zu allererst bin ich humanistin. dann araberin, schliesslich muslimin. und bei alledem bin ich frau. das sagt elham manea, erfolgreiche buchautorin über sich selber. und fordert eine aufklärung im islam, mit der die menschenrechte über die religion und ihre gesetze gestellt werden sollen.

0001853349_0001_170geboren wurde elham manea im jemen, studiert hat sie in kuweit, zur doktorin der politikwissenschaft wurde sie in den usa. in washington lernte sie auch ihren mann kennen, mit dem sie seit einigen jahren in bern lebt. tagsüber arbeitet manea an der universität zürich als dozentin, abends schreibt sie bücher. oder liest daraus.

der humanistische islam ist ihr grosses thema. am anfang, erzählt sie bei einer lesung in der bibliothek in hinterkappelen, wollten nicht einmal ihre verwandten mit ihr darüber sprechen. doch jetzt ist alles ganz anderes. manea vesteht sich als teil einer bewegung für einen aufgeklärten islam, der namentlich unter intellektuellen in europa und in den usa anhängerInnen gefunden hat. einmal jährlich trifft man sich in berlin zu einer konferenz, um die gemeinsamen positionen zu diskutieren.

ich will nicht mehr schweigen„, heisst ihr buch selbstbewusst, aus dem sie auf einladung der reformierten kirchgemeinde wohlen berichtet. entstanden ist es als aufschrei über die ermordnung des filmemachers theo van gogh, der sich kritisch mit dem islam in den niederlanden auseinander gesetzt hat.

schnell wird klar, was sache ist: die menschenrechte stehen im zentrum ihrer lebensauffassung. sie gelten universell. ihre geburtsstunde sei sehr wohl in europa, in der französischen revolution. doch sind sie in der heutige gültigen form durch die uno erkämpft worden. sie müssen überall durchgesetzt werden.

die menschenrechte lassen sich mit dem islam vereinen, sagt manea in bewusster abgrenzung zu vielen, die religionen unverändert über das universelle recht stellen. die schweizerin grenzt sich auch vehement gegen professor christian giordano ab, der vor jahresfrist vorschlug, für immigrantInnen muslimischen glaubens die scharia zuzulassen. in ihrer lesung erzählt sie deshalb auch das beispiel, wie die kanadische regierung 2004 genau das einführen wollte und wie sie die absicht nach protesten vor allem von musliminnen zurücknahm.

ihr humanistischer islam hilft manea auch, ganz praktische fragen zu beantworten. kopftücher für kinder sind falsch. bei erwachsenen gibt sie eine differenzierte antwort. frauen müssen das recht haben, sich selber für oder gegen das kopftuch zu entscheiden, ohne zwang ihres mannes oder erwartungen der familien. selber tritt sie ohne auf und findet, musliminnen in öffentlichen ämtern in der schweiz sollten das hier auch so handhaben.

die schweiz fordert sie auf, die menschenrechte hier und überall zu verteidigen. wo toleranz zu gleichgültigkeit führt, erreicht sie genau das gegenteil von dem, was sie will, fördert sie parallelgesellschaften, lässt feindbilder zu und spielt sie den religiösen extremisten in die hände, rüttelt manea die über 100 interessierten zuhörerInnen auf. eine stunde hören sie ihrer leisen stimme und ihren dezidierten worten staunend zu, bevor sie sich mit einem warmen applaus bei der buchautorin bedanken.

den stadtwanderer erinnert sich, auch schon stadtführungen zum thema des interreligiösen zusammenlebens gemacht zu haben und zum genau gleichen schluss gekommen zu sein. menschenrechte sind das einzig universelle, was wir haben, wenn wir in aller verschiedenheit aufgeklärt zusammenleben wollen. sie hochzuhalten ist die aufgabe unserer zeit.

stadtwanderer
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Comments

2 Comments so far

  1. Ate on September 3, 2009 15:17

    Das scheint mir eine starke und weltoffene Frau zu sein.
    Danke für den Buchtipp, ich freue mich jetzt schon auf diese Lektüre.
    Interessant wäre noch, die Reaktionen der Muslime auf dieses Buch hin zu hören.

  2. stadtwanderer on September 3, 2009 15:22

    ja, sie hat etwas davon erzählt.
    sie hatte eine artikelserie vor dem buch auf arabisch im internet publiziert, mit den gleichen gedanken.
    wenn ich das richtig verstanden habe, glaubt sie, eine diskussion, wenigstens unter intellektuellen, ausgelöst zu haben. selbstredend stösst sie bei den fundamentalisten auf ablehnung.
    heute fühle sie sich als teil einer bewegung, sagte auf jeden fall deutlich.

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