen

ganz in der tradition der byzantinischen theokratie, sah sich otto selber als spitze der kirche, der reichskirche, wie er es nannte. er beanspruchte deshalb auch, bischöfe in ihren diözesen und den papst in rom selber einzusetzen. Begründet wurde damit das ottonische reichskirchensystem, dass im 11. Jahrhundert während des investiturstreits zum zerwürfnis zwischen kirche und staat, zwischen kaiser und papst führen sollte.

auch adelheid stützte sich ihr ganzes leben als kaiserin stark auf den rat der bischöfe. sie waren ihre ratgeber, und sei nutzten dieses position auch, um ihre macht zu stärken. In der ottononischen Theokratie gaben am schluss die bischöfe von köln, mainz und trier den ton an. Doch dabei liess sie es nicht bewenden. Sie baut klöster auf, die man angesichts streitender päpste vor ihrer herrschaft hatte zerfallen lassen, und sie gründet unermüdlich neue klöster, die sie als lombardische erbin reich beschenkte.

die burgundische heilige

adelheid war an dieser schrittweisen auflösung des königreichs burgund nicht unbeteiligt. im Jahre 999 kehrte sie dorthin zurück, wo sie geboren worden war. könig rudolf III., der sohn ihres bruders, war nur noch ein schwacher burgundischer könig. die macht über das riesige rhonetal hatte er aufgegeben. den königssitz, den sein vater in chambery festgemacht hatte, um die alpenübergänge zu beherrschen, hatte er aufgeben müssen. In einer intrige hatten sich die grafen von savoyen dort festgesetzt, sodass dudolf neuenburg gründete, und von dort aus, mehr wie ein landgraf als ein könig residierte. die alte kaiserin hatte das vakuum, das so im königreich ihres vaters und grossvaters entstanden war, gesehen. Um die grossen Besitztümer vor dem Zuggriff der Savoyer zu retten, vermachte sie ihre klöster den umliegenden kirchenfürsten. st. maurice, das burgundische hauskloster, vermachte sie dem Bischof von Sitten. moutier-grandval, das jura-kloster schenkte sie dem bischof von basel.

ihr liebstes kloster in der heimat, kloster payerne, das sie mit ihrem bruder conrad als grab ihrer mutter berta gestiftet hatte, ging an das führende kloster cluny. Dem dort entstandenen, neuen kirchenorden war die kaiserin besonders verpflichtet. in ihm sah sie die vollendung der welt. Der Abt von cluny, odilo, bedankte sich für die reichen schenkungen, die er von der kaiserin erhalten hatte. niemand geringer als er, war der erste biograph der ersten kaiserin. er legte damit den grundstein, dass adelheid keine 100 jahre nach ihrem tod von urban V., einem cluniazenser papst, als heilig gesprochen wurde.

„heidi land“? – adelheids land!

adelheid ist die grösste persönlichkeit in der geschichte des neugegründeten römischen reiches, das 1806 als heiliges römisches reich deutscher nation unterging, die aus dem gebiet der heutigen schweiz stammte. sie war jene, der aus dem verbund der stammeshezogtümer nördlich der alpen, die ihr zweiter mann, könig otto regierte, ein reich mit europäichen dimensionen machte.


heidi: bild der schweiz, wie man sie gerne hätte – wann nur entdeckt man das adelheid-bild der schweiz, wie sie wirklich war

erinnert man sich wie “der spiegel”, nur an der deutschen reich, kann man auf diese europäische „schweizerin“ verzichten, so wie die schweizerinnen auf diese „europäerin“ verzichten, und heidi adelheid vorziehen. für den stadtwanderer ist „heidi-land“ aber immer noch „adelheids-land“!

stadtwanderer

literaturangaben:

Odilo (Abt v. Gluny): Epitaphium Adelheidae Imperatricis, in: MG SS IV, 633 ff.; bearb. v. Herbert Paulhart, 1962
J. Bentzinger: Das Leben der Kaiserin Adelheid, Gemahlin Ottos I., während der Reg. Ottos III. (Diss. Breslau), 1883
Franz Paul Wimmcc: Kaiserin Adelheid, Gemahlin Ottos I. des Grossen, in ihrem Leben und Wirken von 931-973 (Diss. Erlangen), 1897
Karl Uhlirz: Jahrbücher des deutschen Reiches unter Otto II., 1902
Gertrud Bäumer; Adelheid, Mutter der Königreiche, 1936
Gertrud Bäumer, Krone und Kreuz, 1938;
Gertrud Bäumer, Otto I. und Adelheid, 1951
Maria Andrea Goldmann: Die hleilige Kaiserin Adelheid, 1947
Thilo Vogelsang, Consors regni. Die Frau als Herrscherin im Mittelalter (Diss. Göttingen), 1950, 44 ff.
Herbert Paulhart: Zur Heiligsprechung der Kaiserin Adelheid, in: MIÖG 64, 1956, 65 ff.
Die Lebensbeschreibung der Kaiserin Adelheid / Odilo Abt von Cluny, bearbeitet von Herbert Paulhart, Böhlau, Graz/Köln 1962
Erich Beyreuther, Adelheid, Gemahlin Ottos I., Mutter der Königreiche, in: Menschen vor Gott, hrsg. v. Alfred Ringwald, II, 1958, 354 f.
Bruno Keiser: Bevor das Jahr Tausend anbrach. Adelheid, Königin, Kaiserin, Heilige. Ein Leben in bewegter Zeit, Düsseldorf 1995 (auch als Taschenbuch verfügbar)
Queenship ans sanctity. The Lives of Mathilda and the Epitaph of Adelheid. Washington, DC 2004
Kaiserin Adelheid und ihre Klostergründungen in Selz, hgg.von Franz Staab und Thorsten Unger. Speyer 2005.

und nicht vergessen:
stadtwanderer: meine nachbarin. spaziergänge beim schloss bümpliz, eigenverlag, bern 2006

das leben der kaiserin adelheid

teil 1: kaum zu fassen …

wo genau kaiserin adelheid zur welt gekommen ist, weiss man bis heute nicht. aber es könnte bümpliz gewesen sein, damals ein königshof, heute ein kleines schloss in einem berner aussenquartier.


schloss bümpliz, am ort, wo die burgundische königspfalz stand

der bisher letzte biograf adelheids, bruno keiser, bleibt bemerkenswert ungenau: “Die Stimmung am Hof des Königs von Hochburgund war gedrückt. Die Geburt einer Tochter am 27. 6. 931 verbesserte die Laune des Herrschers kaum. Stammhalter besass die Familie bereits. In die Wiege der kleinen Adelheid lugten zwei Brüder, Konrad und Rudolf, ein schon betagter Onkel Ludwig und dessen Sohn Heinrich. Das Interesse für den Nachwuchs verflog rasch. Man musste abwarten, ob der Säugling die ersten Monate überleben würde.”


