der grössere teil der kapelle wirkt wie ein langhaus, dem versammlungszentrum der vikingersippen. spätestens die beiden drachen auf dem dach erinnern einen auch an eines ihrer legendären schiffe aus dem frühen mittelalter. den kleineren teil firmiert, genauso wie den eingang, ein kreuz, unzweifelhaft ein christliches. eine mischung, die typisch ist für alte kirchen am früheren pilgerweg des nordens.

stavkyrka heisst die kirche auf schwedisch, was auf deutsch stabkirche heisst. entstanden ist der name wegen der bauweise. denn die holzbalken werden nicht, wie in der blockbauweise waagrecht aufeinander gelegt, sondern senkrecht aneinander gereiht.

eingeweiht worden ist die stavkyrka von nygard bei ekshärad 2002 vom örtlichen bischof. erstellt haben sie handwerkern aus ekshärad – ein zimmermann und ein schmid waren dabei führend.

erbaut wurde sie nach traditionellen plänen der kirchen norwegens, die im 12. und 13. jahrhundert ihre blüte hatten. denn was rom für den süden, jerusalem für den osten, santiago de compostella für den westen war, das ist nidaros, das heutige trondheim, für den norden: der traditionsreiche sammlungsort für gläubige, die einmal im leben gott nahe sein wollten. und der weg hierzu war gekennzeichnet durch kleine gotteshäuser.

die stabkirche ist ganz aus holz gehalten, wie es sich für einen traditionellen treffpunkt auf dem land gehört. einzige ausnahme ist die platte auf dem altar, die aus einem seltenen stein der gegend geschlagen wurde. und der unterbau der kirche ist heute mit steinen unterlagt, damit das gebäude nicht fault.

die ausstattung im innern ist schlicht. drei kleine fenster geben ein wenig tageslicht, das während einer messe durch kerzen verstärkt wird. im hauptraum hat es genau drei bänke, eher für die touristInnen als für die gläubigen. denn die stehen während der ganzen dauer einer messen nach alter sitte. am imposantesten ist der dachstock. ein wenig luftigkeit kommt auf, wenn man ihn von unten erkundet. denn die baukunst des zimmermanns schwebt hoch über dem normalen besucher.

den oder die überrascht man in der umgebung der stabskirche mit einem kräutergarten, der ein wenig an eine frühchristliche präziose erinnert, wie sie in kontinentaleuropa von karl dem grossen gefördert wurden. da hat es alles, was einen erfreut, und im bedarfsfall auch wieder gesund macht(e). und es bereichert die örtliche biodiversität, was die zahlreiche schmetterlinge, hummel und bienen vor ort freut.

die guten zeiten der pilgerwege im norden waren zwischen dem jahr 1000 und 1500. die erinnerung an den heilig gesprochenen christlichen könig olav von norwegen bildete den anfang. mit der bildung des schwedischen nationalstaates unter könig gustav vasa kam dann jedoch das jähe ende. denn die seine lutheranisch gesinnten gottesleute hielten nichts mehr von dieser mittelalterlichen wanderungen. die meisten der kirchen in schweden verschwanden im 17. jahrhundert nach pestepidemien. heute entstehen sie neu, als teil einer europäisch verstandenen form der kulturbegegnung, eher touristisch als konfessionell ausgerichtet.

ein kleiner besuch, der es wert ist, auf den hügeln von nygard, hoch über der klarälv von ekshärad.

stadtwanderer


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