Soeben ist Bern als Stadt gegründet worden. Damit wollten die Herzöge von Zähringen den Aareübergang sichern. Der war für die geplante Strasse durch das westliche Mittelland wichtig. Mit der wollten sie zwischen Rheinfelden und Lausanne Rhein und Rhone verbinden. Der Plan war für damalige Verhältnisse grossartig, aber er scheiterte am Wiederstand des Bischofs in Lausanne. Geblieben sind aber die zahlreichen Raststädten auf dem Weg aus denen mittelalterliche Städte werden.

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Zähringerbrunnen in Bern, an den Stadtgründer Ende des 12. Jarhrunderts erinnernd

Mit dem Aussterben der Zähringer 1218 wird Bern Königsstadt. 1415 wird sie Reichsstadt im Kaiserreich. Man wurde damit ein Stand, der selber entscheiden durfte, ob, für oder gegen wen man Krieg führen solle. Formal blieb das bis 1648 so.
Die Stadt Bern steigt im Mittelalter zu einem der führenden Stadtstaaten im Kaiserreich auf. Das war ausser in den Hansestädten und in Venedig unüblich Denn eine mittelalterliche Stadt ist ein Rechtsbezirk, der die Stadtbewohner vor dem Landadel rund herum schützte.

Die spezielle Geschichte kam so:
Erster wichtiger Einschnitt war die Pest. Sie erreichte Bern 1348/9. Viele Menschen starben. Bern entfremdete sich vom König und entwickelte einen Plan B. Man schloss sich anderen Städten in der Innerschweiz an, die sich zu einer Schwurgemeinschaft zusammengeschlossen hatten. Damit wollte man sich in unsicheren Zeit gemeinsam des Recht sichern.
Noch einmal versuchte der Kaiser Bern an sich zu binden. 1365 bekam Bern herzögliche Rechte und wurde eigentlicher Landesherr im Aaretal. Die Entscheidung fielt Ende des 15. Jahrhunderts. Die Eidgenossenschaft, gleitet von einer Tagsatzung, führte Krieg gegen die Nachbarn, siegte, bekam vom Kaiseraspiranten Autonomie zugesichert. Sie mischte sich in Italien in den Krieg der Venezier und Frankreichs gegen den Papst ein – und verlor. Damit brach die Einbindung in Kaiserreich zusehends auf.

Die Reformation brachte den zweiten Einschnitt. Die Spaltung zwischen Neu- und Altgläubigen lähmte das Land. Selbst die Tagsatzung traf sich zwischen Katholiken und Reformierten getrennt. Die Expansion stoppte Mitte des 16. Jahrhunderts.
Im grossen europäischen Krieg von 1616 bis 1648 verhielt sich die Eidgenossenschaft neutral. Am Ende nahm uns der Westfälische Friede vom Kaiserreich aus. Wir waren nun einen eigene Republik, wenn auch im Schatten Frankreichs.
Der Corpus Helveticum bestand aus 13 souveränen, lose miteinander verbundenen Orte und eine Reihe von Untertanenorten. Souverän waren 7 Stadtaristokratien und 6 Landsgemeindeorte. Von den Stadtaristokratien wurden 4 patrizisch geführt, sprich von reichen Landbesitzern, drei zünftisch, mit reichen Gewerblern an der Spitze.
Nach vier Konfessionskriegen schloss man 1712 Frieden. Die Reformierten sahen sich aber an der Spitze der Entwicklung. Das war die Republik. Demokratie war für sie etwas Hergebrachtes, abgeleitet aus den mittelalterlichen Volksversammlungen in den Länderorten.

Die Französische Revolution sorgte für den dritten Einschnitt. Sie brachte das moderne Staatsdenken in die Eidgenossenschaft, die so wenig dafür vorbereitet war. Deshalb hatte Napoléon zuerst ein leichtes Spiel. Halb Europa hat er neu geordnet, die katholische Kirche dazu. Gescheitert ist er aber am föderalen Denken, der ältesten Staatstradition der Eidgenossen.
Dennoch hat die nachfolgende Staatenbildung bis hin zum Bundesstaat stark beeinflusst. Geändert hat sie auch das Verständnis von Demokratie. Denn die Demokratie des 19. Jahrhunderts basiert im wesentlichen auf den Ideen der Aufklärung, der Revolution und des Liberalismus. Ihre Realisierung wurde zur Basis für den heutigen Bundesstaat.

Stadtwanderer

Weiter zu Teil 2.
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