adelheid (931-999, von 962 bis 996 erste kaiserin des neu gegründeten römischen reiches)

sicher ist also nur, dass adelheid im damaligen hochburgund, dem herrschaftsgebiet beidseits des jura, zur welt kam, wo ihre eltern, könig rudolf und königin berta, bei ihrer geburt, am 27.juni 931 lebten. gestorben ist kaiserin adelheid am 16. dezember 999 im elsässischen seltz, wo sie begraben war, bis der rhein 1307 ihre letzte ruhestätte wegschwemmte.

epochale persönlichkeit

aus der kleinen adelheid wurde im 10. jahrhundert eine epochale persönlichkeit. begonnen hat alles präzise an ihrem 16. geburtstag, an dem sie ihren verlobten lothar, könig der lombardei heirate. das grosse glück währte indes nicht lange: gut drei jahre danach viel lothar einem attentat zum opfer, und adelheid wurde gefangen gesetzt.


kaiser otto und kaiserin adelheit, als “consortium” herrscher und herrscherin über das reich

befreit hat sie otto, könig von sachsen und franken, welcher der mächtigste herrscher nördlich der alpen war. mit der heirat von adelheid am 23. September 951 wurde otto auch könig der lombardei. mit seiner zweiten frau hatte er insgesamt fünf kinder. den kleinen otto, 955 geboren, machte er zum neuen könig, den selbst strebte er nach mehr: nach der kaiserkrone. diese erlangte er am 2. Februar 962 gemeinsam mit adelheid. zusammen begründeten sie das römische reich von neuem. ihr sohn otto II., genauso wie dessen sohn otto III., strebte nach der renovatio imperii romanorum. sie wollten die herrschaft roms über die westliche welt erneuern. beide verstarben jung in italien, sodass ihre träume unerfüllt blieb.


sohn otto II. mit theophanu, seiner frau, ebenfalls kaiser und kaiserin, dank der regenschaft von adelheid

dass die beiden jungs überhaupt kaiser wurden, verdanken sie beide adelheid. sowohl otto II. wie auch otto III. waren beim tod ihres vorfahren zu jung, um die herrschaft selber antreten zu können. in beiden fällen sicherte adelheid die dynastische folge als regentin des reiches. erst 996 dankte sie als kaiserin ab, als die schweden und dänen ins reich eingefallen und die slawenaufstände erneut ausgebrochen waren. ihr enkel otto III. wurde ihr nachfolger, lag aber so stark im feld, dass adelheids tochter, mathilde, äbtissin in quidlingburg zur regentin des reiches berufen wurde. die reichsregierung der damaligen zeit war und blieb fest in frauenhänden.


enkel otto III., ebenfalls kaiser dank der regentschaft von adelheid

mutter der königreiche

adelheid war 68 Jahre alt, als sie verschied. sie hatte zweimal geheiratet und ihre beiden männer überlebt. sie hatte insgesamt sechs kinder gehabt, die, wenn sie die kindheit überstanden, alle zum europäischen adel des 10. jahrhunderts zählten. sie waren am französischen königshof verheiratet. sie am zentralen reichskloster der herrscher äbtissin, und sie waren könige und kaiser. adelheid selber war burgundische prinzessin, lombardische königin, königin von sachsen und franken, und sie war kaiserin. in der geschichtsschreibung gilt sie deshalb, nicht zu unrecht, als pendant zu karl dem grossen. so wie er zum “vater des fränkisch geeinten europas” wurde, so wurde adelheid zur mutter der königreiche, die aus dem fränkischen niedergang entstanden. dank ihr bestand das römische reich im kern aus den ostfränkischen, dem lombardischen und dem burgundischen regnum, war ein multikulturelles projekt.

erst unter den nachfolgern der ottonen zerfiel diese tradition, wurde sie von den saliern nur noch mit militärischer macht zusammen gehalten, um unter den staufern ganz auseinander zu brechen. zum heiligen römischen reich stilisierte friedrich I., seines legendären roten bartes wegen, barbarossa genannt, als es keine einheit mehr aus dem irdischen imperium und dem himmlischen sacerdotium mehr gab.

als adelheid geboren wurde, waren ihrem eltern der germanischen tradition folgend, nomadisierende herrscher. einen festen königssitz gab es in hochburgund, das im wesentlichen die ländereien dies- und jenseits des juras umfasste, nicht. vielmehr lebten könig rudolf und königin berta auf ihren verschiedenen pfalzen. das waren keine schlösser, eher burgen. sie waren meist nicht einmal aus stein, sondern aus holz. aber sie waren befestigt, am liebsten auf einer kleinen anhöhe oder mit einem wassergraben rund herum. jedenfalls waren sie mit palissaden gesichert, und man hatte in ihnen vorräte angelegt, für schlechte zeiten.

eine dieser königspfalzen war pimpiniugum, das heutige bümpliz am rande berns. das alte schloss bümpliz steht nachweislich am ort, wo die burgundische palissadenburg stand.

adelheids vermächtnis

der stadtwanderer hat verschiedene verbindungen zu kaiserin adelheid. seine wichtigste ist natürlich bümpliz, denn des stadtwanderers prinzessin lebte eine weile lang am berner indermühleweg, just zwei häuser neben dem alten schloss. im schlosspark ist heute ein restaurant, wo man sich köstlich bewirten und es sich gut gehen lassen kann. dort hat sich der stadtwanderer schon mal überlegt, wie es gewesen sein könnte, vor mehr als 1000 jahren, aber an gleicher stelle. ist adelheid hier zur welt gekommen? habt ihre mutter berta sie hier in die wiege gelegt, derweil ihr vater rudolf mit dem bau weiterer holzburgen, etwas in laupen, beschäftigt war. genauer wissen wird man es nie. denn die geburt einer prinzessin wurde in der regel nicht aufgezeichnet.


herrschaftsgebiet von otto und adelheid

ganz entscheidend ist das auch nicht, denn adelheid war keine lokalgrösse, sondern eine europäische persönlichkeit. drei leistungen sind bleibend: die schaffung eines zentralisierten reichssitzes, heute würde man sagen, einer hauptstadt, und die etablierung einer dynastischen nachfolgeregelung, die weniger konfliktreich war, als in der spätantiken, im merowingerreich und bei den karolingern.

