anna feodorowna und die elfenau

eigentlich hiess sie juliane henriette ulrike von sachsen – coburg – saalfeld. doch unter diesem namen kennt man sie in bern nicht.

wenn man dagegen von anna feodorown spricht, dann machts schnell click: russische grossfürstin, verheiratet mit konstantin pawlowitsch, dem bruder von zar alexander i., und schwester des belgischen königs leopold i. sie kam, nach unglücklicher ehe und mit einem unehelichen kind von oberhofmeister rudolf abraham von schiferli, 1813 nach bern, erwarb 1814 die elfenau, pfelgte und hegte das landgut, das heute die stadtgärtnerei ist, bevor sie nach genf ging. vor ihrem tod kam sie nach bern zürück, wo sie 1860 verstarb.

sie machte aus der elfenau, der sie den namen gab, ein gut im empirestil mit englischem garten, ein zentrum für musik und ein treffenpunkt für die gehobene gesellschaft aus dem in- und ausland. später lebten andere bekannte künstler in der elfenau, so robert walser, bevor es 1928 der sitz der berner stadtgärtner mit eigenem bauernhof wurde.

heute ist die elfenau mit dem Naturschutzgebiet an der Aare eine der beliebtesten naherholungszonen der stadt bern, und seit neuesten auch schauplatz gehässigter kämpfe rund um die aarekorrektur und ihren folgen für die anwohnenden, besucherinnen badelustigen.

das alles nimmt stattland in ihrer neuesten führung durch berns geschichte auf. toll, – ein mutiger schritt an den rand der stadt und auch rand der tradierten geschichte bern! die führung ist stark personenbezogen, erzählt wird das private leben von anna, aber auch, was aus ihrem landsitz geworden ist. die ausführungen reichen bis in die nahe zukunft …

man hätte sich vielleicht ein wenig mehr geschichte gewünscht, was das für eine zeit war, als anna in bern lebte, was ihr schwager alexander für die verkleinerung des kantons bern auf dem wiener kongress getan hat, was der geist der restauration war, aber auch wie sich die stadt erstmals seit dem 30jährigen krieg wieder vergrösserte und wie zum aufstieg der eisenbahnen und die frühe industrialisierung kam, die das leben der adligen in bern und anderswo immer unzeitgemässer erscheinen liess. gerne hätte ich auch etwas vernommen von der geschichte des gutes, das mal das frauenkloser brunnadern war, und das sicher auch weitere zugänge zu den geschichten um die auenwäldern an der aare eröffnet hätte.

die sicherheit im text und auftritt kommt sicher noch, das programm mit dem beiden jungen schauspielerinnen ist aber jetzt schon eine bereicherung des stattland-programms. und wie der aufmarsch bei der prömiere gestern zeigte, auch ein echtes bedürfnis: rund 150 personen liessen sich durch anna feodorowna in der elfenau rumführen!

stadtwanderer

www.stattland.ch
www.bern.ch/stadtverwaltung/tvs/gaertnerei

cal

ich bin der berner stadtwanderer. ich lebe in hinterkappelen und arbeite in bern. ich bin der felsenfesten überzeugung, dass bern burgundische wurzeln hat, genauso wie ich. also bin ich immer wieder auf der suche nach verästelungen, in denen sich die vergangene kultur in meiner umgebung versteckt hält.

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