kirchen, die auf den namen des heiligen silvester lauten, gibt es viele. politische gemeinden, die auf diese weise dem papst aus dem 4. jahrhundert gedenken, sind dagegen eine grosse ausnahme. einzigartig sind auf alle fälle die feierlichkeiten am letzten tag des jahres im freiburgischen st. silvester.

Tagesschau vom 31.12.2010
geschichte und gegenwart vereint: silvester wegen dem heiligen silvester in st. silvester feiern.

der wecker ging um viertel vor vier. ein freundlicher chauffeur holte kurz darauf bärbi und mich ab und brachte uns nach st. silvester im freiburgischen sensebezirk. im hell erleuchteten gotteshaus auf dem kirchberg spielte die musikgesellschaft schon vor 5 uhr zum frühkonzert auf. dann feierte ein gut gelaunter pfarrer das hochamt zum jahresausklang vor vollem haus.

so richtig los ging es aber erst danach. alt und jung versammeln sich traditionellerweise im nahe gelegenen restaurant försterhaus. rösti, bratwurst und spiegeleier werden in rauhen mengen gereicht, für feine gemüter gbit’s dazu wasser, für harte rotwein. eine handörgeligruppe spielt auf, und im nu kommt das volksfest zu ehren des patrons der kirche und der gemeinde mit volk und honoratioren auf.

die zusammenhänge zu silvester werden einem dabei so klar wie sonst nirgends. der letzte tag im christlichen kalender hat seinen namen vom römischen papst silvester, der am 31. dezember 335 verstarb. heilig gesprochen wurde er, weil er, nach dem wegzug des kaisers aus rom nach konstantinopel, auf listige art und weise den kirchenstaat in italien gründet hatte.

gestorben sind vielerorts und an vielen tagen auch tiere, zu dessen schutzheiliger silvester bald wurde. als im 17. jahrhundert die maul- und klauenseuche auch unter den tieren wütete, die bei der kapelle von st. silvester im sensegebiet weideten, versprach das burgerspital im entfernten freiburg den hirten köstliche gaben, sollte die krankheit überwunden werden.

in st. silvester ist man überzeugt: dank silvester gelang die rettung der tiere vor ort. und deshalb feiert man den heiligen silvester nirgends so innig wie im hinteren sensebezirk. auch heute brachte der präsident des burgrspitals 30 kilo käse und einen riesigen schinken nach santifaschtus, wie st. silvester im idiom heisst. geweiht wurden sie während der morgenmesse. das ist der sakrale part des festes, der populäre findet beim essen und trinken danach statt.

nicolas bürgisser, der oberamtmann des sensebezirks, mag nicht mehr wie viele seiner vorfahren-untertanen arbeiten und schweigen. seine gabe ist es, zu arbeiten und darüber zu reden. so vermarktet er quasi im nebenamt seine gegend. nur zugerne hätte er gehabt, der grosse weihnachtsbaum vor dem bundeshaus, wäre aus st. silverster (eigentlich: heiliger waldmann) gekommen. der geht die grenze anders als gedacht, und so stammt er aus plasselb.

erfolgreicher war der geschickte bürgisser bei mir. vor zwei jahren lud er mich nach einer „arena“-sendung zur örtlichen silvester-feier ein. diesmal sollte es klappen. und so mailte er vorgestern frohlockend: ausser der papst heirate heute, sei man ganz „in“, denn über das fest in st. silverster werde auch im radio und fernsehen berichtet werden.

doch das war nicht der grund meines besuches bei den einheimischen hart an der diesseitigen sprachgrenze. denn ebenso hart an der jenseitigen lebten einst meine grosseltern, auch meine eltern in der nachbargemeinde von st. silvester. und auch ich verbrachte in der gegend schon mal kinderferien. so kam ich auch ein wenig in eine welt, aus der ich eigentlich stamme. ein tolles erlebnis!

stadtwanderer


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