früher ging ich mit meinen eltern in den süden in die ferien. das meer, der sand und die sonne lockten. doch die toiletten schockten. „abfahrer-schiissi“ nannte ich löcher, über man lange huren mussten, als würde man widersinnig mitten im sommer den sieg am lauberhorn anstreben. jetzt fahre ich mit meiner partnerin seit 10 jahren in den norden in die ferien. das mehr haben wir gegen den wald vertauscht, und die vielen beeren ersetzen uns den sand. geblieben ist nur die sucht nach der sonne. denn selbst mein staunen ueber die nordischen toiletten ist heute verschwunden.

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politische überzeugungen an den privatesten orten – typische für schwedens plumsklos ausser haus (foto: stadtwanderer)

ein schwedisches sommerhaus hat bis heute keine eigenes „wc“. dafür geht man in den wald, wo es, an einem stillen örtchen, nach gut altgermanischer sitte ein gemeinschaftsklo hat. eine kleine hütte reicht dafür, versehen mit einem brett, indem es ein loch hat. plumpsklo in freier wildbahn nennt man das wohl am besten.

und das ist in schweden fast schon kult! denn ein schwedisches plumpsklo ist nicht einfach ein plumpsklo. es ist wie eine kleiner thron. denn in schweden sind jede und jeder ein kleiner könig oder eine kleine könig. lässt man etwa die hüttentüre in der einsamkeit offen, sieht man in den wald, auf die wiese oder über den see. die ganze herrlichkeit der natur ist vor einem. was die götter den menschen geschenkt haben, gibt es in hülle und fülle um einen herum.

hie und da sterben ein paar der leibeigenen. so ist der zeiten lauf! dann werden sie, wie es sich gehört, der erde zurück gegeben. das ist keine klinisch saubere operation in einem emailierten labor. nein, es ist ein ganz normaler teil des lebens in natürlicher umgebung. und um den verwesung zu stoppen, gibt man den abgegangen noch etwas kalk und holzspäne mit auf den langen weg.

das ist nicht nur ein erfundener vergleich. unsere toilette im schwedischen wald, die ich nicht selber gemacht habe, ist, seit ich sie benutze, eine art thronsaal. links und rechts hat es überall bilder aufgehängt von der königsfamilie, die gut auf ihren untertanen achten!

anders als im süden, wo ich mich an die toilette nie gewöhnen konnte, finde ich die im norden zwischenzeitlich hygienisch sehr sinnvoll. vielmehr lässt mich, regelmässig bei unserer rückkehr in die schweiz staunen, dass man ein „wc“ in den eigenen vier wänden für ganz normal hält.

stadtwanderer


Comments

2 Comments so far

  1. Ate on Juli 29, 2008 17:12

    Es heisst wirklich Plumpsklo, jedenfalls nannten wir das Teil so, dass ich 14 Jahre lang benutzen musste. Schlimm war es jeweils mitten in der Nacht, wenn ich aus den alten Klostermauern raus und in den Hof musste.
    Wollte Dich eigentlich aufs Plumpsklo ansprechen, da ich kürzlich einen Schweden-Bericht sah, indem diese vorkamen.
    Offensichtlich herrscht momentan beim Farbfernsehen eine Schweden-Manie. Sah so einen „auf-die-Tränendrüsen-drücken“-Film, nicht wegen dem Inhalt sondern wegen der Landschaftsbilder. Es war einmalig schön.
    Thema waren die Bären. Kannst Du mir/uns mal über die Bären berichten? Die müssen ja ein göttliches Leben in Schwedens Wäldern führen.

  2. stadtwanderer on Juli 31, 2008 13:59

    klar mach, ich wenn ich noch dazu komme, die ferien in schweden gehen ja morgen mittag zu ende.
    wegen pittipanna habe ich noch ueberall rumgefragt. die antworten sind nicht einhellig. mehrheitlich meint man aber, dass es ein spiegelei sei, oder dann eher nichts.
    das noch zum essen.
    zu den bären vorerst nur soviel: essen und bären nie in einem blog gemeinsam behandeln, schon aus didaktischen gruenden!

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