welsche nüsse

September 5, 2007 | 4 Comments

ich freue mich auf den herbst. und auf baumnüsse. hart ist ihre schale. doch fruchtig ist das fleisch. nahrhaft ist ihre speise auf jeden fall. sie stärkt einen. und man ist froh darum, – gerade wenn es wieder kühler wird.


quelle: paupepro

symbol der fruchtbarkeit

zu allen zeiten war die baumnuss ein symbol der fruchtbarkeit. den persern war sie göttlich, den griechen und römern auch. diese warfen sie bei der hochzeit unter die geladenen gäste und staunenden zuschauer. der klang beim aufprall verriet die grösse des glücks. je heller, desto besser!

die christlichen mönche wussten um die heidnische bräuche rund um die baumnuss. sie behaupteten, der teufel wohne in den kronen ihrer bäume. und er treibe es mit den hexen in ihrem schatten. für gesundheitsschädigend erklärte man ihn; gemieden sollte er auf alle fälle werden.

die kelten ehrten den nussbaum 19 tage lange. ende oktober, anfang november war seine grosse zeit. sie markierte gleichzeitig die jahreswende. samhain nannten sie sie. auch sie symbolisierte das sterben der natur, gefolgt von der wiedergeburt der kräfte.


quelle: puschkin

echte walnuss in der botanik

es soll zeiten gegeben haben, da war auch das berner land voll von baumnüssen. heute muss man bis an den neuenburgersee fahren, um noch ganze flächen mit baumnussbäumen zu finden.

baumnuss ist wohl auch der falsche name. walnuss ist korrekter. echte walnuss gar wissenschaftlicher. juglans regia heisst die gattung, seit carl von linné sie bezeichnet hat.

im berner volksmund jedoch waren nussbäume bis ins 18. jahrhundert schlicht und einfach welsche nussbäume.


quelle: aureusbay

welsche nuss im volksmund

welsch, das ist für germanen zu allen zeiten das fremde gebiet gewesen. seit sie vor 2500 jahren im rhein-main-gebiet auf den keltischen stamm der volcae gestossen waren, nannten sie alle kelten, die sie nicht verstanden so.

die auswandernden angeln und sachsen, die in britannien wieder auf kelten stiessen, machten aus ihnen waliser. bis heute wirkt das in namen wie wales oder cornwall nach. walachen wiederum sind aus germanischer sicht die romanen, die im balkan lebten. und ihr gebiet war schon mal die walachei.

selbst bei uns ist diese form der volksbezeichnung üblich geblieben. im birstal kommt man nach wahlen. im glattal nach wallisellen. und am ende des zugersees liegt walchwil. in allen fällen vermutet man, dass bei der germanischen völkereinwanderung alemannen auf kelten stiessen.

selbst auf dem frienisberg gibt es diese anspielung. Wahlendorf liegt ganz oben, wohlen, wo ich wohne, weiter unten.

ich sag da nur:

auf in den herbst,
auf ins welschland,
auf walnüsse sammeln zu gehen.

göttlich, die zeit, die kommt!

stadtwanderer


Comments

4 Comments so far

  1. Walter R. Kopp on September 5, 2007 01:50

    Kerniger Text mit nussigem Geschmack, mir hats \\\"gemundet\\\", herzlichen Dank für den Chratten voll Knacknüsse.

    Fehlt nur noch, dass im Herbst die Wa(h)len sind, weil es dann \\\"Nüsse\\\" gibt …

    Grüessli aus der Neumatt, wo noch Walnussbäume ihre Kronen ausbreiten.

  2. stadtwanderer on September 5, 2007 10:01

    man kanns noch bunter treiben: auch die slawen nannten die fremdsprächigen lateine walche. im polischen ist daraus, frei zitiert wlachy geworden. so wie die italiener heute noch heissen.
    es gibt eine allusion das daraus der name bloch entstanden ist. und wenn wir das weiter spinnen ist blocher am ende auch noch ein romand!
    zuviel der guten namenskunde, sag ich da, und mache mich unterwegs …

  3. Walter R. Kopp on September 5, 2007 10:58

    danke für die humorvolle Assoziationskette.

    zu dem Teufel und den Hexen: es gibt nicht wenige menschen, welche nach baumnuss-genuss allergisch reagieren und aphten bekommen. mir zum glück schmecken sie das ganze jahr über.

  4. Heiner on September 6, 2007 10:00

    Blocher ist sicher kein Romand. Aber eine Nuss!

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