adelheids eltern waren noch nomadisierende herrscher ohne festen wohnsitz. ihre generation änderte das gründlich. adelheids bruder conrad, der könig von ganz burgund war, hatte in chambery einen festen königssitz, von dem aus er zwischen der rhonemündung bis zur reuss regierte. adelheid wiederum hat in pavia gesehen, was einen königsstadt sein konnte, und sie war beteiligt, in magdeburg das eigentliche herrschaftszentrum der ottonen aufzubauen. sich der metropole rom anzunähern, war ihr erklärtes ziel.

das zweite ziel der generation adelheids, an dem sie massgeblich mitwirkte, war die zweite christianisierung, jene in die breite. nicht mehr nur die königssippe, nein, die ganze bevölkerung sollte christlichen glaubens sein. sie bewirkte einen fortschritt in der zivilisierung der germanisch-frühmittelalterlichen gesellschaften. letzlich markiert sie den übergang von den sippen mit häuptlingen hin zu familien mit eltern. dass sie so stark und eigenständig neben kaiser otto bestehen konnte, bewirkte im 10. jahrhundert auch, dass frauen (vorübergehend) eine höhere gesellschaftliche stellung inne hatten. erst unter den nachfolgern der ottonen, den fränkischen saliern, nahm die patriachalisierung der gesellschaft, die herausbildung der männlichen herrschaft kräftig zu.

direkt mit ihr verbunden, ist adelheids dritte grosse leistung. mit ihrem kaisertum hat sie einen essentiellen beitrag zum aufbau von stabilen dynastien geleistet. gerade die wechselvolle geschichte des fränkischen könig- und kaisertums zeigt, wie wenig dieser politik das verständnis für stabile herrschaft bekannt war. auf charismatische könige folgten endlose bruderkämpfe. genau da überwand man mit der ottonischen dynastie im neuen römischen reich. die primogenitur, die erbfolge des sohnes, wurde durchgesetzt. damit das auch funktionieren konnte, brauchte es aber erweiterungen des rechts, vor allem für den immer wieder eintreffenden fall, dass der älteste sohn des königs bei dessen tod noch minderjährig war. genau das hat adelheid überwinden helfen, indem sie ottos herrschaft auch nach seinem tod für ihren gemeinsam sohn sicherte. sie hat das nach vielen misserfolgen vor ihr vollbracht. adelheid war somit nicht nur 37 jahre kaiserin. sie war auch die erste kaiserin des 962 neu entstanden römischen reiches.

unglaublich, dass man sie im spiegel über das “fast 1000 jahre währende reich” schlicht weggelassen hat. eigentlich sollte das nicht nur den stadtwanderer ärgern, denn es ist eine schande für die geschichtsschreibung!

stadtwanderer

mehr biografisches zur kaiserin adelheid

kaum zu fassen …

“Der Deutschen Reich. Das Heilige Römische Reich Deutscher Nation: gegründet 962 – untergegangen 1806.” so titelt der “Spiegel” – der deutschen spiegel? – fristgerecht zum 200. jahrestag des untergangs des kaiserreiches. der artikel beschäftigt sich jedoch nicht nur mit dem ende, sondern auch dem anfang. und begeht einen krassen fehltritt: otto I. wird als begründer und erster Kaiser mit bild vorgeführt; seite an seite mit seiner ersten frau, edith, die verstorben war, als die krönung stattfand. die wahre erste kaiserin kommt dafür in der 14seitigen reportage gar nicht vor.

das schmerzt den stadtwanderer ganz besonders, denn adelheid ist seine kaiserin. sie war nicht nur lombardische königin, die ihr reiches erbe ins reich des sachsen otto einbrachte. sie, nicht otto, garantierte das römische erbe im reich. denn sie war auch eine waschechte hochburgunderin, die unter anderem über das hauskloster st. maurice d’agaumne verfügte. doch sie ist kaum zu fassen: selbst hierzulande ist sie vielen in vergessenheit geraten. zu unrecht, sagt der stadtwanderer, denn sie könnte gar eine bümplizerin gewesen sein. ein spiegel-bild als zusatz-report.

die magyaren-frage

im 10. jahrhundert gab es eine zentrale frage: wer wird herr über die magyaren? beim zerfall des karolingischen kaiserreiches rief arnulf von kärnten die magyarischen reitertruppen zur hilfe. als “letzter karolinger”, der aber aus einer illegitimen beziehung stammte, konnte er sich er nach 887 nicht gesichert halten. dennoch stieg er 896 zum “kaiser” auf, nicht zuletzt weil er sich auf die auf die asiatischen kämpfer, die sich in der theiss-ebene niedergelassen hatten, stützen konnte. als er starb, verschwanden die magyaren nicht wieder, sondern liessen sich am plattensee definitiv nieder und bauten von hier auf ihre eigene herrschaft aus, die sie mit plünderungen im “kaiserreich” jeden, der sich widersetzte, klar machten.


stammesherzogtümer, die im 10. jahrhundert aus dem ost- resp. mittelfränksichen reich hervorgegangen waren, und das zentrale herrschaftsgebiet der ersten “deutschen” könige darstellten

gegen diese ausfälle stellte sich 926 der sächsische könig heinrich. alles, was damsls rang und namen hatte und von den magyaren überfallen worden war, versammelt er an einem reichstag in worms. könige waren da, herzöge kamen aus allen richtungen, und man schwor, unbedingte treue zu heinrichs plan zu halten, die magyaren zu besiegen. zehn jahre lang wollte man tribute zahlen, um ruhe zu haben. derweil rüstete man aber kräftig auf. das land der germanen wurden erstmals mit burgen versehen, befestigte motten aus holz, die der flucht dienten. sogar notvorräte wurde angelegt, um bei allfälligen belagerungen stand halten zu können.


der mottenbau gehörte zu den leistungen von könig heinrich bei der abwehr der magyaren

933 liess man das befristete stillhalte-abkommen einseitig und vorzeitig auslaufen, denn man fühlte sich nun stark genug. tatsächlich besiegt heinrichs koalition die magyaren in der schlacht von riade an der unstrut. doch heinrich erlag nur wenig später einen schlaganfall bei der jagd, und im sommer 936 starb er in memleben. weil es ihm gelungen war, sein herrschaftsbereich zu konsolidieren, gilt er in der geschichtsschreibung als erster deutscher könig.

das sächsisch-fränkische königtum

bereits 929 hatte heinrich seine nachfolge geregelt. alleiniger erbe sollte sein sohn otto werden. Der für ihn auserwählten frau, edith, der tochter des mächtigen angelsächsischen königs edward, sicherte ein erbschaftsvertrag die einheit des reiches. diese heirat band die sachsen nach norden, und es wäre auch denkbar gewesen, dass sie das zentrum eines reiches über die nordsee geworden wäre, die in erster linie das dänische reich bedroht hätte. doch edith starb 946 bereits, und otto hatte mit liudolf und liutgard bereits zwei kinder, die in der schwäbischen resp. bayrischen provinz regierten oder verheiratet waren.


