nein, das ist kein aufruf an reto nause von der cvp, bei den kommenden gemeinderatswahlen in bern das lager zu wechseln. es ist die schlichte feststellung, dass der wahlkampf der berner rot-grünen dank den holländern an der fussball-europmeisterschaften seinen höhepunkt erreicht zu haben scheint, bevor man damit angefangen hat.

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alexander tschäppät sonnt sich gegenwärtig im erfolg seiner stadt als beste host city der euro ’08. sein wahlkampfslogan für den 30. november 2008 lautet wohl: „organen wirken wunder“. hinter vorgehaltener hand heisst es schon, er habe bei der sp und dem grünen bündnis angeregt, die parteikader sollten ab jetzt regelmässig den passantInnen auf der strasse eine organe in die hand drücken, um bis zur wahl in schönen erinnerungen schwelgen zu können.

erheblicher klimawandel

wer hätte das vor einem halben jahr gedacht? die rede war nur noch vom „6. oktober“ und vom weltweiten imageschaden für die bundesstadt, den der stadtpräsident mitverantworte. die „weltwoche“ rief schon zum den sturz der rotgrünen auf, und die nationalen medien verstärkten den tiefpunkt im nationalen wahlkampf, in die so viel jauche über die bundesstadt schütten wie schon lange nicht mehr.

und jetzt? da weiss man in ganz europa, dass bern das herz der fussballwelt ist, denn man hat gesehen, wie die kornhausbrücke die riesige menge der holländischen fans trug, ja fast schon in den fussballhimmel hievte. so ist auch die nationale medenstimmung zugunsten der stadt gekippt. „10vor10“ verfolgte gestern das wieder auferstandenen stadtoberhaupt beim stadtwanderern unter den stadtlauben!

wahlkampf der neuen art

so wie die bürgerliche wende aus der untergangsstimmung des 6. obtobers heraus geboren wurde, so basieren die rotgrünen mehrheitsansprüche auf der orangenen revolutionsstimmung, die die holländer in die stadt gezaubert haben. politisch aktiv ist jedoch keiner der beiden blöcke. diese bühne überlasst man gegenwärtig ganz den optimistischen parteigründerInnen: zuerst den grünliberalen, die bei den stadtratswahlen die linke mitte abgedecken wollen; dann der bdp, für die ursula begert, die vor vier jahren geschasste svp-gemeinderätin, nun die werbetrommel in der rechten mitte rührt; und schliesslich der eingemitteten „mitte“, die seit gestern als bürgerInnen-forum zwischen den blöcken und parteien antritt, um den amtierenden, von der fdp nicht mehr nominierten stwphan hügli im wahlkampf beizustehen.

warnungen in drei richtungen

doch kann man sich des eindruckes nicht erwehren, das alles interessiere die grossen politischen formationen kaum, so dominant ist die gefühlslage in der stadt nach dem tschutti-event. deshalb spreche ich gleich gleich drei warnungen aus:

erstens, rot-grün will ich darauf aufmerksam machen, die grünliberalen nicht zu unterschätzen, denn bei den parlamentswahlen sprechen sie einen teil der wählerschaft an, der bisher faut-de-mieux links wählte, sich diesmal aber neu orientieren könnte!

zweitens, fdp, svp und cvp will ich daran erinnern, dass die dreierliste für den gemeinderat vor allem auf dem politischen reissbrett überzeugte. in der praxis werden die selbst produzierten herausforderer aus der mitte zwar wohl nicht gewählt, aber die wende abwenden. und wenn dies eintritt, treten beat schori und reto nause nicht mit, sondern gegeneinander an!

drittens, will ich alexander tschäppät warnen. selbst wenn man heute lesen konnte, mit seiner form könne er in den niederlanden in jeder stadt bürgermeister werden. das stimmt zwar wohl, aber nicht so, wie man meint. denn in den niederlanden wird man stadtpräsident via amtseinsetzung durch die nationale regierung.

hier muss man immer noch das volk überzeugen, von sich, von seiner politischen allianz und dem programm der zukunft! selbst wenn man sich dabei auf den rotgrünorangenen welle surfen kann …

stadtwanderer


Comments

4 Comments so far

  1. Mischa on Juni 25, 2008 10:52

    hallo stadtwanderer,

    als nächsten stapi, würde ich doch unseren jimmy hofer, wählen, sofern ich dürfte. es wäre doch mehr als ein handkantenschlag ins gesicht vom „tschäppu“, wenn jimmy ein einigermassen gutes wahlresultat erzielen könnte. Orange hin oder her, der „tschäppu“ ist nicht über alle zweifel erhaben, auch nach der euro 08 nicht.

  2. stadtwanderer on Juni 26, 2008 08:23

    ist jimmy hofer wirklich ein politiker?

  3. rittiner & gomez on Juni 26, 2008 10:16

    alles ist (leider oder zum glück) sehr schnell vergänglich, aber bern kann sich zurecht freuen über die orange-welle, aber es werden wieder andere winde wehen.

    jimmy hofer als ersatz für tschäppät? dies scheint auch ein zeitzeichen zu sein, prominents reicht heute anscheinend schon.

    nach einer euro wo gewaltfreiheit, eines der ziele war, ist uns ein tschäppät dann doch lieber.

  4. Mischa on Juni 26, 2008 11:54

    Jimmy ist schon ein Politiker, obwohl nur im sehr kleinen Rahmen, siehe Altstadtleist. Frage an Stadwanderer; wie war das in Bern wo ein Metzger zum Schultheiss gewählt wurde, war der wirklich Politiker? Ausserdem haben wir wirklich „Politiker“ in unerer Regierung oder nur opositionelle Grossmäuler. Ich glaube, wir sollten mehr „Menschen“ unter unseren Politikern suchen, „dann klappts vielleicht auch mit den Nachbarn“.
    Zur Gewaltfreiheit; die Broncos waren massgeblich für die Gewaltfreiheit in der Stadt Bern engagiert. Und hat doch wunderbar funkioniert? Ausserdem bin ich der Meinung, dass es nicht nur der Tschäppat war der das zweite „Wunder“ von Bern im Alleingang vollbracht hat, ist ja fast schon so wie die historischen Lobeshymnen über Adrian von Bubenberg.

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