ohne die schwedische kommunikationsgesellschaft namens „telia“ könnte ich während den sommerferien nicht auf dem stadtwanderer bloggen. wegen telia mache ich gegenwärtig aber auch einen unwiderruflichen identitätswandel durch.

teliain schweden duzen sich alle. das schafft gemeinschaft und nähe, die in einer gesellschaft mit dem gleichzeitigen hang zum eigenbrötlertum und distanz nicht unwichtig sind. wahrscheinlich hat beides etwas mit der eigentümlichen mischung aus bäuerlichem individualismus und sozialdemokratischem kollektivismus in schweden zu tun.

so kennt man von die menschen in schweden mit den vornamen. brigitta, bengt, eric und barbro heissen sie. geschlechtsnamen hat man zwar auf dem pass; im alltag nutzt man sie nicht. die meisten lauten sowieso aus -son und sind ableitungen aus dem vornamen der vorfahren. untereinander weiss man das einfach, man braucht es gar nicht lange zu erwähnen.

bei der schwedischen kommunikationsgesellschaft telia bin ich so unvermittelt zu einem neuen namen gekommen: „claud neversil“.

daran sind zwei sachen bemerkenswert: erstens, dass man meinen lateinisch-französisch anmutendenden namen in der skandinavischen sprachkultur kaum kennt und deshalb auch nicht richtig schreibt. zweitens, dass ich einen neuen nachnamen bekommen habe.

und das ging so: vor einem jahr meldete ich mich in einem euronics laden in der schwedischen provinz, zu der auch holzhausen gehört, an, um ein modem für meinen computer zu erwerben. die gute dame – eine sehr freundlich übrigens, die in ihrem bruchstückhaften englisch mit mir sprach – notierte dafür meinen vornamen. auf ihre art eben. den geschlechtsnamen fügte sie ohne nachzufragen bei. eben auch auf ihre art. denn sie wusste aus dem mit mir gespräch, dass ich mit bärbi in holzhausen ferien mache. bekannt war ich auch, dass bärbis vater, eigentlich ein emigrierter tscheche, der vor 40 jahren in die schweiz kam, sich bisweilen auch in schweden aufhält, „neversil“ heisst. und da ich bei der eintragung keinen pass bei mir hatte, aber sagte, ihn beim „schweizer“ nebenan deponiert zu haben, wurde aus mir ungefragt „claud neversil“.

einmal in einem computer der führenden kommunikationsfirma eingegeben, hat man, auch in schweden, kaum mehr die möglichkeit, die eintragung zu berichtigen. denn wenn ich meine sim-kartennummer angeben, bin ich unweigerlich „claud neversil“. und wenn ich der netten verkäuferin von euronics begegne, muss ich nur sagen, claud neversil zu sein, sodass sie sofort meine ganzen kundengeschichte erinnert, was bisweilen ganz nützlich ist.

identität ist, sagen die sozialpsychologen, die übereinstimmung von fremd- und selbstbild. vereinfacht die gleichheit von fremd- und eigennamen. doch die ist nicht einfach, vielmehr entsteht sie aus der geschichte der individuen, die miteinander kommunizieren.

auf dem blog, bin ich so erfolgreich zum stadtwanderer geworden. in schweden bin auf die gleiche art schon mal zum claude neversil mutiert. alles nur wegen telia!

stadtwanderer
alias claud(e) neversil (longchamp)


Comments

2 Comments so far

  1. Mark Balsiger on Juli 21, 2010 08:30

    Eine köstliche Geschichte, danke. Gut, um Anlauf für einen langen und heissen Berner Tag zu nehmen.

    Telias gibts allerdings auch in der Schweiz. Wie viele schaffen es, deinen richtigen lateinisch-französischen Nachnamen mit einem „s“ zu verlängern?

    Eben.

  2. cal on Juli 21, 2010 08:53

    neversil hat zwar ein s, aber nicht um etwas zu verlängern …
    heiss-s-en tag!

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