der tod von bär bruno beschäftigt mich immer noch. in schweden, wo ich gegenwärtig meine ferien verbringe, gibt es fast ueberall bären. das hat auch vorteile: man hat es nicht verlernt, mit ihnen umzugehen. in der schweiz, und in bayern!, weiss man das nicht mehr! deshalb verhält man sich auch ziemlich barbarisch, wenn ein bär auftaucht. die analyse des aktuellsten problemfalls aus der zivilisierten optik.

vernünftig bleiben

seit einigen Jahren leben in värmland wieder braunbären. sie sind vom norden her gekommen, und sie haben sich hier niedergelassen. die jungen männchen brauchen ihr eigenes revier, und deshalb dehnt sich die wachsende bärenpopulation auch räumlich aus. zwischenzeitlich sind es sogar mehrere bären in unserer gegend.

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gesehen haben wir die bären noch nie, weder in natur, noch medial. letzten herbst hat man hier erstmals offiziell zwei bären zum abschuss freigegeben. man wollte verhindern, dass sie sich weiter nach süden ausdehnen, – ins dichter bewohnte gebiet von schweden. ein ganz normaler vorgang für die menschliche zivilisation, die ihren lebensraum mit bären teilt.

als man die ersten bären hier wieder bemerkte, war das schon ein bisschen ein thema für die lokalpresse. doch das verhalten blieb sachlich: keine sensation, keine touristenströme, auch keine medien- und politikeraufmerksamkeiten. vielmehr erinnerte man sich an das normale verhalten gegenüber bären: an sich sind die bären eher scheu, und sie meiden den menschen. erst wenn man sie bedroht oder verführt, werden sie aggressiv. so verliess man sich darauf, dass es in schweden seit 200 jahren keine unfälle mehr mit bären gegeben hat. seit 1806 ist nie mehr eine zivilperson einem bären zum opfer gefallen. wenn es seither zu zwischenfällen kam, dann nur durch falsches verhalten, – in der regel von ungeschickten jägern.

deshalb hat man die bevölkerung bei der wiederkehr des bären auf die zentralen verhaltensregeln aufmerksam gemacht:

keiner bärin mit jungen zu nahe kommen;
keine lebensmittel unbewacht liegen lassen oder aufbewahren, und
keinem bären bedrohlich entgegen treten oder ihn erschrecken.

wenn man einen bären sieht, weiss er es in der regel schon, dass man in seiner nähe. deshalb gilt: kuehlen kopf bewahren und nicht davon rennen. geräusche von sich geben, ohne ihn erschrecken, und langsam davon davon laufen.

klar, ich weiss nicht, ob so kaltes blut hätte, wuerde ich einem bären begegnen, aber ich bin froh, solche verhaltensregeln schon mal zu kennen, wenn die möglichkeit besteht, mit einem bären in kontakt zu kommen!

schweiz: eine bären party draus machen

letztes jahr, als wir in die schweiz zurück kehrten, hatte man gerade eine riesengaudi mit dem verirrten bären aus slowenien. die sonntagspresse war voll davon, als wir in zürich landeten, und wir konnten die welt nicht verstehen. statt zurückhaltendem umgang wurde da ddie grosse bären-party gefeiert. das spektakel um den bären verführte übermütig gemachten menschen gar zur unvorsichtigen bärenpirsch. selbst gestandene vjs erlagen der versuchung: jede bewegung des bären wurde medial dokumentiert; ja, man konnte den jungbären live schritt auf tritt verfolgen. die touristenströme zur bärensafari ins engadin blieben denn auch nicht aus. die lokale 1. august-feiern verblassten, angesichts der überraschend ausgebrochenen fete.

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engadin: der bäre auf der flucht vor den fotojägern

nicht nur die medien bemächtigten sich des bären. auch die politiker mussten sich damals zu diesem und jenem äussern, obwohl niemand eine ahnung im umgang mit bären hatten. expertenstimmen wurden zwar zitiert, gingen aber angesichts des politmedialen gross-events fast ganz unter. lernprozesse wurden kaum ausgelöst. geendet hat das fest erst, als der bär unser land verliess.

bayern: endlich ein bärenfäll verteilen können

doch seine geschwister kamen wieder: technisch gesprochen als „ jj-1“, populär als „bruno“. damit beginnt der unterschied des barbarischen umgangs mit bären zum zivilisierten. nie hätte ein bär in schweden eine journalistische taufe erlebt, nie wurde er medial „personalisiert“, und nie zur lebenden ikone stilisiert. doch damit tappte der arme „bruno“, ohne es zu merken, in die moderne bärenfalle: der bär, den jetzt jede(r ) kannte, musste staatlich-administrativ erfasst werden: ein flüchtling? ein rebell? oder gar ein sozialfall?


bayern: eines der letzten bilder des bären

nein! „bruno“ mutierte umgehend vom schad-bär, wie man bären nennt, die andere tiere reissen, zum problem-bär, das heisst, zu einem tier, das auch für menschen gefährlich ist. und das war das signal, dass alle dämme der zivilisation brechen liess: jetzt brauchte es retter, die in der not, die menschheit vor grösserem schaden bewahrt!

keiner war in bayern, wohin sich bruno verirrt hatte, so prädestiniert, zum bären-helden aufzusteigen wie edmund stoiber:

er, der 2002 das fell des bären schon verteilt hatte, bevor das tier erlegt war.
er, der sich bei den damaligen bundestagswahlen schon mal als sieger feiern liess, um dann zu merken, dass schröders koalition ein paar stimmen mehr als seine hatte.
er, der 2005 wiederum siegesgewiss die latte für merkel auf über 50 Prozent legte, um auch ohne die fdp von münchen aus über berlin regieren zu können, um dann mit ansehen zu müssen, was für ein bumerang daraus gerade auch in bayern wurder.

er, der danach trotz päpstlicher unterstützung in der versenkung seiner eigenen csu verschwunden war, hatte nun die grosse chacne: dank „bruno“ nochmals zu einem grossen auftritt zu kommen. o-Ton stoi-bär: „Nun ham wir ähm ‚n normal verhaltende Bär lebt im Wald, geht niemals … äh … raus, und, äh, reisst vielleicht, äh, ein bis zwei Schafe im Jahr. Aeh … wir haben dann einen Unterschied zwischen dem normal sich verhaltenden Bär, dem Schadbär, und dem, äh, Problembär. Und … es ist ganz klar, dass … dass … dieser Bär … ein Problembär ist.“

rhetorisch wenig brilliant, sag ich da! aber kommunikativ ein glatter treffer! was dann kam, ist bekannt: der bär musste erlegt werden! und: endlich bekam edmund mit brunos haut ein bärenfell zum verteilen, ohne dass es eine demokratische wiederrede geben konnte!

die moral von der geschichte

ich bin froh, dass wir hier in schweden nicht so aufgebracht reagieren, wenn ein bär auftaucht. und dass wir, „äh, … keine politiker haben, … äh, die sich, … äh…, wegen ihren eigenen fehlern, ähm, noch etwas beweisen müssen, und … äh, so, … ganz klar, … zu problem-politikern werden!

bären-wanderer
(mit nägeln in der blechbüchse, wenn er allein im wald wandert)

bären in schweden (dt/sw)


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