erweiterung des “deutschen” königreichs durch die heirat von könig otto I. und adelheid, königin der lombardei

zur gleichen zeit wie es einen prominenten witwer nördlich der alpen gab, lebte auch eine ebenso prominente witwerin südlich der alpen. adelheid, königin der lombardei, war jedoch nach dem tod ihres mannes lothar 950 von berengar aus verona gestürzt worden, denn sie weigerte sich, ihn zu heiraten. das aber wäre nach langobardischem recht nötig gewesen, denn das königtum vererbte sich in diesem stamm über die witwe eines verstorbenen königs. berengar usurpierte die macht in der lombardei, und hielt adelheid in der nähe von como gefangen.

otto nutzte diese gelegenheit der machterweiterung und intervenierte in der lombardei. von adelheid gerufen, überschritt er erstmals die alpen, befreite die legitime königin, und er heiratete sie 952 in pavia. berengar wurde militärisch besiegt, doch mit dem königreich der lombardei belehnt, als sich otto und adelheid nach norden begaben. von nun an lebte das königspaar vorwiegend in magdeburg, dass man zum zentrum eines neuen reiches ausbaute. gemeinsam haben otto und adelheid fünf kinder, im jahre 955, als otto, wie sein vater die magyaren in einer schlacht, diesmal aber an der lech bei augsburg, besiegte, sogar zwei! unter anderem kam damals otto II., der nachfolger von otto I., zur welt.

otto, der soldatenkaiser

nach seinem sieg durch seine truppen zum “soldatenkaiser” ausgerufen, sah man in ihm den neuen caesar. sachsen und franken waren gefestigt und unter einer krone, der ostfränkischen vereinigt. die nord-ausrichtung war ganz erloschen, dafür die südost-ausrichtung seines Reiches aufgebaut. die südlichen herzogtümer schwaben und bayern waren nach einem erfolglosen aufstand durch seinen sohn aus erster ehe in seine anhängigkeit geraten. und die magyaren liessen sich nach ihrer niederlage an der lech definitiv nieder, siedelten entlang der donau, wurden christianisiert und bauten nach ottos vorstellungen ein eigenes königreich, das ungarische, auf.


könig otto besiegt 955 an der lech die magyaren und leitet ihre zivilisierung als königreich ungarn ein

intern war otto nicht ganz unbestritten. er musste seine macht vor allem auf seinen jüngeren bruder, brun(o), kanzler des reiches und erzbischof von köln stützen. selst wilhelm, ein unehelicher sohn ottos, war in diesem system als bischof von mainz von nöten. sie bildeten zusammen das rückgrat in der ottonischen reichskirche, auf die sich der könig verlassen konnte.

an die mehr römische tradition knüpfte dagegen adelheid an, die den mauritius-kult, dessen zentrum das burgundische st. Maurice an der oberen rhone war, nach magdeburg mitbrachte. selbst eine teil der gemeine von könig sigimund, dem ersten heilig gesprochenen könig eines germanischen reiches, liess am aus st. maurice nach magdeburg transportieren, um das neue religiöse zentrum zu demonstrieren.

das alles nützte nichts, denn otto erkrankte 958 schwer und stürzte sein reich in einer tiefe krise, die berengar in der lombardei nutzte, um sich zu verselbständigen und den papst in rom zu bedrängen. wie sein vorvorgänger leo III., rief nun auch johannes XII. einen nördlichen herrscher auf, ihn zu schützen. und wie sein vorbild karl der grosse, wurde nun auch otto der grosse begründer eines kaiserreiches mit päpstlichem segen. am 2. Februar 962 wurde er in rom zum kaiser des römischen reiches gekrönt.

das kaiserliche consortium

doch das war otto eben nicht allein. sein spiegelbild war adelheid, fortan nicht nur die (vernachlässigbare) frau des kaisers, wie man in der deutschen historiografie häufig meint. sie war gleichzeitig kaiserin. beide regierten gemeinsam, in einem consortium, wie man es damals nannte. das damals begründete kaisertum war kein deutsches, sondern ein römisches. diese verbindung löste sich erst in der zweiten dynastie, den fränkischen saliern, die sich fortwährend mit dem papst um die vorherrschaft im reich stritten, bis 1157 unter kaiser friedrich I., genannt barbarossa, ganz zerbrach. damals entstand das teutonische kaisertum, das deutsche kaisertum, weil imperium und sacerdotium nicht mehr identisch war.


kaiserkrone, suggeriert, das eine person die macht inne hatte, doch die ottonische dynastie konnte nur dank dem mitkaisertum von adelheid gesichert werden

ein solches denken war den ottonen fremd. nach byzantinischem vorbild, wo es seit konstantin dem grossen immer einen kaiser gegeben hatte, verstanden sie ihre herrschaft theokratisch. sie regierten den staat, indem sie die kirche regierten. denn die kirche war der staat. das war die sächsische tradition seit der christianisierung. südlich der alpen stiess das stets wenig verständnis, denn auch der papst verstand sich als theokrat. ohne adelheids reichtum südlich der alpen, ohne ihre würde als lombardische erbin, ohne ihre macht als eigentliche königin, wäre den ottonen der dauerhafte schritt über die Alpen wohl so wenig gelungen, wie den den schwaben und den bayern und das kaisertum wäre im 10. jahrhundert nicht neu entstanden.


das römische reich und seine nachbarn gegen ende der ottonischen herrschaft

die verbindung zwischen otto und adelheid begründete am 2. februar 962 das, was sich am 6. august 1806 auf druck napoléons, dem kaiser der franzosen, von selber auflöste. der “Spiegel” verschweigt das, weil es auch nicht so recht in das bild passen will: “der deutschen reich”, ist mindestens im 10. Jahrhundert eher “der (mittel)europäer reich.”, in dem sich sächsisch-fränkische und burgundisch-lombardische traditionen verbanden. Otto begründete nur die eine, die vergessene adelheid die andere.

das ist offenbar kaum zu fassen, wenn man nur in den spiegel schaut!

stadtwanderer

ps:
von wo im hochburgund die kaiserin stammte, erzähle ich morgen.

schock: sergius golowin und das burgunder sind nicht mehr

bei einer meiner ersten stadtrundgänge nach meiner rückkehr nach bern war ich schockiert. das “burgunder “ist nicht mehr, ausgerechnet! meine beiz, das kleine café, das letzte symbol voreidgenössischer geschichte in bern, ist während meinen sommerferien eingegangen.

