cluny steht für so vieles, selbst wenn nur noch weniges davon steht. jetzt zeigt eine virtuelle 3d-rekonstruktion die einst grösste katholische kirche der welt.

Tagesschau vom 27.12.2010

bei der datierung der klostergründung ist man etwas unsicher. gefeiert wurde sie am 11. september 2010, erinnernd an das jahr 910. herzog wilhelm I. von acquitanien stiftete damals im hintersten teil seines reiches, nahe einem seitenfluss der saone, ein kloster. dem frieden sollte es dienen, der im frankenreich durch adelfehden und magyarenstürme arg in bedrängnis geraten war. deshalb unterstellte der edle spender das kloster nicht einem lokalen vasallen, sondern dem papst in rom. nur er sollte über das schicksal des abtes von cluny und seine möchne bestimmen können.

entstanden ist so, ausgehend vom 10. jahrhundert das zentrum eines zukünftigen gottesstaates ohne vergleich, das in seiner besten zeit aus mehr als 1400 klöstern und über 20’000 mönchen bestand. erneurt wurde so die regel des heiligen benedikts, aus dem 6. jahrhundert stammend, die in vielen klöstern der fränkischen christenheit aber in vergessenheit geraten war. gebetet und gearbeitet wurde nun für den papst, der danach trachtete, sich selber über den kaiser zu stellen, um eine unverselle schirmherrschaft über alle christen im und ausserhalb des reiches zu gewährleisten.

die adeligen bis in die heutige westschweiz animierte man tag für tag, schenkungen zu machen, gelobte dafür, die betuchten pensionäre aufzunehmen, um sie auf den weg zum ewigen leben in den himmel vorzubereiten. die nachfahren hielt man an, ihnen gutmütig zu gedenken, um sich so als teil einer väterlich bestimmten familie zu sehen. vorangetrieben wurde in der zeit, als das patriachale rückgrat der christlichen kirchen entstand, auch der kreuzzugsgedanke, vordergründig der befreiung jerusalems gewidmet, faktisch als krieg gegen den sich ausbreitenden islam. mit diesem kampf wollte man die unabdingbare vorherrschaft der christlichen kirche im europäischen festland, aber auch im mittelmeerraum sichern.

symbolisiert wurde das alles durch den bau des damals grössten christlichen gottenshauses in der verlassenen gegend am rande burgunds. im 12. jahrhundert war man damit fertig, und zeigte so sowohl treunen gläubigern in der gegend wie auch den staunenden pilgern aus allen herren ländern, wo man gott am nächsten kam. bis in die zeit der überschäumenden renaissance, als man in rom die st. peter-kirche baute, war cluny der grösste sakrale bau in christlichen abendland.

die französische revolution machte dem prunkbau ein ende. die wut auf die feudale kirche liess man freien lauf. die revolutionäre plünderten die kostbaren werke, brandschatzten das kircheninnere und rissen zwei drittel des monumentalen werken ab. wer selber nach cluny ging, konnte nur noch die überreste sehen und sich anhand von plänen eine vorstellung machen, wie es einst ausgesehen haben mochte.

rechtzeitig zum 1100. geburtstag wartet das weltkulturerbe in der französischen provinz mit einer neuerung auf. aufgrund von modellen und plänen aus dem 18. jahrhundert, erstellt unmittelbar vor der zerstörung des baus, wurde die kirche neu erstellt. nicht reel, aber virtuell. so kann man dank modernster filmtechnik, vermittelt durch 3d-flachbildschirme, einen eindruck bekommen, wie cluny aus romanischer zeit seinerzeit aussah, wie das gotteshaus ausgestaltet war und wie es auf die zeitgenossen gewirkt haben mag.

stadtwanderer


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