elinor ostrom ist meinen leserInnen wohl unbekannt. den alpbauern oberhalb grindelwald ist die nobelpreisträgerin 2009 jedoch ein begriff. eine erklärung.

grindelwald
eine der vorbildlichen alpweiden ob grindelwald, typisch für die wirtschaftsform, die mit dem wirtschaftsnobelpreis 2009 geehrt wurde.

politikwissenschafterin erhält nobelpreis für wirtschaftswissenschaften

viele waren erfreut, als 2009 erstmals eine frau den nobelpreis für wirtschaftswissenschaften erhielt. und einige berufskollegInnen des stadtwanderers schätzten sich glücklich, dass es gar eine politikwissenschafteri war. denn elinor ostrom wirkte lange jahre als professorin in amerikanischen bloomington, von wo aus sie ihr spezialgebiet, die nachhaltige bewirtschaftung von gemeingütern, weltweit bekannt gemacht hat.

der name ostrom war mir nicht zuletzt deshalb geläufig, weil ihre zahlreichen fachbücher die walliser alpgemeinde törbel als vorbild porträtieren. was mir hingegen nicht bekannt war, erzählte diese woche der „bund„. demnach interessierte sich die nobelpreisträgerin vor zwei jahren auch für die funktionsweise der alpweiden ob grindelwald.

das beispiel

zentral hierfür ist bis heute der taleignungsbrief von 1404, der das alpgebiet als gemeingut nach alemannischer tradition bewahrte. nur das vieh, dass im tal überwintert, darf da geweidet werden. und bloss bauern, die ständig im tal wohnen, sind dazu berechtigt.

denn die alp gehört niemandem. die restriktiven zugangsregeln wurden eingeführt, um eine übernutzung zu verhindern. wer das gemeingut dabei ist, muss sich im frühling für die einsetzen, und er erhält entsprechend dem einsatz im herbst seinen anteil am produzierten käse.

die these
für elinor ostrom sind beispiele wie die alpweiden von grindelwald belege ihrer these, wonach gemeingüter wie wald, seen und weiden weder durch staatliche kontrollen noch durch privatisierung dauerhaft erhalten bleiben. vielmehr eignen sich nur korporationen, um die die kurzfristige ausbeutung von ressourcen genau so verhindern wie zerfall durch vernachlässigung.

die ehre und der gewissheit
genau für diese erkenntnis wurde ostrom dieses jahr mit den nobelpreis geehrt. die bauern von grindelwald, die ostrom kennen gelernt haben, können zwar keinen anteil am preisgeld einfordern. spätens nächsten frühling ziehen sie aber mit der gewissheit auf die alpen, eine wirtschaftsform zu leben, die selbst von den bedeutendsten in der wirtschafts- und politikwissenschaft bestaunt wird.

stadtwanderer


Comments

1 Comment so far

  1. rittiner & gomez on November 9, 2009 10:55

    im sommer beim erfahren des oberlandes mit dem mtb, ist dieser geist gut zu spüren. ob wir dies in der wintersportwoche in grindelwald auch spüren werden ist ungewiss.

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