grosse politik im kleinen wohlen. die energiestadt zwischen bern und mühleberg diskutierte mit einem hochkarätigen podium die fortführung des kernkraftwerkes im benachbarten mühleberg. der stadtwanderer war unter den mehr als 100 gästen dabei.

Schulbezirkewohlen bei bern: ein sammelsurium aus vororten von bern und bauerndörfern am wohlensee, der in mühleberg endet.

vordergründig den stärksten auftritt des abends hatte urs muntwyler, professor an der hiesigen fachhochschule und bis ende 2010 inhaber einer solarstromfirma, die heute in wohlener hände ist. er breitete seite vision der energieversorgung in der schweiz aus. danach würde der strom in absehbarer zeit zur zentralen kraftquelle und dieser würde weitgehend durch erneuerbare sonnenenergie produziert werden. martin pfisterer, geschäftsleitungsmitglied der bkw, widersprach dem nicht fundamental, doch ist diese zukunft nach seiner schätzung nicht vor 400 jahren zu haben. bis dann seien wir auf andere energieträger angewiesen, hielt er dagegen. und unter denen sei kernenergie klimafreundlicher als fossile brennstoffe. michael kaufmann, vize im bundesamt für energie, bestätigte, dass es bei der konsultativabstimmung vom 13. februar im kanton bern über die zukunft des amtommeilers mühleberg genau um die weichenstellung zwischen nicht-erneuerbarer kernenergie und erneuerbaren alternativen hinzu geht.

da setzten auch auch die beiden politikerInnen auf dem podium, ursula wyss von der sp und christian wasserfallen von fdp, an. für den bürgerlichen geht es in drei wochen darum, den eintritt in die zweite generation von kernkraftwerken einzuleiten, weil es kurzfristig keine alternative zur energieversorgung mit wasser und kernkraft als zentralen säulen gibt. für ursula wyss ist demgegenüber der momenten für den ausstieg aus der veralteten kernenerige gekommen. sie hofft, dass die 10 bis 15 milliarden, die mühleberg 2 kosten würde, voll und ganz in erneuerbare energiequellen investiert werden.

lisa stalder vom berner „bund“ leitet das podium geschickt. sie nahm die tagesaktualtität im abstimmungskampf auf, liess dann aber der grundsatzdebatte den nötigen raum. so diskutierte man kurz, warum das zwischenlager in mühleberg in den abstimmungsunterlagen nicht erwähnt sei. „nicht der rede wert“, meinte wasserfallen, da man alles gewusst habe. „wenig vertrauensbildend“, erwiderte ihm wyss. kontroverser waren die reaktionen auf die angeküpndigte reduktion der bkw zum anteil der erneuerbaren energien. „mit blick auf die abstimmung ungeschickt“, monierte wasserfallen, während pfisterer die sda kritisierte, unsachgemäss berichtet zu haben. von wollen keine spur, meinte er, von müssen schon, da es auch gegen solche projekte widerstände in der gesellschaft gäbe.

mehr als 100 personen verfolgten in der energiestadt wohlen die debatte zur anstehenden volksabstimmung im kanton mit nationaler ausstrahlung. der eine nachbar bern hat seine antwort schon im november 2010 gegeben und beschlossen, bis 2040 aus der kernenergie auszusteigen. dafür nimmt man ein gaskraftwerk in kauf. der andere nachbar, kkw-standort mühleberg, wird am 13. februar höchstwahrscheinlich gegenteiliges tun. entsprechend lavierte der wohlener gemeindepräsident knecht bei seinem votum zur volksentscheidung. er lobte firmen wie diese auf dem gemeindebann, warb dann aber kleinlaut für ein ja zum ersatz von mühleberg.

die reaktionen waren typisch, als das publikum zum wort kam: der geologe sprach davon, die technischen probleme mit der endlagerung radioaktiver abfälle seien im prinzip gelöst; verblieben sei nur das politische problem. der entwicklungshelfer wiederum monierte, die ängste der bevölkerung in der 15 kilometer-distanz zu mühlberg seien real; man habe jod-tabeletten für den ernstfall bekommen, aber keine informationen, was man im ernstfall tun müsse. der parteilose bürger wollte wissen, warum die kernkraftbetreiber keine versicherung über 2 milliarden franken schäden hinaus hätten, was bei einem unfall in der region kaum einen pappenstile der schäden decken würde. und der lokale unternehmer fragte sich, was geschehe, wenn angesichts steigender energiekosten der strom aus mühlberg 2 dereinst teurer sei als der aus wind- oder sonnenenergien.

urs muntwyler sah sich an diesem abend bestätigt. investieren müsse man in die photovoltaik, denn nur eneuerbare quellen würden den wachsenden bedarf an energie sinnvoll decken können, sagte er. die politik, lästerte der gleiche auch, werde angesichts wachsender rückstände auf das nahe ausland den wechsel nicht rechtzeitig bewerkstelligen können. doch mag die bkw ihm nicht folgen, will die energiesicherheit bis mindestens 2060 auf ihre art sichern.

das stimmvolk wird am 13. februar 2011 entscheiden.

stadtwanderer


Comments

2 Comments so far

  1. Ate on Januar 26, 2011 17:24

    Meinte Martin Pfisterer wirklich 400 Jahre? Nicht etwa deren 40 Jahre?

  2. cal on Januar 28, 2011 09:00

    jawohl, sonst hätte ich ihn aus der distanz falsch verstanden

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