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zur sozialforschung der pflastersteine

damit sind wir definitiv bei der sozialforschung der pflastersteine angelangt: soziologisches bewusstsein wird nötig, psychologische Kenntnisse sind von vorteil, diskursfähigkeit im team ist gefragt, bei gleichzeitig methodisches vorgehen, das sich aufdrängt: denn es geht um pfalstersteine als soziale haut. man nähert sich in dieser perspektive dem ort der (fast unmittelbaren) begegnung von mensch und stein. Der content dieser website ist ebenso unvollendet, wie das buch der historiker, das gespräch mit der politologin. Doch er hat schon einen arbeitstitel: „Stadterfahrung durch Pflastersteine. Möglichkeiten und Grenzen einer modernen Lebensform“. auf der homepage sind drei bilder von franz von assisi, max weber und niklas luhmann. Darunter die ersten textentwürfe: als erinnerung an die franziskanerklöster, wo man noch barfuss natur und kultur erfuhr. den click zum zweiten bild schafft man über einen birkenstockschuh, um dann zu lesen. Im wissen um die protestantische ethik, die die welt entzauberte, das subjekt rationalisierte und der moderne durch objektivierung der dingbar gewordenen objekte zum durchbruch verhalf. nur mit luhmann kann man noch nicht direkt kommunizieren, „under construction“ steht da vielsagend. Immerhin: ein pflasterstein steht zum unverbindichen anclicken da, um dann „Autopoesis des Kopfsteinpflasters“ aufblinken zu sehen und „Die Herausforderung der soziologischen Theoriebildung“ vorgesetzt zu bekommen. man ist froh, nicht weiter zu kommen „404 this page not found“ und beim gegenständlichen von max weber bleiben zu können, denn da geht es noch empirisch, das heisst einigermassen erfahrbar, halberwegs verständlich und mehr oder weniger plausibel zu und her.


foto: stadtwanderer (anclickbar)

„Buckelig“, hiesse der erste erkundungsbericht, den man sich herunterladen kann. es geht um das leben benachteiligter. von spitzen pflastersteinen ist die rede, von erosionen des untergrunds wird berichtet, über die unebenheiten des realen wird geklagt. da weiss jede und jeder: es geht um kopfsteinpflaster! um pflasterstrassen! um bsetzisteine! sie alle schaffen diskriminierungen, denen man sich in der viel beschäftigten alltagswelt oft zu wenig bewusst wird. erfahren wird man das erst, wenn man im rollstuhl sitzt, nach einem skiunfall oder aus altersgebrechlichkeit. doch dann wird man sehen, wie hinderlich pflastersteinstrassen sind. symbol der sozialen qual steht da im deutsch der sozialarbeiterInnen. doch es stimmt: man sitze gesund in einen rollstuhl und befahre diese buckeligen strassen, bewege die ganze körpermasse nur mit der bescheidenen kraft der eigenen arme. die kleinen vorderräder werden unkontrolliert herumzappeln, der rollstuhl wird nicht steuerbar sein, durch vertiefte wasserrinnen geführt werden, an erhöhte randsteinen anschlagen. selber wird man bis aufs mark vom kopfsteinpflaster geschüttelt werden, und entnervt aufgeben! test bestanden, steht auf der website zu lesen. gründen sie eine selbsthilfegruppe, um das sozialamt zu mobilisieren. aktivieren sie das sozialamt, um die stadtplanung zu beeinflussen. politisieren sie die stadtplanung, um die architekturschulen sensibilisieren! erleben sie die genese der kopfsteinpflaster-bewegung! Wahrlich, diese website fährt ein.


foto: stadtwanderer (anclickbar)

