meine erste stadtwanderung ist geglückt. das treffen mit jungen muslimen in der schweiz regte zu vielfältigen diskussionen an. und zum nachdenken über das, was politik in der kulturellen moderne ausmacht.

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gruppenbild im bundeshaus, während meiner ersten stadtwanderung 2009

die meisten der teilnehmerInnen meiner ersten stadtwanderung sind in der schweiz geboren worden. und sie leben mit der absicht, hier zu bleiben. ihren muslimischen glauben wollen sie nicht verleugnen müssen. deshalb fordern sie religiöse toleranz, vielfalt der kulturen.

im bundeshaus debattierten wir mit felix gutzwiller (fdp) und kathy riklin (cvp) über die verhandlungen zur minarett-initiative. selbstredend begrüssten alle die entscheidung im schweizerischen parlament. gerne hörte man auch die botschaften der politikerInnen, sie würden sich im abstimmungskampf auch entsprechend einsetzen.

beim mittagessen, gemeinsam mit der früheren ständerätin monika weber aus zürich, gingen die diskussionen in alle richtungen. meine gäste interessierten sich vor allem für die symbole des bundeshauses. zunächst die fehlenden: dass man im parlamentsgebäude nirgends essen könne, befremdete. ein cafe erschien als schwacher ersatz für gesellige formen, sich mit politikerInnen unterhalten zu können. dann wollte man mehr über die frontseite wissen: die köpfe über den eigangstüren, die wächter links und rechts. viele schweizerInnen dürften sie regelmässig übersehen; nicht so meine gäste mit einem anderen kulturellen auge, denen ich die die hervorhebungen als symbole der einwanderungsgesellschaften, der berichterstattung in der gegenwart und der beurteilung aus historischer perspektive erkläre.

natürlich fielen den passantInnen im bundeshaus und während den stadtführungen die kulturellen unterschiede auch bei unseren gästen auf. einige frauen trug stets ein kopftuch; niemand trank den ganzen tag einen schluck alkohol. einige verschwanden plötzlich, um an einem stillen ort beten zu gehen.

unterwegs, aber auch beim sitzen, waren männer und frauen eigentlich immer etwas separiert unterwegs. gleichstellung der geschlechter in der öffentlichkeit bleibt ein heikles thema. umgekehrt werden religiöse überzeugungen viel sichtbarer in die öffentlichkeit getragen und gezeigt.

es ist nicht so, dass ich mich nicht aufgenommen gefühlt hätte; etwas fremd war mir die gruppe indessen schon. ich bin froh, dass der generalsekretär des dialog instituts, cebrail terlemez, ein gewandter vermittler zwischen kultur ist.

selber ertappte ich mich, auffällig viel von der aufklärung, je von der kulturellen moderne, die auf ihr basiert, gesprochen zu haben. demokratie basiert demnach auf der trennung von politik und religion, auf dem vorrang von weltlicher vernunft vor göttlicher offenbarung. und der überzeugung, dass politik am besten funktioniert, wenn sie auf eben diese vernunft setzt.

sich dafür einzusetzen, mit wem auch immer man unterwegs ist, und wo auch auch immer das stattfindet, lohnt sich!

stadtwanderer


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