… ist eine station auf dem betriebsausflug des stadtwanderers

aventicum war der hauptort der römischen civitas helvetiorum im schweizer mittelland und religiöses, politisches und wirtschaftliches zentrum der helvetier. es war mit 20000 einwohnerInnen die grösste stadt auf schweizer boden. wie alles, was mit dem römischen reich zu tun hat, dominiert aber auch bei aventicum die perspektive des aufstiegs, des höhepunkte und des niedergangs der stadt.

der aufstieg

aventicum ist von der keltischen quellgöttin aventia abgeleitet. der name blieb so stark im bewusstsein der leute verankert, dass er andere, von den römern gegeben namen stets überlebte. im 6. jahrhundert verwendete man den stadtnamen auch in der weiblichen form als aventica.

die ursprünge des ortes gehen auf ein von den helvetiern im 1. jahrhundert vor christus gegründetes keltisches oppidum zurück, das vermutlich nach der rückkehr aus bibractae angelegt worden ist, bis heute aber nicht genau lokalisiert werden konnte. bei en chaplix, nahe dem heutigen avenches, wurde ein grabmal gefunden, das auf das jahr 15 vor christus datiert wird, und der älteste fund in der gegend ist.


dreidimensionale darstellung von aventicum, CAD-Projekt im Bereich Cultural Heritage, angeboten für Studierende der Architektur an der ETH-Zürich

unter kaiser claudius (41-54) änderte das keltische aventicum sein gesicht, denn alle häuser wurden alle in stein umgebaut. kulturell war das ein erheblicher sprung, den die helvetier lebten in holzhäusern.

der höhepunkt

unter kaiser vespasian (69-79), der einen teil seiner jugend in aventicum verbracht hatte, wurde aventicum eine römisch kolonie. sie überflügelte vindonissa,und wurde sitz von veteranen, die sich im krieg gegen die einheimische bevölkerung oder in den legionen, die gegen germanen kämpften, verdient gemacht hatte. die stadt hatte damals vermutlich den namen colonia pia flavia constans emerita helvetiorum foederata.


bildliche darstellung von aventicum zur besten zeit

in den zeiten vespasians entstand die stadtmauer. die wirtschaft erhielt neue impulse, was sich in vermehrter bautätigkeit niederschlug. neben den wohn- und gewerbehäusern entstanden grosse repräsentationsbauten, darunter das amphitheater, das römische theater sowie die tempelanlagen und cigognier. das forum wurde im schnittpunkt der beiden hauptachsen decumanus maximus und cardo maximus angelegt.

ihr wasser bezog die stadt aus brunnen und von einem aquädukt. ein etwa 800 m langer kanal und ein neuer hafen in der nähe der stadtmauer erlaubten den transport des nötigen baumaterials. in aventicum stand auch eine wassergetrieben mühle, die erste dieser art nördlich der alpen.

unter vespasian war aventicum ein teil des römischen grenzgebietes belgica. unter seinem sohn, kaiser domitian, ändert sich das: um 89 nach christus wurde aventicum in die provinz germania superior mit mainz als hauptstadt eingegliedert.

regiert wurde aventicum von zwei magistraten (duoviri), zwei aedilen und zwei präfekten. die duoviri waren gleichzeitig priesters, stadtvorsteher und richters.


aventicum und seine nähere umgebung (quelle: uni bern press)

die helvetische aristokratie konnte ins römische bürgerrecht aufgenommen werden. bekannt hierfür ist die familie der camilli. ritter gaius iulius hatte von 39 bis 69 n.Chr. an in mainz als tribun gedient. nachher verrichtete er in seiner heimatgemeinde den kaiserkult. seine tochter julia festilla war ebenfalls kaiserpriesterin. sie gilt als die älteste, auf dem gebiet der schweiz namentlich bekannte frau.

der niedergang

mit den ersten einfällen der alamannen in den jahren 259 und 260 begann der langsame niederung von aventicum. dabei kam es zu plötzlichen verstecken von wertgegenständen in flüssen und böden, die heute wertvolle archäologische funde sind. dazu zählt in aventicum auch die berühmte büste des philosophenkaisers.

beim überqueren des rheins heimwärts scheinen die alamannen in die defensive geraten zu sein. sie haben verschiedene ihrer schätze im rhein versenkt. die auswertung der herkunftsorte lehrt, die alamannenangriffe in helvetien neu zu interpretieren: demnach wäre der angriff nicht über augusta raurica oder vindonissa auf aventicum erfolgt. vielmehr wären die alamannen nördlich davon in gallien eingedrungen, hätten sie in verschiedenen zügen den mittleren und südlichen teil geplündert, und wären sie erst auf dem rückweg über lyon und genf ins helvetiergebiet gekommen.


quelle: der barbarenschatz, stuttgart 2006 (anclickbar)

das römische reich überlebte die gleichzeitigen einfälle der germanen im norden, der sassaniden im osten und der berber im süden noch einmal. es wurde unter diokletian als spätantikes kaiserreich neu gegründet.

seit dem 4. jahrhundert war aventicu sitz eines bischofs. zwei frühchristliche kirchen, saint-martin und saint-symphorien, sind belegt. mit der einwanderung der burgunden im 5. jahrhundert wurde ein teil von aventicum wieder aufgebaut. gleichzeitig zerfiel die römische herrschaft nördlich der alpen.

nach 534 aventicum ein zentrum der fränkischen könige von reims. 561 dürfte der definitive niedergang begonnen haben. das mittelland, in helvetischer zeit eine einheit bildend, wird entland der aare. die grenze markiert gleichzeitig die grenze zwischen den fränkischen königreichen von burgund resp. von austrasien. sie scheidet auch die völkerschaften der burgunder und alamannen.

bischof marius, der als schriftsteller bekannt wurde, verlegte in dieser zeit seinen sitz von aventicum nach lausanne, wo der hügel über dem lac léman schutz bietet. aventicum versinkt nun in die dedeutungslosikkeit. 610 wird es von den alamannen gänzlich zerstört.

erst im 11. Jahrhundert wird es von lausanner bischof burkhart von oltigen als mittelalterliche stadt neu gegründet und nun definitiv auf den hügel verlegt, wo heute noch avenches steht.

burgund-wanderer


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