„ganz unten“ ist der zweite erkundungsbericht betitelt. eigentlich müsste man hier nicht mehr mit den augen, sondern mit der nase die virtualität und realität erkunden. denn es geht um abfall, den keine andere form der strassenbedeckung besser aufbewahrt als das kopfsteinpflaster. archäologie der pflastersteine hat foucault diese sektion des fachs schon mal genannt. es geht um die alltäglichkeit von kaugummis, drogenspritzen und zigarettenstummeln., sie alle finden sich im auf strassen mit kopfstein gepflästert zuhauf. Im schwang ist gerade das seminar zu „wende im sozialen“. die vorbereitungslektüre lieferte die bewusstseinsindustrie mit dem slogan „Rauchen schadet der Gesundheit“, nachgedoppelt hat das administrative system der gerichte, die den befund der aerzteschaft im streitfall bestätigt hat, und seither privatisiert die öffentlichkeit die sucht. um saubere kopfsteinpflaster zu bekommen, wird eine übung zu „Raucherstüblis“ veranstaltet. Es geht darum, für alle schichten, generationen und geschlechter in der passenden form den sozialen kontrolle zu finden. denn ein essay in den berliner heften „soziales pflaster“ hat jüngst darauf verwiesen, wie die zusammenhänge von sexualität, kultur und kopfsteinpflaster funktioniert. zunächst der typ „Schüchterner an der Bushaltestelle“, der schon lange und nur zu gerne mit der attraktiven frau von nebenan in kontakt getreten wäre, die zigarette stets bereit hält, für den fall, dass sie kommt, um nach feuer, „Feuer!“ fragen zu können, doch dann, welche katastrophe für das ich, als er nur ein achtloses „Da!“ zur streichholzschachtel hinzugefügt bekam, kein kuss sich ergab, der weiteres ermöglicht hätte, und der sich hier mit der bestrafung von natur und kultur revanchiert, indem er die noch ungebrauchte Zigarette auf das trottoir schmeisst. sodann den typ „wartende im strassenkaffee“, die umschwärmt und angebetet werden will und bis dies eintrifft, die ewigkeit des alleinseins mit lutschen am raucherstengel überbrückt, um dann, wenn sie erlöst werd, die zigarette flugs einzutauschen gegen das vielversprechende gespräch der augen und der hände; und schliesslich der typ „macho“, der sich seiner sexuellen macht bewusst über die gehsteige der stadt schlendert, bis ein fisch anbeisst, um der sich dann, als untrügerisch es zeichen des beginnenden vorspiels als erstes der zigarette zu entkleiden beginnt, die er auf die ühne des lebens schmeisst, sobald sie unwesentlich geworden ist. ja, „pflaster&stein“ hat unsere übungsteilnehmerInnen daran erinnert, wie wichtig kopfsteinpflasterstrassen sind, wie viele menschentypen froh sind, dass ihr persönlicher widerstand gegen das normative der gesellschaft irgendwo sichtbar aufbewahrt bleibt. Mehr dazu gibt es in der nächsten ausgabe, die man dann wieder runter laden kann.


foto: stadtwanderer (anclickbar)

vorerst muss man sich mit den dritten und letzten link „spuren zum sein“ begnügen. es geht um taubenkot und katzenfutter, um teddybären und menschenkleider, über die das kopfsteinpflaster regelmässig vermisstmeldungen erstellen könnte. doch nicht nur das: kopfsteinpflaster sind eine form von kunst. sie sind der restposten ornamentaler gestaltung in der westlichen welt, wie die reportage der hiesigen fachhochschule für visuelle kunst zeigt. zudem erschliessen einem farbkleckser in jeder form den strassenraum. da hat noch eben der maler von nebenan gewirkt, und mit wasser geputzt; hier hat die künstlerin aus dem dachstock ihre farben als szenische kunst auf die strasse fallen lassen. Es gibt städte, da werden die vorbeiziehenden touristen periodisch geduscht, um den speziellen witz des ortes zu erfahren. pflastersteinspuren sind manchmal noch unangenehmer: ist das nicht der rest der katze, die jüngst überfahren worden ist? und war das hier, wo letzte nach jemand erstochen worden ist? angenehmer ist es, wenn pflastersteine schöne plätze formen, die schon mal fotosessions für japanische modezeitschriften gesehen haben. überhaupt, wenn ein hauch von welt über die pflastersteine duftet, lebt man auf. da raucht einer mal wasserpfeife auf der kopfsteinpflasterstrasse, während vis-à-vis weinduft aus dem keller emporsteigt. ein blumenladen gestaltet den raum vor der eigenen türe mit schönen pflanzen, und der antiquar, der vergangenes wissen bewahrt, will mit weihrauch das strassengeschäft ankurbeln. bisweilen wird man überrascht, wenn selbst in der protestantischsten aller städte die kontrolle nicht mehr funktioniert, weil doch tatsächlich konfettis seitlich zum münster im kopfsteinplaster aufgebahrt von der letzten kinderfasnacht zeugen. spannend wird das pflaster bei brunnen. abflüsse gestalten die pflasterstrassen und lassen schon mal ein paar blumen platz, während sich bei zuflüsse oftmals metall und stein verbinden. tröge wieder gewähren an heissen tagen durstigen tieren einen kühlen schluck. am interessantesten ist es aber, die spuren des lebens von steinen selber zu bestimmen. frisch gepflästerte steinstrassen erkennt man sofort daran, dass sie wie hunde aussehen, die gerade aus dem coiffeursalon kommen. altes Pflaster dagegen ist abgewetzt, hat panzerspuren, ist von tramerschütterung zerfallen, ist mit gummistreifen auf bremsmanövern überzogen oder wurde immer wieder mit kies überdeckt. gleichsam höhepunkt der sozialforschung auf pflastersteinstrassen ist es, wenn namen eingraviert wurden. „Therese Schlicht“, ist da schon mal zu lesen. und wo man hinschaut. jedem stein seine person. jeder person ihren stein. gott sei dank ist letzte die unpersönlichkeit des steins verschwunden, und die endlichkeit der person verewigt.


foto: stadtwanderer (anclickbar)

petrus, du bist der pflastersein, auf den ich meine kirche gebaut habe, suche ich allerdings verzweifelt immer noch.

stadtwanderer

vorwärts zum ende (schluss mit pflastersteinen)


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