sergius golowin (1930-2006), bild aus dem café litteraire (foto: stadtwanderer, anclickbar)

doch das war nicht alles, das mich schockierte. auch sergius golowin verstarb, als ich in schweden war. er ist am 17. juli 76jährig von uns gegangen. auch wenn ich jetzt ein bisschen spät dran bin, einen moment inne halten muss ich da schon!

meine erste direkte begegnung


als ich 1980 nach bern kam, kannte ich hier wenige leute. ein paar
archivmäuse von meinen historischen recherchen als student, einige bewohnerInnen aus der damaligen wg-szene, – und sergius golowin! erstmals begegnet war ich ihm an einer dichterlesung in der aarauer “tuchlaube”. kurrlig kam er mir damals vor, wie von einer anderen welt. in seiner skurilität hat er mich aber angezogen. wir war gleich per du mit ihm, – schon in der ersten diskussion. damals war mir das sehr wichtig.

ich bin sergius in bern wieder begegnet, als ich, mehr verwirrt als interessiert, im berner altstadt-labyrinth zu meinen ersten abmachungen hetzte. ich habe mich immer wieder verlaufen, und ich habe deswegen zahlreiche treffen verpasst. da passierte es: ich bin sergius wieder begegnet! doch er kannte mich nicht mehr, siezte mich erstaunt, – und er war sichtlich mit sich und seiner welt beschäftigt:

er studierte die lauben.
er musterte die gassen.
er befragte die häuser.
er philosophierte in den cafés.
er versank gerne in der stadt bern.

ein satz hätte damals über die stadt genügt, den er hätte mir geholfen.

auf und ab während der ersten lektüre

ich wollte wissen, was einen menschen so vereinnahmen kann, dass er wie ein gefangener wirkt. ich begann seine bücher zu lesen: “lustige eidgenossen” und “frei sein wie die väter waren” bildeten den anfang. später schlug ich nach, im “lexikon der symbole”, und noch viel später in den “mythen der menschheit”. ich lernte so eine welt kennen, die mir ziemlich fremd war. ich verstand wenig von dem, was da stand.

ich war damals keine 30 und auf erlebnisse aus. ich hatte kaum lebenserfahrung, war aber politisiert. ich wollte veränderungen sehen, nicht symbole interpretiert bekommen. mit bewegten taten, nicht worte. und mit diesen rügte der schriftsteller golowin immer wieder den materialismus der damals jungen historikergeneration. gegen den zeitgeist der 70er jahre empfahl er dafür das studium der kulturgeschichte, der einfachen volksgeschichten und der lebensweisheiten von fahrenden. das alles wollte mir gar nicht passen, schien mir unaufgeklärt, unpolitisch, unwichtig. ich beschloss, mich für vergangenes wieder an bert brecht und für gegenwärtiges an max frisch zu halten.

die öffnung zur zweiten lektüre

die alternativ-bewegung der 80er jahre öffnete auch mich für den post-materialismus. und ich begann mich, vorsichtig genug, ein zweites mal für sergius golowin zu interessieren. ich lernte die biografie des bernrussen kennen, ich vernahm vieles über den bibliothekar aus burgdorf, man las den frühen nonkonformisten unter den kulturschaffenden allenthalben, – und gelegentlich machte er sogar als landesringpolitiker im grossen rat von sich reden.

die zweite lektüre stiess mir die türe auf zum werk von golowin. zu seiner eigenen ruhe, zu seiner liebe zu den menschen, zu seinem respekt vor der schöpfung, zu seiner hingabe für magie, zu seinen kenntnissen über geschichten, und seiner begeisterung für bern.

seit ich stadtwandere, ist mir sergius golowin noch näher gekommen. seine “stadtgespenster”, seine “stadtlauben” und die “stadtbeizen” mit seinem vorwort liegen bei mir ganz oben auf der bücherbeige. selbstverständlich habe ich lektüre von seinem “adrian von bubenberg und die krone burgunds” aufgearbeitet. ich ärgere mich heute nicht mehr über ihn, sondern über mich, über meine verpassten chancen.

es ist phänomenal, wieviel er wusste, das die andern vergessen hatten, wieviel er beschrieb, das ausser ihm niemand mehr sah, und wieviel er mitteilt, selbst wenn man nicht mit ihm reden kann.

sein reiches erbe bleibt

ich glaube, sergius golowin war nie sehr reich, – wenigstens nicht im wörtlichen sinne. im übertragenen war er es dafür ausgesprochen: er hat gesammelt, ohne zu horten; er hat gesichtet, ohne zu besitzen; und er hat vererbt, ohne ein testament zu machen.

lieber spät als nie, sage ich dafür gerne: danke, sergius golowin, für alles, was ich zu lernen gelernt habe, was ich sonst nicht gekannt hätte!

sein erbe wird bleiben, und seine bücher werden auch mich weiter begleiten.


berner restaurant burgunder, im sommer 2006 ebenfalls von uns gegangen (foto: stadtwanderer, anclickbar)

jetzt um so mehr, wo er, fast schon symbolisch, mit dem café “burgunder” von uns gegangen ist.

stadtwanderer

mit meinen neuen favoriten unterwegs (august 06)

tja, “die favoriten” scheint ja nicht nur unsere bevorzugten blogs zu bezeichnen, sondern auch die lieblingsseite unserer fans zu werden! neidlos empfehlen wir deshalb auch im august jene weiter, die noch besser und noch anerkannter als der junge “stadtwanderer” sind.

die kleine redaktion ist wieder komplett, denn der boss aus den ferien zurück. und: die neue hit-parade der blogs aus stadtwanderersicht ist durch die vorübergehende landesabwesenheit nicht unbeeinflusst geblieben! und auch die illustrationen sind neu; bootssteg-wandern gehörte zu seinen lieblingsbeschäftigungen während den ferien.

