kaum zurück in bern, ist der stadtwanderer schon wieder im stadtgespräch. diesmal mit einer bloggenden reportage im „bund“. und mache mir gedanken zum privaten im öffentlichen.

topelement9
jacoblök und stadtwanderer im bloggerporträt des berner „bund

philipp schori, zürcher politologiestudent, arbeitet in der lokalredaktion des berner „bund“. das gespräch mit ihm habe ich durchaus in guter erinnerung. wir waren rasch bei der sache. ihn interessierte vor allem, wie weit ein blogger mit der offenheit gegenüber seinem privatleben geht: weiter, oder weniger weit, als es die journalistInnen der massenmedien dürfen?

als ich den artikelentwurf las, hatte ich kaum etwas bemängeln. ich merkte aber, dass es in unserer unterhaltung zu einem möglichen missverständnis kam. denn ich glaube letztlich nicht, dass sich blogger für das private am privatleben interessieren.

meine these ist: blogs sind ein gegentrend zur uniformierung des öffentlichnen durch verschiedene private instanzen. massenmedien machen politische öffentlichkeit nach ihren gestaltungsregeln breit verfügbar. google earth ebnet mit seinem blick von weit oben alle eigenheiten von städten und quartieren auf ihre strukturmerkmale ein. und einkaufstempel überwachen ihre besucher per video solange, bis sie in ihrem verhalten als konsumenten durchschaut sind und damit auch gesteuert werden können.

dieser objektivierung des öffentlichen zu privaten zwecken setzen sie blogger ihre egienen sichtweisen aufs ganze entgegen. ihre reichweiten sind zu gering, um zu massenkommunikation zu werden. ihre kameras sind zu persönlich geführt, um strukturanalysen zu betreiben. und ihre sprache ist zu individualistisch, um zum einheitsbrei zu werden. das unterscheidet sie von den genannten instanzen in der möglichkeit, das öffentlich einzeln bestimmen zu können.

doch blogger sind nicht alleine. sie sind ein lebendes netzwerk von individualistInnen, die als gemeinsam ein kaleidoskop des öffentlichen herstellen, um es am vielgesichtigen leben zu erhalten. das macht den bunten haufen der blogs gleichzeitig so anstrengend wie interessant.

stadtwanderer


Comments

5 Comments so far

  1. rittiner & gomez on Mai 6, 2009 13:51

    der bunte haufen, der übrigen medien ist ja auch ab und an anstrengend und manchmal sogar interessant. kopieren – einfügen ist ja nicht nur in blogs weit verbreitet.

  2. stadtwanderer on Mai 6, 2009 19:19

    750 besuche gestern, insgesamt 1500 seiten, die auf dem stadtwanderer ist zwar nicht der spitzenwert, aber doch überdurchschnittlich.
    dank dem bund-artikel? ja, ziemlich sicher.

  3. Andi on Mai 7, 2009 10:49

    Ich hatte gestern auch mehr Besucherinnen und Besucher – zum ersten Mal schlägt sich eine Printpublikation (leicht) in erhöhten Zahlen nieder. Früher war das nie so. Gut! – Noch schöner wärs, wenn wir den eine oder die andere StammleserIn gewinnen konnten.

    Deine Analyse trifft den Nagel ziemlich auf den Kopf, danke.

    Just for the record: Mein Blog heissst JacoBlök (statt JacoBlog), nicht ich als Person. Der in 10 Sekunden bei der WordPress-Installation gefundene Name ist eh doof, aber etablierte Marken soll man schliesslich nicht ändern 🙂

  4. JacoBlök » Das angeborene Mitteilungsbedürfnis on Mai 7, 2009 10:51

    […] – grüsse an den co-porträtierten stadtwanderer (klein geschrieben, versteht sich)! du hast offenbar ebenfalls ein vaio – auch mit […]

  5. stadtwanderer on Mai 7, 2009 20:17

    uiiii verwechslungen im namen durch menschen, die lesen können, sind schlimm. sorry!!!

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