unweigerlich musste ich an niki de saint phalle denken, als ich im „nature“ den bericht über die entdeckung der frauenfigur im hohlen fels auf der schwäbischen alb las.

figurarm639nana-power-postersder noch unbekannte fund einer frauenfigur aus der schwäbischen alb und die typische nana der freiburger künstlerin von niki de saint phalle

33 gramm wiegt die frauefigur aus dem schwäbischen. keine 6 zentimeter hoch ist sie. doch mit 40’000 jahren ist sie die bisher älteste ihrer art. auffallend sind die riesigen, hervorstehenden brüste, und unübersehbar ist die vulva zwischen den gespreizten beinen.

sprachlos seien die archäologInnen gewesen, als sie den fund erkannt hatten. die männer im team hätten das erotische in den vordergrund gestellt, die frauen das grundsätzlich weibliche, schreibt die „zeit“ diese woche. sprachlos war wohl auch der oder die macherIn der figur, denn vor 40’000 jahren dürften die menschen nicht über eine wortsprache verfügt haben. doch konnten sie formen und gestik, vielleicht auch die mimik verstehen.

die sprachlosigkeit überwinden, die gelegentlich immer noch in uns steckt, ist das thema bei niki de saint phalle. ihre frauenfiguren sie unendlich viel grösser. doch auch sie wirken durch die betonung der weiblichen geschlechtsteile, sodass der kopf, die füsse und die hände in den hintergrund verschwinden.

„wie der mensch vor 40’000 jahren dachte und fühlte, werden wir nie herausfinden“, kommentierte walpurga antl-weiser den spektakulären fund, den man am 9. september 2008 gemacht hatte. sie miss es wissen, hat sie doch ihr halbes leben lang die venus von willendorf, die mit 25’000 jahren bisher älteste frauenfigurine, zu deuten versucht.

gerade deshalb macht der bezug zu den nanas der gegenwart aller gegensätzlichkeit zum trotz für mich sinn. denn niki de saint phalles absichten kann man in ihren selbstzeugnissen nachlesen: selbstbewusste frauengestalten, erotisch und verrucht zugleich, wollte sie schaffen. fröhlich-bunt zog sind sie als konzession an die gegenwart. sie fliegen und tanzen, um sich von allem körperlichem zu befreien und zu sich selbst zu gelangen. „alle macht den nanas“ postulierte die künstlerin, als sie begann, ihre kunstwerke in der ganzen welt dem staunenden publikum auszustellen.

„alles für die fröhlichen frauen“, behaupt ich mal, was das motto der wortlosen erschafferInnen der neuesten ikone unter den frauenfiguren aus der künstlerischen urzeit.

stadtwanderer


Comments

3 Comments so far

  1. Lisa N. on Mai 24, 2009 19:29

    Ein spannender Vergleich zweier etwas ungleicher Frauengestalten, werter Stadtwanderer!

  2. Rinaa on Mai 28, 2009 03:06

    wunderbares Motto
    “alles für die fröhlichen frauen”
    bin begeistert!
    Gruss, Rinaa

  3. bärbi on Mai 28, 2009 16:33

    🙂

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