1. hälge (neu)

es ist unser bevorzugter “bericht aus schweden”, ohne grosse worte zu verlieren, versprüht er viel hintergründige humor. lars mortimer ist der bekannteste schwedische karikaturist, der jeden tag seine website mit einem neuen “hälge”, dem träfen elch aus den schwedischen wäldern, ergänzt. so kann man ganzjahresstimmungen im norden minutiös mitverfolgen, was ihm gegenwärtig den ersten rang einträgt.

today’s strip

2. auswanderer-blog (neu)

es ist bevorzugter “bericht aus der eu”. der autor war mal in der svp, er war mal bei den grünen, er war mal schweizer, und er will grad französischer eu-bürger werden. sogar nationalrat war er, und er hat die schweiz im unfrieden verlassen. das hält den politsch bekannten auswanderer ruedi baumann wach, die schweiz von aussen zu betrachten, als als blogger und als kommender buchautor. obwohl auch neu in der liste, gleich unser zweiliebster blog!

auswanderer-blog

3. zueri-berlin (neu)

es ist unser bevorzugter “bericht aus der metropole”. sie ist zürcherin, und sie studiert in berlin. an der uni und die stadt. sie macht wunderbare reportagen, in bild und text, über kulturelle themen, und sie stellt alles so wunderbar dar. obwohl der stadtwanderer berlin krasser in erinnerung hat, lobt er diesen blog, und vermacht dem neuling im august platz 3.

zueri-berlin

4. apropos (neu)

es ist unser bevorzugter “bericht aus urbania”. edithrina alias rinaa zeichnet verantwortlich, doch viel schlauer wird man daraus auch nicht. macht nichts! die serie “bilder einer stadt” hat der stadtwanderer ins herz geschlossen, ästhetisch in jeder beziehung, wie architektur, kultur und natur vorgestellt werden. auch dieser blog war bisher nicht verzeichent, diesmal ist er aber direkt auf platz 4 gelandet.

apropos

5. weiach-blog (1)

es ist unser bevorzugter “bericht aus dem dorf”. weiter vorstellen muss man den weiach-blog ja hier nicht mehr. er wurde schon zweimal gerühmt. nun hat auch wikipedia die beiträge des besten dorfchronisten ausgezeichnet, sodass wir auch uns erlauben, die trouvaille weiterhin zu empfehlen. platz 5 in augustus’ monat!

weiach-blog

6. e-demokratie eu (8/neu)

es ist unser bevorzugter “bericht aus der e-demokratie”. doch diesmal empfehlen wir nicht die schweizer variante (obwohl die serie über die delibarative politik es verdient hätte, ausgezeichnet zu werden), sondern die europäische. ebenso liberal im geist wie die schweizer schwester, wird hier die bürgernahe eu gesucht. das lob ich mir als konkrete reaktion auf die jüngsten verfassungsabstimmungen. verbesserung auf platz 6. als motivationsspritze.

e-demokratie eu

7. wanderer von arlesheim (6)

es ist unser bevorzugter “bericht aus der agglomeration”. hat angebissen, auf unsere jüngste empfehlung, führt, stringenter als wir, das lokalwandern durch, und hat für blogger und nicht-blogger schon mal wanderer-tage erfunden. bravo!, lob ich da, und vergebe platz 7. für den kollegen!

wanderer von arlesheim

8. blogkritik.ch (2)

es ist der bevorzugte “bericht aus der blogosphäre”. er arbeitet weiter an unserer frage, was überhaupt ein blog ist. gut so, denn so schreibt er einmal über das, über das er sonst schreibt! wir ehren ihn dafür mit dem platz 8 in unserer favoritenliste.

blogkritik

9. sbb-blog (neu)

es ist unser bevorzugter “bericht aus dem zug”. genau genommen berichtet er aus der sicht des kondis, der täglich viele menschen sieht, geschichten erlebt, frustrationen einfängt und spass an seinem job hat. er ist kein stadtwanderer, aber ein moderner fahrender, der die zentren verbindet und dabei die kühe sieht. und er ist ein pionier in seinem fach, berichtet er doch als einziger (inoffiziell) über das innenleben der schweizerischen zugkondukteure. platz 9 als dank!

sbb-blog

10. hochparterre zürich (neu)

er ist unser bevorzugter “bericht aus der architektur”. ja, es ist der ort, wo der andere stadtwanderer arbeitet, berner wie wir, aber nach zürich ausgewandert. er ist kulturbefliessener als wir! er ist künstlericher als wir! und er ist seit neuestem wieder aktiv auf dem web, wegen uns? wir freuen uns, und geben der website, die auch internationale partner in der ganzen welt hat, den 10. platz!

hochparterre zürich

ach ja, wie das zustande kommt, will man von uns wissen: wir verraten mal soviel:

E=mc2,

wobei E Erfolg (oder Rang) ist, m die mittlere click-rate im letzten monat darstellt, und c für des chefs freude steht, die er beim besuch empfand! man sieht, es hat alles seine nachvollziehbaren gründe …

stadtwanderer

spionagestadt bern!?

“Geheime Agentin” und “Kairo” in verbindung, tönt ganz spannend. man hört die schiffe auf dem nil tuuten.. man sieht die engen gassen der alten stadt. und man riecht den duft in ihrem herzen, das zeichen des basars und der cafés, wo entscheidendes geschieht. eine Agentin des cia stützt sich in der lobby des grossen internationalen hotels nebenan auf ein netz von stadtgewaltigen, die, spinnen gleich, lokale spitzel haben, die alle auf den geplanten staatsstreich warten.


foto: stadtwanderer (anclikcbar)

und wenn das “Kairo” in bern ist? tönt das dann weniger spannend? – dieser Ansicht war zunächst “Der Bund” nicht, denn er lud im rahmen seiner regelmässigen kulturveranstaltungen im keller des kaffee “Kairo” zu einer lesung über die “Spionagestadt Bern” im zweiten weltkrieg ein. langeweile erwarteten aber auch die zahlreichen zuhörerInnen nicht, die sich entweder an elizabeth wiskemann erinnern konnten, von ihr gehört hatten oder interessiert waren, einen neo-romancier kennen zu lernen.

der autor

peter kamber heisst er. an sich ist er kein unbeschriebenes blatt mehr. der doktor designatus der geschichte – seit 15 jahren wartet seine wissenschaftliche these gedruckt zu werden – lebt in burgdorf, ist als journalist tätig und publizierte seit 1990 in recht engen abständen verschiedene bücher: über unkonventionelle zürcherInnen schrieb er, denn tod von niklaus meienberger veranlasste ihn zu einem buch, aber auch über das verhältnis der konventionellen neutralität und den allierten dachte er schriftlich nach, um 1998 kritische fragen an die schweiz in erklärungsnotstand zu stellen.

doch jetzt hat er die seite gewechselt: vom sachbuchautor will er zum romanschriftsteller werden. seit 8 Jahren arbeitet er an diesem projekt, in bern hat er recherchiert, selbstverständlich, aber auch im fernen berlin war, um nachzufragen und nachzuschlagen.

die these


seine these ist der “Krieg hinter dem Krieg”: der diskrete spionagekrieg, der in der Schweiz stattfand, während der zweite weltkrieg auf dem ganzen erdrund tobte. internationale und nationale politik mischten sich damals wie selten zuvor, sodass dies die geschichte interessieren müsse. und: der nachrichtendienst der schweizer armee und die schweizerische bundesanwaltschaft mit ihrem polizeilichen arm, der bundespolizei, liessen sich in das räderwerk hineinziehen, dessen geschichte erst in teilen geschrieben ist.

