mittelalterliche städte wie bern wurden vom adel aus gründen des machtausbaus gegründet. städte wie bern sicherten weiträumige verbindungen, erschlossen ihre region mit märkten und wurden mit mauern vor feinden geschützt.

der walisische geograph harald carter entwickelt in den 70er jahren des 20. jahrhundert eine eigentliche stadtentstehungstheorie. er nannte vier gründe, warum es zu städten kommt:

. den hydraulischen grund: örtlich begrenzt verfügbares wasser begrüdet die stadtentwicklung
. den theologischen grund: ein räumlich fixiertes heiligtum steht am anfang der stadtentwicklung
. den ökonomischen grund: ein markt bildet die grundlage der stadtentwicklung
. den militärischen grund: der schutz in form einer mauer bildet den anstoss der stadtentwicklung.

bern
die zähringerstadt aus dem frühen 12. jahrhundert

wendet man dies auf bern an, merkt man als erstes, was nicht zutrifft. von wassermangel kann man in der furchigen landschaft des aaretals generell nicht ausgehen. bern war bei seiner gründung auch kein religiöses zentrum; das lag in köniz, von dem man in kirchlichen fragen anfänglich abhängig blieb.

die gründung und frühe entwicklung der stadt bern war von herrschaftlicher absicht. der weg von freiburg im breisgau, der ersten zähringischen stadtgründung, nach lausanne sollte städten in regelmässigen abständen erschlossen werden. die lage von rheinfelden, herzogenbuchsee, burgdorf, freiburg, murten, milden/moudon können so gedeutet werden, und bern sicherte die verzweigung nach thun ins oberland, nach freiburg ins üechtland und nach murten durch die seenlandschaft.

bern war von beginn weg ein marktplatz, der aus dem aareübergang im bereich der heutigen untertorbrücke entstand. diese gab es bei der stadtgründung noch nicht. so soll erst ein halbes jahrhundert später gebaut worden sei; zu zeiten der zähringer führten indessen eine fähre an der traditionsreichen stelle über die aare. vielleicht gab es schon vor der stadt eine warenumschlagplatz; sicher ist, dass mit der stadtgründung ein markt entstand, auch wenn auf keine separaten platz, sondern auch der langen gasse durch den ort stattfand. anfänglich diente er als umschlagplatz für lokale produkte aus dem oberland, insbesondere felle von tieren, aber auch eisenwaren, getreide und fleisch. erst in der zweiten hälfte wird bern an den fernhandel angeschlossen, bekommt die stadt ihr eigenes kaufhaus, mit dem auch einflussreiche familien entstehen, die als kaufleute geld machten.

die gründungsstadt kannte noch keine mauern. die aare bot schutz, und am ende der ersten stadt, beim heutigen zytglogge war ein tiefer graben. eigentliche stadtmauern kamen erst mit den savoyern auf, welche in den 1260er jahren mit den habsburgern im krieg standen. dafür baute man die burg an der aare ab mit deren steinen man die stadt sicherte.

ausgehend von carters typologie kann man sagen. bern ist im verbindungsnetz des zähringischen freiburg im breisgau als etappenort an strategisch wichtiger stelle entstanden. die stadt diente den stadtgründern in der mutterstadt freiburg im breisgau, 1118 entstanden, als einnahmequelle, beschaffte sich ihrerseits geld aus dem lokalen handeln. wie in vielen anderen mittelalterlichen städten überwiegt das herrschaftliche bei den motiven für die gründung 1191. die stadtentwicklung wurde durch wirtschaftlichen und militärische gründe, sicher nicht theologische bestimmt. hydraulische scheiden schon im voraus aus.

stadtwanderer


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