mein barbora-tag

Dezember 4, 2006 | 2 Comments

heute ist barbara-tag. bei mir ist das der barbora-tag. warum erzähl ich gleich!

die heilige barbara ist in unseren breitengraden mit der pest populär geworden. seit dem 14. jahrhundert ist sie die schutzpatronin der sterbenden, und sie wird in der regel mit kelch und turm dargestellt. der kelch ist das symbol für die letzte kommunion, welche die sterbenden von ihr erhalten. im spätmittelalter wurde die katholikin so beliebt, dass man sie zu den 14 nothelfern aufnahm; das waren 2 mal 7 schutzheilige, welche volkstümliche verehrung fanden, dafür in allen schwierigen lebenslagen helfen sollten.


barbara mit der christlichen turm/kelch-symbolik

das märtyrium der christin barbara

der legende nach war barbara die tochter des reichen griechischen kaufmanns diocuros, der in nikomedia, dem heutigen izmid am bosporus, lebte. sie selber soll von überragender schönheit, gelehrtheit und überragendem verstand gewesen sein. deshalb liess der konservative vater die tochter in einen turm einsperren, um sie vor jungen bewerbern zu schützen. anders als ihr vater – ein getreuer anhänger traditioneller römischer sitten – neigte die tochter zum christentum, das damals aufkam, aber noch keine anerkannte religion war. während einer reise des vaters liess barbara den turm, indem sie lebte, umbauen; er erhielt, gut sichtbar, ein drittes fenster. dem vater gestand sie, das als zeichen der christlichen dreifaltigkeit von gott vater, sohn und heiligen geist veranlasst zu haben. selber habe sie die christliche taufe empfangen.


die hinrichtung von barbara von nikomedia durch ihren egienen vater im jahre 306, darstellung aus dem 15. jahrhundert

wegen ihrer abtrünnigkeit von römischen sitten wurde barbara gefoltert, verstümmelt und zur schau gestellt. dabei soll sie von einem engel geschützt worden sein und überlebt haben. der römische statthalter von nikomedia befahl darauf hin 306 nach christus ihren tod durch das schwert, den der vater selber vollstreckte. der legende nach verstarb auch er unmittelbar danach, von einem blitz getroffen.

die christenverfolgung unter römischen kaisern

um die umstände barbaras leben zu verstehen, muss man ihren märtyrertod in die römische geschichte des 3. und 4. jahrhunderts einordnen.


nikomedia, das zentrum der christenverfolgung unter diokletian, wo auch barbara bis 306 lebte, liegt am östlichen bosporus, und heisst seit der osmanischen eroberung izmid (nicht zu verwechseln mit izmir am mittelmeer)

alles begann mit einem paukenschlag. kaiser valerian unterlag mitte des 3. jahrhunderts gegen die perser und verstarb in gefangenschaft. im westen des riesigen reiches brach darauf hin der fast flächendeckende einfall der germanen aus. sonderreiche mit usurpatoren entstanden in ost und west. damit verbunden brach eine massive religiöse krise aus, die den glauben an die traditionellen götter erschütterte.

erst unter kaiser diokletian gelang es, das reich von grund auf neu zu organisieren: höhepunkt dieser entwicklung war die 293 eingeführte tetrarchie, mit dem der senat in rom ausgeschaltet und eine eigentliche monarchie eingeführt wurde. ein kaiserkollegium, bestehend aus je einem augustus in ost und west und je einem stellvertreter, caesar genannt, führte das heer und die verwaltung, resp. verteidigte die jeweiligen grenzen gegen perser und germanen.

gleichtzeitig restaurierte diokletian den alten götterglauben, das eherecht und verlangte, abweichler und ungläubige zu verfolgen. so liess er 303 die christliche kirche neben dem kaiserpalast von nikomedia zerstören und löste damit eine welle der christen verfolgung aus. unter maximinus, dem caesar für den osten, entwickelte sich diese zum religiösen fanatismus. in jeder provinz wachte ein römischer oberpriester darüber, und in jeder stadt gab es einen römischen priester, der den aufkommenden vorstehern der christlichen gemeinschaften paroli bieten sollte. beliebt war es, die ganze bevölkerung zum opfern von tieren und getränken aufzurufen; wer sich widersetzte, risikierte viel: er oder sie wurde verfolgt, gefoltert oder hingerichtet. wer das überlebte, wurde häufig zu zwangsarbeit, vornehmlich in bergwerken, verpflichtet. höhepunkt dieser entwicklung war das jahr 306.

