alle politikerInnen sind am wochenende nach flims gefahren. das sind, von bern aus, glatt 230 kilometer. mit der gleichen distanz kommt man, in umgekehrter richtung, locker ins burgundische. und das hab ich an diesem (verlängerten) wochenende gemacht. mit gewinn, würde ich sagen; schade nur, dass ich nicht so lange ferien machen kann wie die politikerInnen flims …


erzählte landschaft: gite lafontaine in bantanges, saone&loire, bourgogne (fotos: stadtwanderer, anclickbar)

die schweiz ist klein. man denkt sich, alles sei um die ecke. und man weiss es: von bern bis zürich geht es schnell, und nicht viel länger hat man von zürich nach chur; flims ist dann nur noch ein katzensprung. bei reisen ins ausland sieht das schon anderes aus: an sich weit, und an sich fern. doch das stimmt nicht: pontarlier ist von bern aus näher als zürich, lons-le-saunier ist weniger weit als chur, und der weg nach bantanges kürzer als flims!

zweigt man in bantanges nach süden ab, gilts nur ein schild zu beachten: 800 m zum „Gite LaFontaine“, – das gästehaus von barbara und peter aeschlimann. beide sind aus bern, haben hier lange zeit gearbeitet und vor einigen jahren beschlossen auszuwandern. ein haus in burgundischen landen haben sie erworben und es mit viel engagement zum wunderbaren gästehaus umgebaut.

das klima in der gegend ist mediteran, die landschaft ist fast überall eben, und die zimmer sind ländlich-modern. das frühstück ist reichlich, und das nachtessen ganz persönlich: aeschlimanns kochen für ihre maximal 14 gäste jeden tag selber, – wenn’s geht, mit produkten aus der region. auch den weinkeller haben sie selber zusammengestellt, und empfehlen jedem gast einzeln, was auf ihre wünsche passen könnte.

die meisten besucherInnen stammen bis heute aus der schweiz, aus gross-bern könnte man sogar sagen. denn das „LaFontaine“ ist zu einem geheimtipp für burgund-ausflüglerInnen geworden, die es unter freunden weiter empfehlen: feuerwehrleute, pensionierte beamte, geschiedene frauen, nordic walkerInnen und kulturinteressierte schweizerInnen finden hier eine attraktive bleibe, um sich ein paar tage (oder auch länger) zu erholen, zu baden, in der prärie spazieren zu gehen oder bis naturschutzpark rad zu fahren.

wer zudem automobil ist, kommt in der umgebung voll auf seine rechnung; cuisery ist die stadt der unendlich vielen buchhandlungen, tournus der mittelalterliche ort mit der ältesten romanische kirche in der frankreich, und chalon-sur-saone bietet zum shoppen (fast) alles. gut erreichbar sind solutré, der felssporn, bei dem die urzeitliche pferdejagd stadtfand, cluny, das führende mittelalterliche kloster, und die weinstrasse von macon bis beaune, wo man sich gezielt eindecken kann.

und wer dann noch noch nicht genug erlebt hat, der geht am montag morgen nach louhans auf den markt: 157 arkaden zählt die kleinstadt, so 1570 besucher dürfte der markt mindestens haben und mindestens 15700 hühner, gänse und hasen dürften bei jedem markttag den besitzer wechseln …

so nahe, so lebhaft und so sympathisch ist „burgund“, – die geschichtsträchtige gegend, die immer noch diesen namen trägt. mehr verbunden sind wir mit ihr, als wir uns bewusst ist; die alte burgundia reichte von arles im süden bis langres im norden und von nevers im westen bis wimmis im osten. hätte bern damals schon bestanden, wäre es teil des frühmittelalterlichen königreiches gewesen. auch adelheid, meine lieblingskaiserin, verkehrte auf dem weg bümpliz nach chalons mit dem pferd, und berner söldner marschierten schon mal zu fuss dorthin, um arbeit zu finden. da kann selbst adrian von bubenberg nicht fehlen, der sich in der gegend mit karl dem kühnen traf, um mit seinem jugendfreund den einen oder andern bubenstreich auszuhecken …

ich kanns nur empfehlen, sich gleich bei äschlimanns anzumelden … denn verweilen, geniessen und erholen muss man sich schon selber!

stadtwanderer

ps:
ok., in zwei wochen gehe ich auch nach flims, viel weiter als nach bantanges ist es ja nicht…


Comments

2 Comments so far

  1. Danielle on Juni 25, 2007 22:46

    Lieber Stadtwanderer
    Du hast vollkommen Recht, Flims ist mir als Bernerin fremder als die Bresse Рvor allem emotional. Auf deinen Blog bin ich via la G̨te La Fontaine gestossen, das von Aeschlimanns zum Verkauf ausgeschrieben ist.
    Wünsche dir weiterhin gut wander in der engen, verbetonierten Schweiz – vielleicht ziehts dich bald wieder in fernnahe Lande…
    Liebe Grüsse aus dem Thurgau, wo viele Berner gestrandet sind…

  2. stadtwanderer on Juni 27, 2007 13:22

    liebe danielle
    danke für die einschätzung, und auch für die info aus bantanges, auch wenn sie schlecht tönt. ich bin schockiert, dass es den aeschlimanns zwar wirtschaftlich gut, aber belastungsmässig beschränkt gut geht.
    ich werde mich direkt an sie wenden, und die besten wünsche ins burgund senden!

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