wie heissen die drei nobelpreisträger, die in bern gelebt haben?

. natürlich, albert einstein, für die relativitätstheorie,
. wahrscheinlich, kocher theodor oder ähnliches, für medizin,
. hmmmm, und dann …

das vergessene vorbild …

das sind die typischen reaktionen auf meiner stadtwanderung. um die hirnzellen ein bisschen zu aktivieren, erlaube ich mir jeweils, die gestellte frage an mein publikum zu richten. und siehe da: weder heutige bundesprlamentarierInnen, noch fdp-mitglieder, ja, selber heutige mitglieder des bernischen regierungsrates können die dritte antwort normalerweise nicht geben.


leider fast ganz in vergessenheit geraten: friedensnobelpreisträger von 1902, charles-albert gobat aus dem bernischen tramelan (foto: ein jahrhundert friedensnobelpreise)

bisher hatte ich gerade einen teilnehmer, der die grosse ausnahme bildete: ein philosoph, ein bundesbeamter, ein direktor der verwaltung, – aber alles die gleiche person …

leben und werk

der erste berner überhaupt, der einen nobelpreis bekam, war charles-albert gobat. 1902 wurde er für sein engagement in der vermittlung zwischen romanen und germanen mit dem friedensnobelpreis geehrt.

nie gehört? vielleicht. nie bemerkt? nur nicht bewusst:

. standen sie schon mal vor der universität bern?
. haben sie schon mal das historische museum besucht?

dann sollten sie eigentlich immer auch an charles-albert gobat denken! denn er ist der begründer des 1894 eröffneten berner geschichtshauses, und unter seiner leitung als berner erziehungsdirektor wurde die heutige universität 1903 eröffnet.

charles-albert gobat wurde 1843 in tramelan, im berner jura, geboren. er verschied 1914 in bern. er war gelernter dr. iur. der universität heidelberg, privatdozent in bern, praktizierte aber fast sein leben lang als enegagierter politiker und sachwalter des friedens.

der politiker

gobat startete seine politische laufbahn 1882 als freisinniger grossrat des kantons bern. umgehend wurde er regierungsrat, später auch bernischer verfassungsrat und ständerat. von 1890 bis zu seinem tod war er schweizerischer nationalrat.

zunächst stand er der erziehungsdirektion vor; unbestritten sind seine verdienste um die bernische schulreform und die reorganisation der lehrerbildungsanstalten. eingesetzt hat er sich auch für die materielle besserstellung der lehrkräfte. an der berner universität versuchte er, den zugang unter auslassung der antiken sprachen zu öffnen. 1906 wechselte er nach protesten konservativer-xenophober kräfte gegen seine hochschulpolitik, die ausgesprochen frauen- und ausländerfreundlich war, in die direktion des innern, die er bis zu seinem ausscheiden aus der berner regierung 1902 führte.

der friedenskämpfer

bereits 1889 gehörte der radikale gobat zu den teilnehmern der pariser gründungsversammlung der «Interparlamentarischen Union». ihr ziel war es, bei internationalen konflikten durch die einsetzung von schiedsgerichten zu vermitteln. 1892 brachte gobat die 4. konferenz der „ipu“ nach bern. hier wurde ihm die leitung des neu gegründeten zentralbüros der union übertragen, die er bis zu seinem tode inne hatte. 1906 übernahm er auch die leitung des «Internationalen Friedensbüro» und war einer der einflussreichsten sachwalter des friedens. auch das „Bureau International Permanent de la Paix“ erhielt 1910 den friedensnobelpreis; gobat hatte den preis so direkt und indirekt bekommen.

charles-albert gobat war damals schon träger des friedensnobelpreises, den er am 10. dezember 1902 zusammen mit seinem genfer freund ducommun für ihr wirken in der ipu erhalten hatte. seine so gestiegene bekanntheit nutzte er, um sich überall für den frieden einzusetzten. 1904 wurde von theodore rooselvelt im weisen haus empfangen. sein ganz besonderes, persönliches interesse galt der vermittlung zwischen frankreich und dem deutschen reich. in seinen pazifistischen anstrengungen wurde er stets tatkräftig von seiner tochter marguerite unterstützt.