die volkstümliche erinnerung an barbara

die erinnerung an barbaras leid blieb wach. die katholische kirche erreichte nur 7 jahre nach ihrem tod die anerkennung als römische religion. kaiser konstantin stützte sich ausdrücklich auf sie, um das machtsystem von diokletian rückgängig zu machen. kaiser theodosius erhob das christentum am ende des 4. jahrhunderts gar zur einzig anerkannten staatsreligion. und nach dem untergang des weströmischen reiches trat das papstum an seine stelle.

in rom in der kirche st. maria antiqua entstand 705 nach christus das erste bild von barbara. Beliebt wurde sie im 14. jahrhundert, als die pest das heilige römische reich, wie es sich zwischenzeitlich nannte, erschütterte. seither umranken zwar viele legenden die figur barbaras, doch ist sie aus dem volksleben nicht mehr wegzudenken. licht und obstzweig sind zu ihren neuen symbolen geworden.


gothische kirche von kutna hora, im böhmischen bergbaugebiet speziell der svata barbora geweiht

besonders in sachsen, schlesien und böhmen wurde barbara die schutzpatronin der bergleute. wie die heilige in ihrem turm eingesperrt war und nach licht dürstete, dürsten die bergleute bis heute in ihren engen stollen nach dem barbara-licht. in böhmen wiederum heisst barbara barbora. das ist noch viel spezieller!

und das führt mich zu meinem barbora-tag. so werde ich am abend, dem brauchtum folgend, einen zweig von einem obstbaum schneiden gehen, in eine vase mit warmem wasser stellen und hoffen, dass der zweig mit neuem leben erfüllt wird.


obstzweige als volkstümliche barbara-symbolik

die katholische kirche sieht das als beginn des advents, der rückkehr christus, um die welt zu erlösen. selber zweifle ich ein wenig daran, denn die symbolik des turm kann man auch anders deuten: dieser schützte barbara nicht davor, dass sie mit obstzweigen in berührung kam. so stark ist die natur. und das ist das geheimnis des immer wieder erwachenden lebens, das sinnbild für menschliches reifwerden. wie in einem zweig sind auch in jedem menschen vielfältige entwicklungsmöglichkeiten verborgen. es kommt nur darauf an, jene lebensbedingungen zu finden, die die anlagen zum blühen bringen.

stadtwanderer

ps:
zwischenzeitlich habe ich kutna hora und die kirche, die der heiligen barbora gewidmet ist, selber besucht; hier mein bericht.


Comments

2 Comments so far

  1. sylvia on Dezember 6, 2006 11:31

    …nehme an, der Barbora-Blog ist nur für Insider gedacht;-) – das warum? erzählst Du nämlich nicht, wie versprochen! ich wage zu vermuten, Du hast Deiner Barbora einen ganz speziellen \"Zweig gewunden\"!

  2. stadtwanderer on Dezember 7, 2006 09:44

    tja, an sich ist das blog ueber den barbara tag an sich. was es mit dem barbora tag an sich zu tun hat, habe ich versucht am ende zu erklären: volkstümlich ist der tag an sich unter aller christlichen durchdringung und überformung zum trotz(katholische notfallapotheke!) nicht wegzudenken. die verarbeitung des themas im spätmittelalter ist aber regional unterschiedlich ausgefallen. gerade in böhmen, ist barb-o-ra in bergwerkgebieten bliebt und wird sie, wie in kunta hora, speziell verehrt. diese verehrung wiederum hat sich nach bern/hinterkappelen verschlagen, und wird dort weiterhin gepflegt, an und für sich …

Name (required)

Email (required)

Website

Speak your mind