gerade wenn man sich der unterschiede zwischen schweden und der schweiz bewusst wird, sollte man eine wichtige gemeinsamkeit nicht vergessen: wie frankreich steht auch das königreich schweden am anfang der völkerrechtlichen unabhängigkeit der eidgenossenschaft vom kaiserreich. aus eigener kraft wäre das nicht geschehen, nur dank der hilfe zweier monarchien, die den kaiser schwächen wollten, erinnert sich der stadtwanderer an diesem regnerischen sonntag, über seinem historischen atlas des nordens brütend.

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1648 ging der 30jährige krieg zu ende, in dessen verlauf zuerst böhmen, dann dänemark, schliesslich schweden und frankreich gegen den kaiser antraten. der krieg, der in prag auf der burg mit dem fenstersturz der habsburgertreuen verwalter begann, endete nur wenige kilometer davon entfernt auf der karlsbrücke der böhmischen metropole mit einem vergleich: der kaiser blieb nominell oberhaupt des reiches, faktisch beschränkte sich sein einfluss hinfort aber auf die habsburgischen erblande, während sich in den übrigen reichsgebieten eine vielzahl von fürsten mit unterschiedlichsten titeln durchsetzten. auf druck von frankreich und schweden, die den verheerenden 30jährigen bis zum letzten geführt hatten, wurden auch die grenzen des „heiligen römischen reiches deutscher nation“ neu geregelt.

während die spanische niederlande, lothringen, das elsass, die freigrafschaft und mailand im reich, aber unter verwaltung des spanischen königs blieben, wurde die eidgenossenschaft dank der unterschrift der französischen und schwedischen verhandler und des basler bürgermeisters aus dem reichsverband ausgegliedert. sie sollte von nun an als eigener staatenbund der 13 orte und ihrer verbündeten bestehen, den die tagsatzung führte. nur wenige gebiete in der eidgenossenschaft, namentlich katholische klöster wie engelberg, verharrten bis zum wiener kongress von 1815 beim reich.

der einfluss der beiden garantiemächte auf die eidgenossenschaft entwickelte sich in der folge unterschiedlich. das königreich schweden, welches damals das heutige finnland und die baltischen staaten umfasste und beim heutige norwegischen trondheim kurz auch an den atlantik grenzte, konzentrierte sich auf seine grossmachtpolitik von frankfurt bis konstantinopel und kiev. es wurde zuerst von russland, das unter peter dem grossen aufstreben sollte, militärisch besiegt, bevor ihr kriegerkönig karl xii. in norwegen den tod fand. Damit endete die schwedische grossmachtpolitik auf dem kontinent anfangs des 18. jahrhunderts weitgehend.

frankreich wiederum rückte unter karls xii. zeitgenossen könig ludwig xiv. seine grenze immer mehr nach osten. so kamen die freigrafschaft, das elsass und lothringen unter die französische krone. auch die eidgenossenschaft blieb von dieser verlagerung nicht unbeeinflusst: geschwächt durch den grossen bauernkrieg im mittelland, aber auch durch die erneute niederlage der reformierten gegen die katholischen orte in der ersten schlacht von vilmergen, geriet sie immer mehr in den französischen einflussbereich. höhepunkt dieser französischen ansprüche war der soldvertrag von 1667, der in paris abgeschlossen wurde und als ausrichtung der eidgenossenschaft auf die französische krone gelten kann, die bis zum wiener kongress gültigkeit behalten sollte.

am anfang der unabhängigkeit vom reich steht jedoch der westfälische friede von 1648, der mitunter wegen der schwedischen kontinentalpolitik zustande kam. heja, sverige!

hej då,

stadtwanderer


Comments

3 Comments so far

  1. walko (walter r. kopp) on Juli 16, 2008 21:19

    bis anhin wusste ich lediglich, dass der wiener kongress 1814/15 die grenzen der heutigen ch festlegte und je nach verhandlungsverlauf auch eine andere ch-grenzziehung z.B. zugunsten von frankreich oder italien möglich gewesen wäre.

    mit ihrem lesenswerten historischen überblick über den westf. frieden bestätigen sie, wie abhängig das „einig volk von brüdern“ von grossmächten war, die heute wenn auch in anderer politischer und geografischer form der eu angehören.

    weshalb wird z.b. von der auns und anderen nationalistisch gesinnten diese historischen fakten bei ihren argumenten gegen die eu nicht berücksichtigt?

    wünsche im weiten sveridge weiterhin erholsame aus- und einblicke.

    herzliche grüsse walko

  2. stadtwanderer on Juli 19, 2008 13:58

    hej walko!
    das ist ja fast schon wie wandeer.
    schön, ich da wieder etwas beigetragen haben.
    ja, 1815, hat man eine verbindliche grenzziehung rund um die schweiz (und in der schweiz vorgenommen), die im wesentlichen heute noch gelten.
    die scheizerische eidgenossenschaft ist aber schon deutlich davor, schrittweise aus dem kaiserreich herausgefallen:
    1648, wie gesagt auf französisch-schwedischen druck, die sog. exemption (herausnahme aus dem reich)
    1499, wie im alten stadtwanderer auch schon ausgefuehrt, mit dem autonomiestatut im reich, das kaiser maximilian der eidgenossenschaft´nach dem schwabenkrieg (der im reich schweizerkrieg hiess).
    vorher gibt es keine gemeinsamen regelungen, es gelten, in unterschiedlich starkem masse das lokale und das kaiserliche (resp. königliche) recht, das regelmässig bestätigt werden musste.
    der kaiser, der nach seiner wahl und salbung einen umritt durch sein reich machte, um sich huldigen zu lassen, kam in der regel nach basel, und die eigenossen, die sich ihre „alten“ rechte neu bestätigen lassen mussten, hatten bis dahin zu reiten!

  3. walko (walter r. kopp) on Juli 19, 2008 21:50

    herzlichen dank für historisch erweiterten durchblick.

    das mit dem walken ist zwar step by step auf gutem wege. beim aus- und herumwandern sind zwei krücken, es ist paradox, leider nicht die mobilste unterstützung.

    der mentale support vom wanderprofi aber gibt anschub für das wanderziel, autonome mobilität, und das tut der psyche gut.

    wünsche walkseits beste routenwahl.

    grüessli
    walko

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