das offizielle thema des 4. thuner politforums hiess „top oder flop – was macht erfolgreiche politik aus?“. das inoffizielle drehte sich um das verhalten der schweizer banken und kreiste auch darum, was zu misserfolg im öffentlichen leben führe.

webermax weber, der grosse deutsche soziologe, definierte während dem ende des kaiserreiches von 90 jahren, was einen guten politiker ausmache und wurde am thuner politforum mehrfach zitiert

es schimmerte in einigen referaten, aber in fast jedem persönlichen gespräch durch: die fassungslosigkeit der bernischen politikerInnen zur ubs, zum bankgeheimnis und zum einsatz von staatsmittel in privaten banken. genereller tenor: jahrelang sei die politik arrogant behandelt und gescholten worden zu versagen, und jetzt, wo die banken versagen würden, sei man der willkommene garant für stabilität und müsse mit steuermitteln helfen.

vom einschnitt seines lebens berichtete mir einer der vielen gemeindepräsidenten, als unser zwiegespräch unweigerlich auf die ubs zusteuerte. basses staunen überfällt ihn, weil niemand zur rechenschaft gezogen werde. kleine steuersünder habe man damals in seiner gemeinde gepiesakt, die grossen banditen von jetzt bekämen noch boni, machte er seinem ärger luft.

der gemeindepräsident von lauterbrunnen peter wälchli flechtete gar während seines referates eine unmissverständiche anspielung auf das thema ein. er zahle viel steuern, damit es mit seiner gemeinde und seinem tal aufwärts gehe. würde er sich nur danach richten, wäre er vielleicht nicht an den fuss der jungfrau gezogen. doch die einmalige umgebung, das gesunde leben und die liebe zu den menschen habe ihn dazu bewogen. das seien seine standortfaktoren. bereuen würde er nichts, wenn er sehe, wie der zerfall der werte an der zürcher bahnhofstrasse die menschen bis zur unkenntlichkeit verändert habe.

der beispiele wären noch viele. die meisten stammten von bürgerlichen politikerInnen, für die das verhalten der ubs in den usa, die rechtsbrüche, die steuerbetrügerein schwerer zu verdauen sind als für linke politikerInnen. alex tschäppät, berns sp-stadtpräsident, sagte nam das thema ohne schadenfreude auf dem podium auf. nach dem grounding der swissair habe er auf dem bundesplatz an einer demo eine spontane rede gehalten, in der er die banken als zerstörer schweizerischer errungenschaften angeklagt habe. zwischenzeitlich wisse er, dass er damit recht gehabt habe, auch wenn man sein wort zur falschen zeit damals verabscheut hatte.

an der aufschlussreichen tagung zu dem, was erfolg und misserfolg in der politik ausmache, wurde auch der grosse deutsche soziologie max weber zitiert, der in seiner 1919 erschienen schrift zu „politik als beruf“ formulierte, ein mix aus leidenschaft, aus verantwortungsbewusstsein und augenmass mache erfolgreiche politik aus.

zu viel leidenschaft,
keine verantwortungsbewusstsein und
fehlendes augenmass

führten dagegen in die irre!

stadtwanderer


Comments

4 Comments so far

  1. Ernst on März 8, 2009 09:02

    Mir fehlt die wichtigste Eigenschaft: Ehrlichket.
    Wer das nicht ist, verliert seine Glaubwürdigkeit und damit das Wichtigste, was Menschen in der Oeffentlichkeit haben.
    Nicht nur Politiker, auch Banker notabene!

  2. Eva on März 8, 2009 17:02

    Ich würde Banker und Politiker nicht in einen Topf werfen.
    Denn die Gier nach Geld ist nirgends so gross wie bei den gegenwärtigen Bankern.
    Dagegen arbeiten viele Politiker bis heute gratis.

  3. Titus on März 9, 2009 01:12

    @ Eva
    Na ich würd‘ nun auch nicht gleich alle Angestellten aller Banken in einen Topf werfen, denn genau das machen gewisse ausländische Poltiker zurzeit mit uns: Wir sind alle Banker und wir gewähren allen ausländischen Kunden Beihilfe zu Steuerbetrug/-hinterziehung…

  4. Fritzli Bühler on Juli 7, 2009 18:50

    Interessant, dass Herr Wälchli die Zürcher Bahnhofstrasse anspricht. Hat er doch selbst in seiner Laufbahn mehrfach mit für Banken gearbeitet.

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