es ist ein schönes geburtstagsgeschenk, das am kommenden freitag auf mich wartet.

nächste woche, genauer genommen am 10. märz 2012, wird dieses blog 6 jahre alt. 1300 und ein paar zerquetschte beiträge zur geschichte, gegenwart und zukunft meiner lebensräume sind physisch und psychisch wandernd entstanden. bisweilen sprudelte es nur so neue posts, dann war es wieder ruhiger. das wetter spielt ein rolle, denn stadtwandern ist eine freiluftveranstaltung. es kommt aber auch auf meine innere verfassung an. denn nur wenn ich inspiriert bin, beobachte ich genauer als sonst, denke ich kreativer als normal und produziere ich beiträge, die es wert sind, verfasst zu werden. schliesslich, und das nicht zu kurz, kommt es auf die themen an, die mich umgeben und die ich aufnehmen und verbal, bildlich und textlich wieder veräussern kann. auch die sind nicht immer gleich einladend.

eine quelle des fragens und antwortens, des entdecken und wiedergebens sind und bleiben meine stadtwanderungen. oft genug für mich allein, bisweilen in begleitung, und immer wieder mit interessierten gruppen. am freitag, dem vorarbeiten des blog-geburis, ist wieder so weit: mit einer gruppe sozialwissenschaftlerInnen, vermittelt vom iri-institut in marburg, gehe durch berns gassen. angesagt ist der klassiker: wie bern zu demokratisiert wurde, wird gezeigt.

selbstredend ist das ja nicht, denn das ancien régime in der staat trug schon mal theokratische züge, wurde lange autokratisch regiert, bevor die demokratie einzug hielt. anders als in den länderorten der alten schweiz, ordnete sich die frühe „demokratisierung“ nicht rund um eine landsgemeinde. vielmehr bot die stellung des schultheissen anlass, gemeinschaftlich aktiv zu werden. etappen waren die etablieren eine kleinrates für das tagesgeschäft, eines grossrates würde die leitlinien der politik, ausgedrückt im geld, das die stadt einsetzte. das bestimmte den gang der dinge von der stadtgründung bis 1798. die helvetische republik, der grosse einschnitt, sollte eine gelenkte demokratie bringen, von frankreichs gnaden, die erste dann mit richtigem leben gefüllt wurde, als zu beginn der 1830er jahre die liberalen wirtschaftliche freiheiten für alle verlangten, die radikalen die demokratisierung der gesellschaft anstrebten, wenigstens für die neuen eliten, die sich ab 1848 freisinnige nannten, und die sozialen die ausdehnung des demokratischen gedankens auf arbeiterschaft und frauen beförderten.

das alles ist nicht nur für historisch bewanderte interessant; es entspricht auch einem globalen trend in der gegenwart. die demokratisierung der herrschaft hat, mitunter ihren der schweizerischen eidgenossenschaft, ihren siegeszug angetreten, der heute in über 150 staaten der welt veränderungen gebracht hat. die ist mit dem formalen übergang zur demokratie nicht überall das entstanden, was sich demokratInnen gewünscht haben. so macht das wort der demokratisierung der demokratien die runde: dazu gehört, gerade aus schweizerischer sicht, die frage nach chancen und risiken der direkten demokratie als erweiterung der vorherrschenden, repräsentativen, über die ich gerne mit meinen gästen am 9. märz 2012, aber auch darüber hinaus mit weiteren gruppen, die zwei stunden mit mir durch berns gassen wandern wollen, um sich der politischen veränderungen bewusst zu werden, diskutiere.

stadtwanderer


Comments

2 Comments so far

  1. Rene on März 21, 2012 14:19

    Das Gefaellt mir Button Plugin waere nuetzlich. Oder habe ich es uebersehen?

  2. Zoon Politicon on März 24, 2012 13:06

    […] Ach ja, darüber hinaus mache ich, vor allem in Bern Stadtwanderungen. Sie dauern zwischen 1,5 Stunden und einem ganzen Tag. Die Führungen sind immer zu einem Thema, meist historisch-polit-kultureller Natur. Es geht um die Raumgeschichte Berns, aber auch um Themen wie Demokratisierung der Oeffentlichkeit oder Wirkungen von Volksrechten. Diese “Vorträge” mache ich nur für Gruppe, zum Beispiel für ausländische Delegationen, Regierungen, Parlamentarische Gruppen, Kommission, Bundeshausredaktionen und Stadtberner Vereine. Mehr dazu hier. […]

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