den schlauen asterix kennt man. den starken obelix auch, und idefix, den hund fürs übersinnliche, muss man einfach gerne haben. doch wo für stehen sie eigentlich: für unsere vorstellung der geschichte? für das leben im kulturellen kunterbunt der gallier? oder für frankreich als nation?

die geschichten der unschlagbaren gallier hat man zwischenzeitlich intus. man geht auf reise, irgendwo auf dem kontinent, um im fremden das eigene zu entdecken, und findet sich so nicht nur in der vergangenheit, sondern auch in der gegenwart wieder.

der film
in „asterix bei den olympischen spielen“ geht es von der bretagne nach griechenland. alafolix, ein hübscher jüngling aus gallien, will die olympischen spiele gewinnen, um die bezaubernde prinzessin irina aus athen heiraten zu können. asterix und obelix, dem vorhaben gegenüber anfänglich skeptisch, begleiten ihn, unterstützt von miraculix, damit das vorhaben nicht im desaster endet. mit dem abgeschlagenen brutus, sohn von gaius iulius caesar, haben sie indessen nicht gerechnet. denn auch er will sieger der olympioniken werden. auch ihn treibt der gedanke, die venus der griechen zu bekommen. doch sieht er das alles nur als vorspiel für sein lebensziel, dier machtergreifung in rom, gegen seinen vater.

in diesem wettlauf um sieg und ruhm schenken sich die römer und gallier nichts – genauso wenig wie die helden der olympischen spiele der gegenwart. tolle sportliche leistungen werden geboten, doch ist auch doping mit im spiel, und korruption beherrscht die schiedsgerichte. als das speerwerfen an die griechen geht, setzt brutus aufs ganze. vom ringen bis zum rennen – überall gibt es nun gekaufte siege für die römer. das jedoch ist die stunde von des cleveren sternchens aus gallien, das, vom irritierten publikum unterstützt, die schiebungen vor caesar beklagt, sodass dieser einen ultimativen vergleich ausrufen muss. das legendäre wagenrennen im oval des stadions soll alles entscheiden, sodass hochgerüstet wird, mit technik, taktik und dem berühmten trank der druiden. den nutzen diesmal aber nicht die gallier, sondern die römer, die jedoch nicht merken, dass man ihnen so eine fall stellt. denn der siegreiche brutus wird am ende disqualifiziert, abgeführt und in eine galeere verfrachtet, während der zweite alafolix zu seiner erhofften ehre kommt und irina heiratet, derweil idefix mit ihrem pudel kuschelt, und obelix mit asterix von der nächsten wildschweinjagd träumt.

der streifen, vor gut einem jahr erstmals in den kinos, zählt, gemäss prospekten, zu den aufwendigsten produktionen der europäischen filmgeschichte. in der tat erlebt man die welt der antiken metropolen hautnah, sieht man sich riesigen römischen soldatenheeren gegenüber, und das wagenrennen gleicht fast schon einem grand-prix der formel 1. dafür sorgen promis der gegenwart wie michael schumacher, zinédine zidane und adriana karembeu in nebenrollen, während clovis cornillac (astérix), gérard depardieu (obélix), alain delon (jules caesar), benoit poelvoorde (brutus), stéphane rousseau (alafolix) und vanessa hessler (irina) die hauptfiguren spielen. asterix-vater uderzo wurde beim kinostart vorgeworfen, eine seiner populärsten geschichten für einen lächerlichen action film freigegeben zu haben. in der tat, einige der szenen wirken etwas kitischig, doch das stört die hauptaussage des filmes nicht. denn mit „asterix bei den olympischen spielen“ wird der ganze mythos der ruhmreichen gallier gegen alle andern aufs trefflichste zelebriert.

der mythos
entstanden ist der mythos, wie die nzz von gestern erinnert, 1858 im second empire von napoléon iii., als seine archäologen den ort entdeckten, wo die gallier 52 vor christus von caesar definitiv besiegt wurden. „alesia“ war den lesern der „commentarii de bello gallico“ stets ein begriff gewesen, doch war die stelle der schlacht ums ganze vom siegreichen statthalter roms nur ungenau beschrieben worden. luftaufnahmen der 1990er jahren machten klar, dass es sich tatsächlich um alise-sainte-reine handeln muss, genauso, wie seinerzeit vom grabenden kaiser vermutet.

vercingetorix ergab sich seinerzeit angesichts seiner verhungernden gefolgsleute auf dem mont auxois und wurde als kriegsgefangener in rom erdrosselt. napoléon iii. liessen ihm zu ehren eine überlebensgrosse statue, ja den galliern insgesamt errichten. seither kommen weder populärhistoriker noch franzosen an ihren ersten gemeinsamen helden nicht vorbei, – vergleichbar einem karl martell, charlemagne, philipp ii. auguste, jeanne d’arc, louis xiv. und napoléon bonaparte.

die national ausgerichtete geschichtserzählung zieht eine direkt linie von der vergangenheit in die gegenwart, um die zukunft historisch zu sichern. in frankreich hing sie stark mit der rivalität von frankreich und deutschland des 19. jahrhunderts zusammen, die sich zu kriegsförderndenen gemeinschaftsbildung mit herleitungen von den galliern resp. germanen zu legitimieren suchten. dem hat der archäologe und historiker jean-louis brunaux in seinem buch „Nos ancêtres, les Gaulois“ entgegnet, es handle sich um sagenhaften geschichte, sich in erzählungen, comics und filmen eingespielt habe, die historische realität aber übel verkürze.

die aktualität
das alles spiegelt sich, wie die aktualität zeigt, bis heute im verhältnis von sport und politik. zidanes weltmeistertruppe stand einmal symbolisch für die erfolge der integrationspolitik im migrationsland frankreich. seit den blamagen der blauen auf dem fussballfeld, dramatisiert durch einen der migranten, der gerne mit den schönen des süden flirtet und sich ebenso wohl in der wärme des staatspräsidenten sonnt, wenn er nicht gerade ausweisungen der romas anordnet, inszeniert man lieber wieder projektionen der reinen und tapfern gallier, die jede einmischung durch fremde zu bekämpfen wissen, und dabei unschlagbar sind.

stadtwanderer


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