am anfang war die stadt. 851 jahre nach ihrer gründung kam stadtgolf dazu. und weitere fünf jahre später werde ich freiburgs stadtgolfgeschichte(n) erstmals erzählen.

der anlass
während meinen schwedenferien fasste ich den vorsatz. meine stadtwanderungen, hauptsächlich auf bern konzentriert, sollen expandieren. neu hinzu kommen soll eine in freiburg, der anderen zähringerstadt.

immerhin bin ich im bürgerspital der stadt geboren worden; die katholische taufe habe ich der kirche st. pierre erhalten. selbst wikipedia führt mich als prominenter sohn der stadt. nur die schulen habe ich anderswo gemacht. ebenso ist mein arbeitsort seit langem bern, mit ablegern in st. gallen und zürich.

so ist zu freiburg distanz entstanden. das war nicht ungewollt, denn religiöse leben hat mir schon als jugendlicher nicht mehr zugesagt. ich war zwar mal ministrant, ja sogar chefmessdiener; doch gleichzeitig habe ich in aarau ein weltliches gymnasium besucht, wo man den aufklärer lessing las, der mich lehrte, dass religionen keine wahrheit vermitteln, sondern teile von kulturen sind – bewusst in der mehrzahl geschrieben. seither denke ich, bin ich ein konfessionelles patchwork – am ehesten ein atheistischer kulturkatholik mit einem protestantischen arbeitsethos.

raum und zeit freiburgs
heute nun war ich in freiburg recherchieren. denn der zeitstrahl der geschichte braucht den raum des ortes, um erfahrbar zu werden. das lehrte mich der römische rhetorikprofessor quintilianus vor jahren.

schnell hatte ich freiburg als zentrum der gegenreformation zusammen. der bischofssitz, die statue von pater canisius und das jesuiten kollegium st. michel liegen ja auf der hand und sind nahe beisammen. vom zähringischen und habsburgischen freiburg ist allerdings nicht mehr viel zu sehen. am ehesten noch stehen die die kirchen, die notre-dame und selbstverständlich st.nicolas, die heutige kathedrale. doch beide sind mehrfach renoviert worden. der wechsel von stadt und kanton hin zur eidgenossenschaft findet seinen ort mit der nurmehr repräsentierten murtenlinde, dem rathaus und der renaissancehäuser an der reichengasse. damit hatte ich die zeit vom der stadtgründung bis ins 18. jahrhundert schnell und gut beisammen.

schwieriger ist, für die moderne freiburg zentral gelegene, geeignete orte zu finden. zum beispiel für die helvetik. da ist einfach nichts. einfacher ist noch die zeit mediation, etwa mit dem rathaus der schultheissen louis d’affry, gleichzeitig erster landammann der schweiz (vorläüfer des bundespräsidenten) im jahre 1803. unbefriedigend sind bis bis jetzt die erinnerungsplätze zum sonderbundskrieg und zu den wirren bei der bundesstaatsgründung, ausgelöst durch die putsche der liberalen und konservativen. mit dem bahnhof als zeichen der industrialisierung und der universität als ausdruck der modernisierung des freiburger katholizismus sind die jahre 1860 bis in die vorgegenwart wieder einfacher zu identifizieren. im stadtkern wenig sichtbar ist, selbstredend, das heutige wachstum ins umland, die agglo fribourg, welche die aktuelle entwicklung prägt. da werde ich an der busstation improvisieren müssen.

stadtgeschichte und stadtgolf
der clou der neuen stadtwanderung ist der: seit 2008 bietet die stadt freiburg stadtgolf an. 18 stationen hat der parcours. gespielt wird nach den regeln des minigolfs, nur sind die löcher auf einem 8 kilometer langen rundgang durch freiburg verteilt. doch der passt überraschend gut zu meiner stadtwanderung. die ersten 15 stationen sind weitgehend in der unterstadt, die ich zuerst ausklammern wollte. doch so ergibt sich ein wunderbarer einstieg in die führung, der es erlaubt, die umgebung, vor allem mit ihren klöstern vor und unmittelbar nach der stadtgründung zu erläutern. das frauenkloster maigrauge, entscheidend für die deutschfribourgerinnen, ist damit voll im programm: die stadtmauer mit ihren türmen gegen die angriffe aus bern auf die habsburgerstadt auch. bei der 16., 17. und 18. golfstation, alle in der oberstadt, werde ich ein wenig umstellen, der anregende mix zwischen golflöchern und fundgruben der geschichte dürfte aber zum klappen kommen.

das ganze wird zweifelsohne anspruchsvoll. mit einer gruppe rechne ich einen tag für einen umgang. start wäre beispielsweise um 9 00 bei der touristeninformation. am morgen würde man entlang der sarine vor allem golfen, erste eindrücke zur stadt aus der ferne sammeln. dann gäbe es ein mittagessen, entweder noch unten im klein-st.johann-quartier beispielsweise, oder oben in der altstadt. das restaurant de l’ange und das st. gothard sind meine momentanen favoriten. der nachmittag wäre dann der historischen stadtwanderung in der oberstadt gewidmet, abgerundet durch drei löcher stadtgolf. schluss wäre wohl nicht vor vier nachmittags.

am ende könnte man die punkte zählen, beim stadtgolfen wäre sieger, wer am wenigstens hat. zur stadtwanderung könnte ich noch ein quiz erfinden, da wäre dann der oder die heroIn der stadtgeschichte, wer am meisten richtig hat.

der testlauf
im oktober ist start mit der neuen führung; bis dann werde ich das konzept ausarbeiten. die erste gruppe habe ich schon. es sind meine mitarbeiterInnen am gfs.bern, beim jahresausflug. wenn’s gut ankommt, kann ich mir vorstellen, das ganze nächstes jahr auf wunsch ein paar mal in der sommersaison anzubieten.

stadtwanderer


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