immerhin, soviel weiss man: sie war neutral. wie war klein. und sie war verdunkelt. das war die schweiz, welche die kulisse bot, dass sich die spionage der wehrmacht wie auch jene der allierten hier ansiedelten. agenten in allen chargen zogen sich hier im kleinen gegenseitig an, bespitzelten sich direkt oder indirekt, tricksten sich mit intuition oder nach auftrag aus, um informationen zu bekommen. sie hätten den grossen krieg draussen entscheiden können, ist peter kamber heute überzeugt. der autor ist überzeugt, dass die geschichte der drehscheibe schweiz im zweiten weltkrieg noch nicht geschrieben ist. er weiss, dass es auch nach der bergier-kommission geheime papiere gibt. er weiss, dass die deutsche spionage hier so kräftig zuschlug, dass die amerikaner in arge bedrängnis kamen und ihren geheimdienstspezialisten allen dulles zum wiederaufbau der allierten spionage schicken mussten. und er hat persönliche informationen über das wirken der britischen geheimagentin elizabeth wiskemann in bern.

der tatsachenroman

was ganz genau er weiss, sagt er jedoch nicht, noch nicht! denn das will in einem tatsachenroman schildern, der fast fertig sei, wie er sagt, und nächstes jahr erscheinen soll, wie organisator alexander sury beifügt. als Vorgeschmack präsentiert er, auf einladung der Zeitung “Der Bund”, der ihn bei der recherche finanziell unterstützt, erste passagen aus seinem unveröffentlichten werk. dabei kommt im kairoer untergrund schon mal gehörig spannung auf: kambers sprache ist schnörkellos, seine erzählung ist linear. man folgt im gerne, denn die geschichten sind hautnah. nur den faden zur these will man nicht finden, – vielleicht auch, weil der autor die haupthandlung immer wieder auslässt oder nur mündlich wiedergibt. während der lesung begnügt er sich mit passagen aus der nebenhandlung.

der star ist hier der ehemaliger deutscher vertreter, der in zürich kaffee verkaufte, und jetzt deutscher agent in bern ist. er hat mit einem lokalen coiffeur einen willigen helfer, der den informationsaustausch deckt. in ihrem netz zappelt ein simpler schweizer, der auf der amerikanischen botschaft briefe verträgt, sie aber nicht der post übergibt, sondern dem deutschen geheimdienst vermittelt. und man führt grosses im schilde: adèle, eine junge französin aus lyon, arbeitslos in zürich lebend, wird angeheuert, um näher an die allierten pläne heranzukommen. dafür verwickelt sie unpolitisch, wie sie ist, aber auch leidenschaftlich, wie sie wird, den botschafter aus uruguay in eine liebesaffäre.

elizabeth wiskemann kommt an diesem abend nicht vor. aber sie spielt die titelrolle im roman „Geheime Agentin“. zwei deutsche spione besetzen die weiteren hauptrollen. selber kommt der autor nicht vor, aber 30 nebenrollen hat er aufbauen müssen, um das komplizierte geflecht der internationalen spionage abzubilden, das in Bern im bellevue wie in schummerbars, zwischen bahnhofquartier und kirchenfeld und entlang renommierter hotels und diskreten diplomatenvillen agierte. das alles tönt verheissungsvoll, weckt interesse auf mehr! man möchte den roman morgen kaufen gehen, sich einlesen, die geschichten der menschen kennen lernen, sich an die these erinnern, und sie prüfen.

die lesung

doch darauf muss man noch warten. denn der autor macht erst testlesungen. zudem ist kamber im geschäft als romanschreiber offensichtlich neu. keine lesung zu keinem roman fasst das werk zusammen. souverän wüsste das der romancier, und er würde ohne bedenken weglassen, wenn er dem puls des lebens auf der spur bleibt. anders verhält sich peter kamber. er scheint noch kein konzept zu haben, was er preisgeben will und was nicht. er überspringt textpassagen, die vorlesen wollte, kehrt bei auslassungen, die er geplant hatte, zurück, stolpert über seine eigenen sätze, – und bisweilen korrigiert er während der lesung das unfertige manuskript. das alles irritiert!

diese unsicherheit überträgt sich auch auf die diskussion: eignet sich das genre, um historisch aufzuarbeiten? wie kann man wahres und frfundenes in einem historischen roman unterscheiden? wird ein solcher tatsachenroman vor der kritik aus literatur und geschichte standhalten können? – peter kamber glaubt daran, und wirkt wieder ganz ruhig, wenn er erklärt: der historische roman sei der wissenschaftlichen geschichtsschreibung überlegen, denn er eröffne dem autor einen ganzheitlichen zugang zum geschehen. gerade bei spionen müsse man sich auch mit intuition behelfen, denn die klassischen quelle versagten zwangsläufig. zu geheim bleibt ihr wirken. doch er schreibe gleich zwei „bücher“: den angekündigten roman für den buchhandel und einen noch längeren anhang für die recherche. den werde er auf internet veröffentlichen, und man werde mit elektronischen stichwortsuchen im dandumdrehen klären können, was die fakten hinter den episoden seien. und den möglichen kritikerInnen hält er schon mal entgegen, dass die ereignisgeschichte der traditionellen biografien längst tot sei. die strukturgeschichte habe zwar wesentliches geleistet, um zusammenhänge besser zu verstehen. aber jetzt gehe es um neue experiment, man müsse als historiker wieder lernen, handlungen, mit motiven und menschliches in die analysen übersichten einzubauen, um identifikationen und meinungsbildung mit zeitgeschichtlichen vorgängen zu ermöglichen.

