stig ist der stadtwanderer von arboga. seit fünf jahren führt der pensionierte gymnasiallehrer für geschichte und religion interessierte durch die schwedische stadt mit grosser vergangenheit. doch heute ist keine normale führung. denn das schweizer radio berichtet über arboga. „metro“ heisst die sendung von drs 2, die diesen sommer in loser folge berichte von auslandkorrespondenten über ihre lieblingsorte bringt.

einer der lieblingsorte unseres nordlandkorrespondenten

bruno kaufmann aus zofingen wirkt seit 2003 als nordland-korrespondet fuer radio drs. mit seiner schwedischen frau und seinen töchtern wanja und nina wohnt er in falun. den sommer aber verbringt er seit 10 jahren in einem waldstueck vor arboga.

seine frau elisabeth erzählt: als wir von genau 10 jahren beschlossen, schweden zu verlassen, kauften wir das ferienhaus. fuenf jahre lang, während denen die familie auf weltreise und arbeitshalber in der schweiz war, war arboge ist fester sitz in schweden. und seither verbringen sie jeden sommer hier. bruno hat sich sogar ein kleines studio im wald eingerichtet, von wo aus er seine beiträge fuer radio drs auch während den warmen monaten vorbereiten kann. „glocalnet“ sendet dann alles in die zentrale nach bern. so auch die reportage aus arboga selber.

der lokalhistoriker berichtet

stig zeigt uns die geschichtsträchtigen orte der schwedischen stadt mit gut 10000 einwohnerInnen. er beginnt mit dem frueheren kloster, das aus der holzsiedlung eine streng geometrisch geformte stadt formte; er zeigt das rathaus, daskönig gustav wasa mit den steinen der abgerissenen stadtkirche bauen liess; und er verweist seine gäste auf auf stadtbibliothek mit ihrer umstrittenen architektur steht, die der sozialdemokratische bürgermeister bauen liess.

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das interview von bruno kaufmann für drs 2 mit dem stadtwanderer stig ericsson (foto: stadtwanderer) 

arboga war zu allen zeiten ein regionales zentrum mit nationaler bedeutung, erklärt der stadtwanderer. ueber flüsse und seen kommt man mit dem segel von hier aus ungehindert nach stockholm. auf dem landweg erreicht man leicht göteborg, und auch in den süden ist die anbindung über jönköping gut. das alles hat arboga zum idealen ausgangspunkt für den binnenhandel gemacht: eisenerze aus bergslagen wurden im kleinen hafen von arboga für den export verschifft; die schwedischen könige hatten hier eine ihrer wichtigsten militärbasen, und auch heute ist man daran, das ganze lager der schwedischen armee in arboga zu konzentrieren.

in arboga stand seit dem 13.jahrhundert auch das nördlichste franziskanerkloster schwedens. hier fand im 15. jahrhunderauch die erste versammlung des schwedischen reichstages statt. und in der kleinstadt verpflichtete der spätere könig karl ende des 16.jahrhunderts den schwedischen klerus definitiv, die grundsätze der reformation einzuhalten und nicht zur gegenreformation ueberzulaufen.

doch damit nicht genug: in arboga gab es im späten 19. jahrhundert erstmals eine telefonstation, und hier wurde im 20. jahrhundert der heutige weltkonzern asea, der später die bbc übernahm, in einer unauffälligen garage gegründet.

auf die heutige besucher wirkt arboga schwedisch-mittelalterlich. die pflastersteine haben es dem berner stadtwanderer schon vor zwei jahren bei seinem ersten besuch in arboga angetan. der stadtkern ist in weiten teilen gut erhalten. roter backstein gibt es seit dem 15., buergerlich geschäftshäuser seit dem 17. und sozialdemokratische bastionen seit dem 20 jahrhundert auf engstem raum.

der journalist fragt nach

bruno will es bei seiner reportage auch das 21. jahrhunder ausleuchten: „hat arboga eine zukunft?“, fragt er stig ericsson. der historisch bewanderte stadtführer zögert nicht lange. Er bejaht die frage vor laufendem mikrophon: stockholm sei als stadt zu gross geworden. da gäbe es schon mal eine gegenbewegung. die leute suchten mehr lebensqualität in dem land. so steige die einwohnerzahl von arboga seit 10 jahren wieder an. man könne hier arbeiten, die stadt mache viel fuer kultur, und das freizeitangebot deckt winter- und sommerbeduerfnisse ab.

da kann der skandinavienkorrespondent gar nicht mehr widersprechen. denn seit genau diesen 10 jahren ist er mit seiner familie selbst ein teil des revivals arboga mitten im bewóhnten teil schwedens. und der stadtwanderer aus bern, der in arboga mitgewandert ist, staunt, wie gut man die gegenwärtgien beduerfnisse des lebens in schweden aus historischer perspektive beantworten kann.

stadtwanderer

ps:
die sendung ueber arboga wird am mittwoch morgen, den 30. juli, auf drs 2 ausgestrahlt.


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