der buchautor

als politiker schrieb er fünf viel beachtete bücher zur geschichte: zunächst intervenierte mit seiner „République de Berne et la France pendant les guerres de réligion“ im kulturkampf, in dessen verlauf er selber allen konfessionellen zugehörigkeiten entsagte. zur jahrhundertwende erschien auch seine populäre „Histoire de la Suisse, racontée au peuple“. 1904 publizierte er seine eindrücke über den usa besuch unter dem titel „Croquis et impressions d’Amérique“, 1910 die Uebersicht über das friedensbüro („Développement du Bureau international permanent de la paix“) und ein jahre darauf eine in strasbourg erschienene perspektive für europa („Le Cauchemar de l’Europe“).

würdigung einer markanten figur

am 16. märz 1914, kurz vor ausbruch des ersten weltkrieges, verstarb der einzige schweizer politiker, der für sein internationales wirken mit dem friedennobelpreis ausgezeichnet wurde. den ersten weltkrieg hat er nicht mehr mitbekommen. die trauerfeier fand in der aula „seiner“ universität statt, die ihm 1903 der ehrendoktor verliehen hatte. begraben liegt er im bremgarten friedhof.

sicher, ein mahatma gandi war auch charles-albert gobat nicht, selbst wenn die website „betterworldheroes“ ghandi, gorbatshev, galtung ung gobat in einer linie nennnt. aber eine weit herausragende figur der bernischen, schweizerischen und europäischen politik, die versuchte, das unmögliche möglich zu machen, war er schon. allein dafür würde er auch heute unser achtung verdienen.

das schicksal wollte es, dass es nicht dazu kam: gobat kam aufgrund der grossen berner staatskrise in den 1880er jahre in die politik. die bewältigung der vorübergehend „regierungslosen“ zeit im freisinnigen staat, der kulturkampf und die intergation des juras in den kanton bern waren die grossen herausforderungen während seiner innenpolitischen arbeit. wäre er hier stehen geblieben, würde er heute sicher in der freisinnigen ahnengallerie hängen.

doch er blieb es nicht: er nutzte seine starke stellung als regional- und landespolitiker, um sich als kosmopolit und europäer für den frieden einzusetzen. genau das machte ihm das leben schwer: weltpolitisch war er eine referenz, innenpolitisch jedoch ein problem. gerade in bürgerlichen kreisen, aus denen er selber stammte, ohne jedoch die übliche politische ochsentour gemacht zu haben, sah man in ihm einen hochtrabenden spinner, einen unkonventionellen parteigänger der linken, einen selbstsüchtigen phantasten ohne schweizerische bodenhaftung. selbst den freisinnigen seiner zeit war er, wie das historischer lexikon der schweiz festhält, stets „eine art freigeistiger Mitläufer des Sozialismus“.

das ist es denn auch, was ihn, die herausragende figur in der mediokratie, so rasch und gründlich vergessen gemacht hat.

… und das heutige ebenbild?

und wo stehen wir heute? wenn ich nach einem heutige pendant zu charles-albert gobat suche, finde ich spontan niemanden. der politikertyp von gobat ist verschwunden. immerhin, es gibt sie auch heute noch, die ambitionierten kömpferInnen für eine andere welt: unsere heutige aussenministerin michéline calmy-rey steht gegenwärtig sicher an erster stelle. engagiert ist sie, die stimme der schweiz in europa und der welt wieder hörbar zu machen auch. ihr fehlt es aber, fast wie gobat an innenpolitischer abstützung. nicht das sie im volk unbeliebt wäre; man schaue sich nur die leserbriefspalten an! aber unter den politikern grassiert immer noch der gleiche neid, die gleiche konkurrenz, die auch schon gobat zermürbt hat.

vielleicht bräuchte es ein gemeinsames mutiges wort von all jenen, die einen teil des erbes von gobat heute verkörpern: vom feinsinnigen juristen gilles petitpierre, vom unkonventionellen jurassier regierungsrat jean-françois roth und vom linken pazifisten peter hug. vielleicht würde so überhaupt wieder die innenpolitische voraussetzung geschaffen, dass die schweiz für einen friedensnobelpreis wieder in frage käme.

dem vergessenen charles-albert gobat würde es zur späten innenpolitischen ehre gereichen, nach gut 100 jahren eine würdige und erfolgreich, schweizerische nachfolge zu bekommen!

stadtwanderer

ein jahrhundert friedensnobelpreise

betterworldheroes


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