… und das gebannte und gespannte hoffen

seit 2003 ist der roman angekündigt, uns so hofft man weiter, im publikum, im kairoer-keller und beim veranstalter. man hofft, dass deutlich mehr im schrittweise gewachsenen werk steckt als ein Krimi. man hofft, dass die vermittlung zwischen these und erzählung, zwischen geschichten und geschichte gelingt. an diesem abend mag niemand überschwänglich vorschüsse verteilen, aber auch niemand heftig vorverurteilen. alle sind gespannt, ob der seitenwechsel vom sachbuch zum roman, von der wissenschaft zur unterhaltung, vom fachartikel zum populären buch gelingt. spionage kennen das, um müssen den seitenwechsel beherrschen, wenn die geopolitik sich ändert. seiten wechseln wollen aber auch die leserInne der „Geheimen Agentin“, um mehr über den krieg hinter dem krieg, die spionagestadt bern und das leben der elizabeth wiskemann im unvermittelt verdunkelten bern des zweiten weltkrieges zu erfahren.

erhellt hat den lesungsraum vorerst eine ständerlampe aus den 50ern, kein scheinwerfer aus dem 21. jahrhundert.

stadtwanderer

peter kambers website

fahnenmeer …

zur lage der nation am bundesfeiertag 715, dem 1. august 2006, nachmittags um 5 in bern

1. strophe: offizielle schweiz


foto: stadtwanderer (anclickbar)

2. strophe: verschämte schweiz


foto: stadtwanderer (anclickbar)

3. strophe: cliché schweiz


foto: stadtwanderer (anclickbar)

4. strophe: glückliche schweiz



foto: stadtwanderer (anclickbar)

5. strophe: neues heimatwerk


foto: stadtwanderer (anclickbar)

6. strophe: selbstbewusste schweizerin


foto: stadtwanderer (anclickbar)

7. strophe: im banne der eu


foto: stadtwanderer (anclickbar)

8. strophe: insel schweiz


foto: stadtwanderer (anclickbar)

9. strophe: von der mobilität überholte schweiz



foto: stadtwanderer (anclickbar)

10. strophe: scharfer export “schweiz”


foto: stadtwanderer (anclickbar)

11. strophe: sein und bewusstsein


foto: stadtwanderer (anclickbar)

12. strophe: alarmlampe für schlappe schweiz


foto: stadtwanderer (anclickbar)

allseits beliebter refrain: “seh ich keine fahnen mehr …”


foto: stadtwanderer (anclickbar)

stadtwanderer

bester blog-beitrag zum 1. august

boss

ja, ich weiss: ich bin selber einer. nein, ich versichere es: ich wars nicht! ich schreibe keine kommentare zu meinen bloggs. ich kommentiere mit meinen blogs. doch da gibt es einen?/eine?/viele?, der/die meine kommenatare kommtiert/kommentieren. schön, denk man sich, endlich feedis! doch was man dann liesst, ist nur einmal enttäuschend: “boss”, “boss”, “boss”, und sonst nichts!

ich weiss, heute ist alles möglich! in schweden kann man sich jetzt die autonummer selber zusammenstellen. da bekommt man schon allerhand zu lesen, wie mein schnappschuss aus dem ferienalbum zeigt.


(foto: schweden-wanderer, anclickbar)

doch damit nicht genug! auch im internet ist alles möglich. da schreib ich meine buchrezension zu lucien febvres buch: der rhein und seine geschichte. und erhalte promt 8 kommentare, als da sind:

“boss
Geschrieben von Good Watch Stopping am Montag, 24. Juli 2006, 06:57
boss
Geschrieben von Model Undressed am Montag, 24. Juli 2006, 18:18
boss
Geschrieben von Sheet Metal Fabrication am Dienstag, 25. Juli 2006, 00:06
boss
Geschrieben von TramadolDog am Dienstag, 25. Juli 2006, 16:01
boss
Geschrieben von Fairfield Inn Portland Maine am Mittwoch, 26. Juli 2006, 12:06
boss
Geschrieben von TramadolDog am Freitag, 28. Juli 2006, 21:38
boss
Geschrieben von TramadolDog am Sonntag, 30. Juli 2006, 05:53
boss
Geschrieben von TramadolDog am Sonntag, 30. Juli 2006, 21:27”

das könnte ich fortsetzen, mit anderen einträgen, aber mit den gleichen reaktionen. also lass ich’s! füge aber bei: ehrlich, es ärgert mich!


(foto: schweden-wanderer (noch in dänemark), anclickbar)

mann/frau/viele nehme(n) sich ein vorbild an hugo boss, der im kopenhagener flughafen sich schon mal selber reduziert. wäre ja schon ein erster schritt zur kommunikativen beseitigung des missstands!

stadtwanderer

zeig mir deine socken

“zeig mir deine socken, und ich sag dir wo du warst!” diese alte stadtwanderer-weisheit gilt auch heute noch. wo der stadtwanderer in den ferien war, kann man auf zwei arten erfahren: entweder man liesst seine blogs, oder man schaut ihm auf die socken!

lambieks comicopledia, ein internet-sammlung von cartoonisten der gegenwart auf der ganzen welt, schreibt über lars mortimer, 1948 in schweden geboren, er zeichne seit den frühen 70er jahren. er habe typen wie ‘bobo’ (1978) kreiiert und natürlich ‘Hälge’ erfunden (1991). dies ist ein aufmerksamer elch, der zu einem der populärsten cartoon-helden schwedens aufgestiegen sei. er erscheine in vielen zeitungen, und im eigenen monatlichen comic-book.


meinem schwedisch angemessene dialoge … (foto: stadtwanderer, anclickbar)

das alles stimmt! wenn man dann aber vor vor lars steht, ist man noch mehr beeindruckt. ein riesentöff kündet seine präsenz schon mal von weitem an. mit seiner maschine durchfährt er von alfta in langhed die schwedischen weiten, erkundet er die unendlichen wälder, und beobachtet er die interessantesten tiere darin: eben die elche.

hälge ist sein star-elch! er weiss immer etwas zu erzählen, hat schwedischen geist und humor, kooperiert und übertölpelt die jäger, und kommuniziert dabei viel über die lebensweisheiten seiner mitbewohnerInnen. hälge ist der super-schwede par excellence.

seit einem jahr stehen wir gar auf seiner einladungsliste. das ist, wie vieles in schweden, gar nicht so kompliziert: wenn man lars hört oder sieht, bilden sich schon mal menschenschlangen, die um ein autogramm bitten. steht man dann endlich ganz vorne in der schlange, wird man von einem grossen elch, der hinter einem kleinen tisch sitzt, gemustert.

und der zeichenstift lässt bald erkennen, was man ist: ein tolptasch? ein tausendsassa? eine touristin? ein jäger? eine bäuerin? oder ein stockholmer? alle erfasst lars in sekundenschnelle, und jeder bekommt seinen ganz eigenen Hälge.

meiner ist schon ein jahr alt, – und privatsache! halbprivat sind meine socken, die ich für die kommende stadtwanderer-saison in ekshärad erstanden habe. bisweilen wird man sie in bern wandern sehen, und Hälge mit ihnen! kopfsteinpflaster kennt er noch kaum … denn er liesst wenige blogs, blaubeeren hat er lieber. aber er hat einen topaktuellen blog (“today’s strip”) und eine unterhaltsame website. er ist halt ein schwede, der sich gerne überall zeigt!


foto: stadtwanderer (anclickbar)

und ich zeig dir meine socken, damit du weisst, wer ich bin, — ähh, wo ich war!

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